FeedLudwig IX.
GeschichteBrockhaus 1882

Ludwig IX., der Heilige, König von Frankreich 1226—70, Sohn des vorigen und der Blanca von Castilien, wurde 25. April 1215 geboren, folgte 8. Nov. 1226 seinem Vater unter der Vormundschaft der Mutter, die auch die Regentschaft führte. Die Großen versuchten zwar gegen die Ausländerin Widerstand und wollten sich 1228 des Königs bemächtigen, wurden aber von Blanca bezwungen. Gleichzeitig führte sie den Krieg gegen die Albigenser zum siegreichen Ende, wodurch die Krone einen großen Zuwachs an Macht erhielt, wenngleich die frühere Blüte von Languedoc durch die Inquisition zerstört wurde. Als der König volljährig geworden, weigerte sich Hugo de la Marche, den Vasalleneid zu leisten, und rief seinen Schwager Heinrich III. von England zu Hilfe; doch L. schlug letztern w1242 bei Taillebourg und Saintes. Im J. 1244 that L. in einer schweren Krankheit das Gelübde zu einem Kreuzzug. Nachdem er seine Mutter zur Regentin eingesetzt, segelte er im Aug. 1248 mit einem Heere von 40000 Mann nebst seinen Brüdern Robert von Artois und Karl von Anjou und seiner Gemahlin Margarete von Provence nach Cypern, von wo er im nächsten Frühjahre nach Agypten übersetzte. Er landete 4. Juni 1249 zu Damiette, schlug das mohammed. Heer und nahm die Stadt, rückte aber erst im November den Nil bis Mansura hinauf, wo sich der Feind am andern Ufer befand. Nachdem das Kreuzheer zwei Monate mit Ableitung des Nils verloren, zeigte ein Araber eine Furt, durch welche endlich der größte Teil der Franzosen über den Fluß gelangte. Des Königs Bruder Robert drang jedoch blindlings in den schon fliehenden Feind, wurde mit seinem Korps gänzlich geschlagen und fiel selbst (I. Febr. 1250). L. sah sich so hart bedrängt, daß er sich 5. April 1250 mit seinen Brüdern Karl und Alfons, welcher letztere ihm Verstärkung gebracht hatte, gefangen geben mußte. Er wurde indes mit den Seinigen 7. Mai gegen ein Lösegeld von 100000 Mark Silber wieder freigelassen. Mit dem Reste von kaum 6000 Mann schiffte er sich nach Acre ein und blieb noch vier Jahre im Heiligen Lande, bis ihn der Tod seiner Mutter zur Rückkehr nötigte. Nachdem er durch Vertrag und Heimfall viele Provinzen mit der Krone vereinigt, schloß er 1259 mit Heinrich III. von England einen Vergleich, in welchem dieser gegen die Belehnung mit Perigord, Limousin und Querci den Heimfall der übrigen eingezogenen Lehne anerkannte. Höchst wichtig waren die Reformen, die er im Justizwesen vornahm. Die Etablissements de Saint-Louiso sind jedoch kein von ihm veröffentlichtes Gesetzbuch, sondern eine um 1270 entstandene Sammlung von Verordnungen und Entscheidungen. Im J. 1270 unternahm L. einen neuen Kreuzzug. Nachdem er eine Regentschaft eingesetzt hatte, ging er 1. Juli mit 30000 Mann und in Begleitung seiner Söhne Philipp, Tristan und Peter nach Sardinien unter Segel. Hier erst offenbarte er, daß der Zug gegen Tunis gerichtet sei. Nach der Einnahme von Karthago machte L. sogleich Anstalt zur Belagerung von Tunis. Doch im franz. Lager brach eine verheerende Seuche aus, welcher der größte Teil des Heers, 3. Aug. der Prinz Tristan und 25. Aug. 1270 auch der König selbst erlag. Sein Sohn und Nachfolger Philipp III. schloß mit dem König von Tunis eiligst Frieden und kehrte mit der Leiche des Vaters nach Frankreich zurück. Bonifaz VIII. sprach L. 1297 heilig. Vgl. Sieur de Joinville, Mistoire de Saint-Louiso (herausg. von Natalis de Wailly, Par. 1874); Beugnot, Essai sur les institutions de Saint-Louiso (Par. 1821); Villeneuve-Trans, (Histoire de Saint-Louiso (3 Bde., Par. 1839); Scholten, „Geschichte L.s IX.y (2 Bde., Münst. 1850—55); Faure, AÄIIIistoire de Saint-Louiso (2 Bde., Par. 1866); Wallon, „Saint-Louis et son tempsy (2 Bde., Par. 1875); Violet, Les sources des établissements de Saint-Louiso (Par. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 220Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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