FeedLivland oder Liefland
GeschichteBrockhaus 1882

Livland oder Liefland, von den Liven (s. d.), den ursprünglichen Bewohnern und als ein pelbe dieses Landes, so benannt, war ehemals ein selbständiges Herzogtum, welches jetzt das russ. Gouvernement L. bildet, während in früherer Zeit auch Estland (s. d.), Kurland (s. d.) und ein Teil von Witebsk zum Bereich jenes Herzogtums gehörten. Der Rigaische Meerbusen, Estland, der Peipussee, Pfkow, Witebsk und Kurland begrenzen das heutige L. Die Bewohner sind gegenwärtig Livländer, d. h. Deutsche, welche sich in den Adel und die Bürgerschaft teilen, Russen, die als Kaufleute und Beamte in den Städten leben, und Letten und Esten (s. d.) oder die auf den Dörfern wohnenden Bauern, welche sich seit 1866 einer ausgedehnten Selbstverwaltung und zufolge der Agrargesetze von 1849 und 1860 eines beständig zunehmenden Wohlstandes erfreuen, wie sich auch die Volksbildung seitdem gehoben hat. Man unterscheidet in L. nach diesen beiden Völkerschaften ein eigentliches Lett⸗ und ein Estland, wovon jenes den südl. und westl., dieses den nördl. und östl. Teil L.s ausmacht. Die herrschende Konfession ist in L. die lutherische; außerdem zählt auch die reform., kath. und griech. Kirche einige Bekenner. L. umfaßt mit Einschluß der zusammen 1505,7 gakm bedeckenden Binnengewässer 47029,2 akm und zählt (1881) 1149300 E. Das Gouvernement ist in neun Kreise geteilt: Riga, Wenden, Dorpat, Pernau, Fellin, Werro, Wolmar, Walck und die Insel Ofel, und zählt elf Städte, nämlich die Hauptstadt Riga (s. 93 mit dem Hafen und der Festung Dünamünde (s. d.), Schlock, Wenden, Wolmar, Lemsal, Fellin, Walck, Werro, Pernau, Dorpat (s. d.) und Arensburg (s. d.). Das Land ist längs der Küste flach und sandig, im Innern höher, meistenteils fruchtbar und hat in der Gegend von Wenden und Dorpat freundliche, oft malerische Hügel. Der höchste Punkt des Landes ist der 324 m hohe, schön belaubte Munna-Mäggi (Eierberg) im Haanhofplateau, südlich von Werro, und der ausgedehnteste See nach dem Peipus (s. d.) der 276 qlem große Wirzjärw, den der Embach durchströmt. Das Land hat beträchtliche Waldungen, Sägemühlen, Glashütten und Ziegeleien, erzeugt viel Getreide, besonders Roggen und Gerste, sowie Hanf und Flachs; besonders berühmt ist der rigaer Leinsamen. Das Mineralreich gewährt Kalk, Gips, Alabaster, Marmor, Flintensteine; auch an Torf ist kein Mans el. L. ist reich an schönen Ruinen, die aus der Zeit der livländ. Schwertritter stammen. Besonders zeichnet sich an solchen die Gegend von Wenden aus, die von den Deutschen im Lande die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 130Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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