FeedLocarno (deutsch Luggarus)
ErdkundeBrockhaus 1882

Locarno (deutsch Luggarus), Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks (549 akm, 24 338 E.) des schweiz. Kantons Tessin, liegt 208 müber dem Meere, 17km westsüdwestlich von Bellinzona bei der Mündung der Maggia am obern Ende des Lago-Maggiore und zählt (1880) 2645 meist kath. E. Die Stadt, zwischen Berg und See 1 dastern E⸗ ist amphitheatralisch gebaut mit engen dustern Gassen von durchaus ital. Gepräge. Von den öffentlichen Gebäuden sind zu nennen die Hauptkirche San-Antonio, ein reicher Barockbau von 1674, die Kirche San-Francesco, der ehemalige Regierungspalast und das alte Kastell, jetzt Ruine; außerdem besitzt die Stadt mehrere Palazzi und in dem neuen gegen den Bahnhof der Gotthardbahn gelegenen Quartier stattliche moderne Bauten. Den schönsten Blick auf den See, die malerische alte Stadt und ihre reizende, durch ihre üppig südliche Vegetation und ihr mildes gleichmäßiges Klima ausgeeichnete Umgebung bietet die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso, die sich dicht hinter L. auf einem steilen Felsen 157 m über dem See, 354 m über dem Meere erhebt. Schon 789 urkundlich er wähnt, stand L. im spätern Mittelalter unter der Herrschaft verschiedener Adelsgeschlechter, kam 1340 an Mailand und wurde 1512 an die Eid genossenschaft abgetreten, deren Vögte Stadt und Grafschaft L. bis 1798 als „Gemeine Herrschaft verwalteten. Unter der Regierung der Vögte gin die Stadt mehr und mehr zurück, namentlich nach dem sie 1555 durch die Vertreibung der Protestanten viele ihrer angesehensten und tüchtigsten Bürger verloren hatte. Bei dem Umsturz der alten Eidgenossenschaft kam L. an den Kanton Lugano der Helvetischen Republik, durch die Mediation von 1803 an den Kanton Tessin, als dessen Hauptstadt es mit Idereale und Lugano abwechselte. Seitdem 1881 der Regierungssitz definitiv nach Bellinzona verlegt wurde, ist L. ein stilles Landstädtchen, das nur noch als Marktplatz und Hafen der obern Seegegend, Kopfstation der Zweiglinie Bellinzona-L. der Gotthardbahn und klimat. Kurort Bedeutung hat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 139Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 12

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6