FeedLugano (deutsch Lauis)
ErdkundeBrockhaus 1882

Lugano (deutsch Lauis), Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks (327 qkm, 39620 E.) des schweiz. Kantons Tessin, liegt 275 müber dem Meere, 22 kKm südsüdwestlich von Bellinzona auf dem nördl. Ufer des Luganersees an der Linie Bellinzona-Chiasso der Gotthardbahn, besitzt lebhafte Industrie, namentlich in Seide und Tabak und bedeutende Viehmärkte und zählt (1880) 6129 meist kath. E. Die Stadt ist, sowie ihre Umgebung, durchaus ital. Charakters. Von Gebäuden sind zu erwähnen die hochgelegene Hauptkirche San-Lorenzo mit reichem Portal, die Klosterkirche Sta. Maria degli Angeli mit der berühmten Kreuzigung und einem Madonnenbilde Bernardo Luinis, der Palazzo Civico, früher Regierungsgebäude, jetzt Gasthof, das Theater, das palastartige Hötel du Parc an dem stattlichen, durch eine Tellstatue Velas geschmückten Kai und das Liceo ticinese, welches die Kantonsschule, die Bibliothek und verschiedene Sammlungen enthält. In der Umgebung liegen zahlreiche Villen und Campagnen, von denen sich namentlich die Villen Ciani, Enderlin, Luvini und Trevano durch ihre prächtigen Parkanlagen auszeichnen; die bekanntesten Aussichtspunkte sind der Monte-S.⸗Salvatore (909 m, 3 km südlich von L.), der Monte-Brs (930 m, 3 km östlich) und der am andern Seeufer, L. gerade gegenüber, hinter den bewaldeten Felsrücken des Monte-Caprino und des Colmo di Creccio aufsteigende Monte⸗-Generoso (1695 m). Schon im 9. Jahrh. ein bedeutender Marktflecken, hatte L. im spätern Mittelalter viel von den Fehden zwischen Welfen und Ghibellinen zu leiden, bis es 1434 definitiv an Mailand fiel; 1512 wurde es an die Eidgenossen abgetreten, deren Landvögte Stadt und Landschaft L. bis 1798 als „Gemeine Herrschafto regierten. Bei dem Umsturz der alten Eidgenossenschaft machte sich L. von der Herrschaft der 12 Orte frei, blieb aber als Hauptstadt des gleichnamigen Kantons der Helvetischen Republik bei der Schweiz und wurde durch die Mediationsakte von 1803 dem neuen Kanton Tessin zugeteilt, dessen Hauptstadt es mit Locarno und Bellinzona abwechselnd war. Obwohl nun 1881 der Regierungssitz definitiv nach Bellinzona verlegt wurde, ist doch L. immer noch der bedeutendste Ort, Mittelpunkt des geistigen und des politischen Lebens, des Handels und der Industrie des Kantons. Zudem machen die herrliche Lage an der schönsten und weitesten Bucht des Sees, die malerische Umgebung, welche alpine Formen mit ital. Uppigkeit verbindet, und das milde gleichmäßige Klima(Jahresmittel 11,50.) L. zu einem der beliebtesten klimatischen Kurorte und Touristenquartiere am Südfuß der Alpen. Der Lu ganersee, ital. Lago di L. oder Lago Ceresio, ist mit 271m Höhe über dem Meere nächst dem Lago d'Orta der höchstgelegene unter den oberital. Seen und gehört teils dem schweiz. Kanton Tessin, teils der ital. Provinz Como an. Der See ist 50 qkm groß, von Porlezza bis Ponte Tresa 33 km lang, ½—3 km breit, bis 279 metief und zerfällt, wie der Vierwaldstättersee, in mehrere Arme und Becken, die sich in Form eines Angelhakens aneinanderreihen. Die Hauptzuflüsse sind der Cuccio, der aus Val Cavargna in den Seearnt von Porlezza fließt, der Cassarate, der in die Bucht von L. mündet und der Agno oder die Vedeggia, welcher dem See die Gewässer des Monte-⸗Cenere zuführt. Der Abfluß ist die Tresa, die sich nach 14 km langem Laufe unweit Luino in den Lago Maggiore ergießt. Das krystallklare, tiefblaue Wasser des Sees ist reich an Fischen, namentlich an Agoni (Finten), Forellen, Schleien und Aalen. Die herrschenden (periodischen) Winde sind die Brisa, die von N., und die Breva, die von S. kommt. Der Ostwind, Porlezzina, erzeugt hier und da heftige Stürme. Die wechselnde Seenerie, welche die verschiedenen Buchten und Becken bieten, die malerischen, von schmalen Thalmündungen und kleinen Ebenen unterbrochenen Steilufer, aus deren Grün 30 Ortschaften und zahlreiche Schlösser, Villen, Klöster, Kirchen und Kapellen hervorschimmern, und die schön geschwungenen Linien der den Wasserspiegel umrahmenden Porphyr⸗, Glimmerschiefer- und Dolomitgebirge, der Cima del Arabione (1807 m), der Monte-Generoso, Monte-Bré, San-Salvatore u. s. w. lassen den Luganersee, trotz seiner geringern Ausdehnung, mit dem Lago Maggiore und dem Comersee wetteifern. Zwischen Porlezza, L. und Ponte-Tresa wird der See von vier Dampfbooten befahren, deren Linie bei Melide von der Linie Bellinzona-L.⸗Chiasso der Gotthardbahn gekreuzt wird, die vermittels eines mächtigen Dammes und zweier Brücken den See überschreitet. Zum Lago-Maggiore und dem Comersee führen die schmalspurigen Straßenbahnen (1884 im Bau) Ponte-Tresa-Luino und Porlezza-Menaggio. Vgl. Beha, «L. und seine Umgebungen» (St. Gallen 1881); Cornils, Luganop (Bas. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 245Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6