Logos (grch.) bedeutet in der stoischen Philosophie die das Weltall durchwaltende göttliche Vernunft. In der jüdisch-alexandrinischen Religionsphilosophie, welche griech. Philosopheme mit den religiösen Anschauungen des Alten Testaments verschmolz, wurde der Ausdruck, gemäß seiner Doppelbedeutung als Vernunfteo und «Worto, Bezeichnung des die urbildliche oder unsichtbare Welt in sich zusammenfassenden ewigen göttlichen Gedankens. Sofern sich in diesem aber zugleich die Totalität der in der sichtbaren Welt wirksamen göttlichen Kräfte zusammenfaßte, bezeichnete der L. auch wieder das göttliche Schöpferwort, welches als der aus Gottes Stille hervorgetretene göttliche Gedanke das personifizierte Prinzip der Weltschöpfung und aller göttlichen Schöpferthätigkeit und Offenbarung in der Sinnenwelt sei. Um die Mitte des 2. Jahrh. begannen philosophisch gebildete Kirchenlehrer diese Vorstellung zur Apologie des Christentums vor der griech. Philosophie zu [! benutzen und die christl. Religion als die vollkommene Offenbarung des schon in der heidnischen Welt wirksam gewesenen göttlichen, in Jesus Christus aber Fleisch gewordenen L. zu betrachten. Das vierte Evangelium führte dann die Logosidee immer allgemeiner in den kirchlichen Vorstellungskreis e ein. Einer Zeit, welche in Christus nicht mehr einen bloßen Menschen sah, dennoch aber Vedenten trug, den ewigen Gott selbst in Menschengestalt erscheinen zu lassen, mußte eine Lehrform willkommen sein, welche, zwischen diesen beiden Anschauungen mitteninne stehend, in Christus ein göttliches aber Gott untergeordnetes Mittelwesen sah. Do fand die Logoslehre erst sehr allmählich Anerkennung und wurde noch zu Ende des 2. Jahrh. in Rom als Zweigötterei verworfen. Vgl. Heinze, «Die Lehre vom L. in der griech. Philosophies (Oldenb. 1872).