FeedLorient
ErdkundeBrockhaus 1882

Lorient, ehemals L'Orient, große, schöne und befestigte Seestadt mit (1881) 37 096 C. im franz. Depart. Morbihan an der Südküste der Bretagne, 54 km im Westnordwesten von Vannes, an der Mündung des Scorff in die Bai von Lorient oder dem bei Port-Louis mit dem Atlantischen Meer in Verbindung stehenden Mündungsbusen des Blavet gelegen, ist Station der Linie Savenay-Landerneau der Orléansbahn, Hauptort eines Arrondissements, einer der fünf Kriegshäfen Alafte, eri und Flottenstation, Festung zweiter Klasse, erster Schiffsbauplatz der Staatsmarine, Sitz einer Seepräfektur, eines Gerichtshofs erster Instanz, eines Handels⸗, eines Seegerichts, sowie zweier Friedensgerichte. Die Stadt hat breite, schnurgerade Straßen mit einer vierfachen Ulmenreihe, sehr große, schöne Plätze, angenehme Promenaden, eine herrliche, sichere Reede und einen guten Hafen, welchen prächtige Kais und das schönste Stadtviertel umgeben, ein Lyceum, eine Marineartillerie⸗‚ eine hydrogr. und andere Schulen, ein Observatorium und große Werfte und Docks (das Tionw. 155 mlang, 30 mbreit und 8 m tief unter Tiefwasser) für Kriegs⸗ und Handelsschiffe. Außerdem bestehen hier ein Marinearsenal, ein Artilleriepark, große Artilleriekasernen, ein Seehospital, ein Gefängnis, eine Handelsbörse, mehrere Versicherungsanstalten, eine landwirtschaftliche und eine Handelskammer, ein Theater, eine philotechnische, eine Industrie⸗ und andere Gesellschaften. L. befitzt eine Dampfmaschinen-Bauanstalt, Eisengießereien, Hammerwerke und Schmieden, Leder⸗ und Konservenfabriken, große Depöts für die nach überseeischen Häfen gesandten Waren. Es rüstet Schiffe für die große Fischerei aus, treibt Sardinenfang im großen, sowie lebhaften Handel, welcher Getreide, Wein, Branntwein, Vieh, Wachs, Honig, Butter, Fische, Tuch, Quincaillerie⸗ und Krämerwaren zur Ausfuhr bringt, dagegen Baumaterialien für die Marine, Taue, Anker, Harz, Waffen, Kolonialwaren u. s. w. importiert. L. verdankt seinen Ursprung der Ostindischen Handelskompagnie, die hier 1664 ein Etablissement errichtete. Der 1709 gegründete Ort ward 1738 zur Stadt erhoben und 1744 befestigt, von den Engländern aber 1746 angegriffen. Nach Auflösung der Kompagnie und dem Bankrott der Familie Rohan-Guéméné, die Besitzer der Stadt war, kaufte 1782 Ludwig XVI. dieselbe an. Am 23. Juni 1795 trugen bei der im Süden der Reede gelegenen Insel Groix die franz. Emigranten unter dem engl. Commodore Warren über die franz. Flotte von Brest unter Villaret de Joyeuse einen Seesieg davon. Seit Napoleon J. geschah viel für die Hebung L.s, namentlich wurden seit 1815 großartige Hafenarbeiten ausgeführt. Im Süden 4 Em von L. liegt östlich an der Blavetmündung und am Eingang der Reede die schlecht gebaute, feste Hafenstadt Port-Louis mit 3900 E., starkem Sardinenfang, Seebädern, Seilerbahnen und beträchtlichem Küstenhandel. Auf der sehr starken Citadelle (aus dem 17. Jahrh.) saß Ludwig Napoleon nach der straßburger Affaire 1836 einige Tage gefangen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 180Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 8

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6