Libourne, Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Depart. Gironde, 27 km im ONO. von Bordeaur, in wein⸗ und kornreicher Gegend an der Einmündung der Isle in die Dordogne, Station der Linien Paris Bordeaux und L.⸗La Buisson der Orléansbahn, ist ein alter, aber hübscher und regelmäßig gebauter Ort. Die acht Hauptstraßen laufen auf den viereckigen, mit weiten Hallen versehenen Hauptplatz aus. L.zählt (1876)12872, als Gemeinde 15231 C. und ist der Sitz eines Gerichtshofs erster Instanz, eines Handels⸗ und eines Friedensgerichts, so- wie mehrerer ausländischer Konsulate, hat ein Kommunal-Collége, eine Schule für Hydrographie, ein Museum, eine öffentliche Bibliothek, einen botan. Garten, einegroßeReitschule, ein Gestüt, ein Zellengefängnis, ein Theater, schöne Promenadenetc. UÜber die Dordogne führen eine 220 mlange Eisenbahnbrücke von neun Bogen und eine 150 m lange Steinbrücke, über die Isle eine Hängebrücke. Der Flußhafen, in welchem die Flut 3—5 mhoch steigt, nimmt Seeschiffe von 300 Tonnen auf. Daher ist der Küstenhandel sehr bedeutend und auch der auswärtige Seehandel erheblich. L. ist das große Salz⸗- und Handelsentrepöt für alle im Flußgebiet der Dordogne liegenden Departements, treibt Schiffahrt, besonders nach England und Skandinavien, lebhaften Handel mit Wein, Branntwein, Mehl, Rindvieh, Spezereien, Garn und Stabholz. Außer Schiffswerften, Seilereien, Schneidemühlen, Eisengießereien bestehen Fabriken für Zeuge, Militäreffekten, Möbel, Nägel, Pfropfen, Leder, Schuhwerk, Glas und Runkelrübenzucker. — L. hieß in der kelt.⸗röm. Zeit und später Condate-Lillä, ward im 5. Jahrh. zerstört, 1270 durch Eduard, Prinzen von Wales, wieder aufgebaut, von Wilhelm X. von Aquitanien befestigt, erhielt unter Leybourn, dem engl. Seneschall von Guyenne, noch bedeutende Werke und ihren jetzigen Namen, ward 1377 von Duguesclin,‚, 1431 von Dunois den Engländern entrissen, 1451 von Talbot zurückerobert, aber 1453 nach der Schlacht von Castillon für immer mit Frankreich vereinigt.