FeedLudwig XIII.
GeschichteBrockhaus 1882

Ludwig XIII., König von Frankreich 1610 43, der Sohn Heinrichs IV. (s. d.) und der Maria von Medici (s. d.), wurde 27. Sept. 1601 geboren. Seine Mutter, die mit der Vormundschaft auch die Regentschaft an sich riß, verließ sogleich das polit. System ihres Gemahls, verband sich mit Spanien und verlobte den König mit der Infantin Anna und ihre Tochter Clisabeth mit dem Prinzen von Asturien (1612). Diese Politik erregte die Besorgnisse der Hugenotten. Die Großen verließen den Hof und rüsteten sich zum Kriege. Nachdem der Hos 5. Mai 1614 zu St.⸗Menehould mit ihnen Wundi geschlossen, bestätigte der König bei seiner Mündigkeitserklärung im September das Edikt von Nantes und berief im Oktober die versprochene Reichsversammlung, entließ dieselbe aber, als sie die Finanzverwaltung der Königin-Mutter untersuchen wollte, für immer. Die großen Herren waren besonders empört, daß der Florentiner Coneini, den Maria zum Marquis d'Ancre und zum Marschall erhoben hatte, Staat und Hof unumschränkt beherrschte. Der Prinz Heinrich II. von Condé zog deshalb wieder Truppen zusammen. Da auch die Hugenotten auf die Seite der Großen traten, so suchte der Hof, nachdem sich der König 25. Nov. 1615 zu Bordeaux mit Anng von Hsterreich vermählt hatte, die Parteien durch den 4. Mai 1616 zu Loudun geschlossenen Vertrag zu beschwichtigen. Doch blieb der Hof der Schauplatz von Kabalen. Am 1. Sept. 1616 ließ sogar Concini den Prinzen Condé in die Bastille bringen. Ein Edelmann, de Luynes, hatte jedoch die Freundschaft des Königs gewonnen und beschloß, Concini zu stürzen. Mit Vorwissen des Königs wurde Concini 14. April 1617 niedergeschossen, die Königin-Mutter aber in Haft genommen. De Luynes stieg sogleich zum Pair und Herzog empor und ein königl. Heer zwang die Anhänger der Königin-Mutter zur Unterwerfung; gleich darauf ward Beéarn seiner religiösen und polit. Freiheiten beraubt. Die Protestanten begannen deshalb von neuem den Religionskrieg, in welchem sie bis Ende 1622 fast sämtliche Sicherheitsplätze verloren. Eine neue Epoche in der Regierung L.s begann nach längern Schwankungen erst 1624, als Richelieu (s. d.) in das Ministerium trat, in dem er bald die Leitung der Geschäfte, die Herrschaft über den König wie den Staat ergriff. Nach außen nahm 1 Krieg gegen Habsburg wieder auf. Noch im Winter 1624 wurden die röm.⸗span. Garnisonen aus dem Veltlin vertrieben und so den Spaniern der Alpenpaß gesperrt. Die Protestanten aber benutzten die Händel im Veltlin und griffen nochmals zu den Waffen. Nach einem vorübergehenden Frieden rüstete der Hof Ende 1626 zu dem entscheidenden Stoß. Während die englische, den Protestanten zu Hilfe geschickte Expedition wirkungslos blieb, eröffnete L. im Okt. 1627 in Person die Belagerung von LaRochelle, das sich 28. Okt. 1628 ergeben mußte. Die Protestanten verloren hiermit ihr letztes Bollwerk und waren der Gnade des Hofs anheimgegeben, der ihnen jedoch freie Religionsübung ließ. Durch den Tod Vincents II. aus dem Hause Gonzaga war seit 1627 das Herzogtum Mantua erledigt, und unter andern erhob darauf ein franz. Vasall, der Herzog von Nevers, aus einer jüngern Linie der Gonzaga, Ansprüche. Da indes der Kaiser auf Anstiften Spaniens die Belehnung verweigerte, so zog L. im Febr. 1629 mit einem Heere über die Alpen, schlug den Kaiser, nahm Mantua im Interesse seines Vasallen in Besitz und wirkte diesem in einem 6. April 1631 zu Chierasco geschlossenen Vertrage die Belehnung aus, wobei Casale und Pignerolo französisch wurden. L.s Verdienst ist, daß er allen Machinationen, die Richelieu aus nächster Nähe, von den Prinzen, den Seigneurs und vor allem von der Königin-Mutter bedrohten, die Spitze abbrach und sich zu dem Minister hielt, der die Größe seines Hauses und Frankreichs wollte. So ließ er Richelieu freie Hand gegen seinen Bruder, den Herzog von Orléans, bei der Verschwörung 1631 und der Rebellion, die der verbannte Herzog 1632 wagte. Die eigene Mutter verstieß er vom Hofe und aus dem Lande, um dem Kardinal treu zu bleiben. Der Lohn dieser Haltung war die Eroberung Lothringens 1633 und die Triumphe im Dreißigjährigen Kriege, in den Frankreich nach Gustav Adolfs Tode offen eintrat. Die Marschälle von Chatillon und Brezé führten dem Prinzen von Oranien ein starkes Heer in den Niederlanden zu, und am Rhein verband sich der Kardinal Lavalette mit dem Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar. Beide Heere konnten jedoch im Feldzuge von 1635 wegen Krankheit und Proviantmangel wenig ausrichten. Dagegen setzten 1636 die Kaiserlichen unter Gallas bei Breisach über den Rhein und nötigten Condé zur Aufhebung der Belagerung von Dole, während die Spanier von den Niederlanden aus in die Picardie einfielen und der bayr. General von Werth unter Mord und Brand bis in die Nähe von Paris streifte. Doch mißglückte der Plan, den Krieg in das Innere Frankreichs zu verlegen. L. schloß, in der Absicht, das linke Rheinufer zu gewinnen, 26. Okt. 1635 mit dem Herzog Bernhard ein enges Bündnis, den er in der Eroberung des Elsasses unterstützen wollte. Als jedoch der Herzog seinem Ziele durch Waffenglück nahe rückte, entzog ihm L. die Unterstützung und benutzte den Tod Bernhards, um dessen Eroberungen in Beschlag zu nehmen. Noch glücklicher war L. an der span. Grenze. Während sich 1641 die aufgestandenen Catalonier an Frankreich ergaben, unterwarf ein franz. Heer die Grafschaft Roussillon. Richelieu starb 4. Dez. 1642, und Mazarin (s. d.) trat an seine Stelle. Der König starb 14. Mai 1643. Seine Gemahlin gebar nach 23jähriger Ehe 1638 den Dauphin, der als Ludwig XIV. (s. d.) auf dem Throne folgte, und 1640 den Herzog Philipp von Orléans, Stammvater des jüngern Hauses Orléans (J. d.). Vgl. Bazin, Histoire de Louis XIII„ E. Aufl., 4 Bde., Par. 1846); Topin, (Louis XIII et Richelieno (Par. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 222Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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