FeedLudwig XI.
GeschichteBrockhaus 1882

Ludwig XI., König von Frankreich 1461—83, der älteste Sohn Karls VII. (s. d.) und der Marie von Anjou, geb. 3. Juli 1423, wurde schon 1436 mit Margarete von Schottland verheiratet. Von den unzufriedenen Großen ließ er sich 1440 zur Teilnahme an einer offenen Empörung, der Praguerie, verleiten. Im J. 1451 vermählte er sich eigenmächtig mit der neunjährigen Charlotte von Savoyen. Seine Erpressungen im Dauphiné, das er als Kronprinz regierte, verbunden mit Anschlägen gegen den Thron, bewogen endlich den König, ein Truppenkorps zur Gefangennehmung des Sohnes abzuschicken. Der Dauphin entwich jedoch nach Brabant und lebte hier unter dem Schutze des Herzogs von Burgund bis zum Tode des Vaters. Als ihm 1461 die Krone zufiel, begann er sogleich eine harte Verfolgung der alten Räte und die Unterdrückung der Großen, namentlich der Häuser Burgund und Bretagne, was zu einer Koalition des Adels (la ligue du bien public) führte, an deren Spitze Karl der Kühne, der spätere Herzog von Burgund, stand. Die Schlacht bei Montlhery 15. Juli 1465 blieb unentschieden, aber da L. trotz des Anhangs der Städte zu unterliegen fürchtete, suchte er seine Feinde durch List zu trennen. Im Vertrage von Conflans 5. Okt. gab er seinem Bruder, dem Herzoge von Berri, die Normandie und Karl einige Festen. Bald darauf entriß er jenem wieder die Normandie, während er Karl den Kühnen im Okt. 1468 zu einer friedlichen Ausgleichung nach Péronne einlud. Hier wiegelte er gegen ihn die Lütticher auf, wurde aber nun von Karl gefangen genommen und nur unter harten Bedingungen freigelassen. Da L. dieselben nicht hielt, geriet er mit Karl von neuem in Händel, die den Sturz seines bisherigen Ratgebers, des Kardinals La Balue, herbeiführten und bis Dez. 1472 dauerten. In diesem Jahre trat Comines (s. d.) in des Königs Dienste und ward das Hauptwerkzeug von dessen Politik. Während Karl der Kühne mit Eduard IV. von England ein Bündnis zur Eroberung Frankreichs schloß, verband sich L. mit den Schweizern und dem Herzog Renatus von Lothringen. EduardIV. erschien 1475 mit einem Heere in Frankreich, ließ sich aber, da ihn der Herzog von Burgund nicht unterstützte, 29. Aug. den Frieden von L. für 75000 Goldthaler und ein Jahrgeld abkaufen. Nach dem Falle Karls des Kühnen (1477) nahm er die burgund. Städte in der Picardie, Artois, Flandern, Hennegau und das ganze Herzogtum Burgund als eröffnetes Mannslehn. Der Franche-Comté bemächtigte er sich, um die Provinz für die Tochter Karls des Kühnen, Maria, die sich mit dem Dauphin vermählen sollte, in Verwahrung zu nehmen. Als jedoch Maria nicht den siebenjährigen Dauphin, sondern den Erzherzog Maximilian heiratete, griff er zu den Waffen und brachte es endlich 23. Dez. 1482 zum Frieden von Arras. Vermöge desselben sollte Maximilians Tochter, Margarete, mit dem Dauphin, dem spätern Karl VIII. (. d.), vermählt werden und unter anderm die Grafschaften Burgund und Artois als Heiratsgut mitbringen. Eine andere wichtige Erwerbung machte L., indem er den alten Titularkönig von Neapel und Grafen von Provence, Renatus von Anjou, bewog, den kinderlosen und ihm ergebenen Grafen Karl von Maine zum Erben einzusetzen. Letzterer starb 1481, und nun nahm L. die Grafschaften Provence und Forcalquier, sowie Anjou und Maine als heimgefallene Lehen in Beschlag. übrigens blieb seit L.s Regierung auch die Dauphiné mit der Krone vereinigt. In den letzten Jahren litt L. an Krämpfen, Wutausbrüchen und Furcht vor dem Tode. Er schloß sich in die Feste Plessisles-Tours ein und starb 30. Aug. 1483. Mehr als 4000 Personen soll er, und zwar meist heimlich und ohne Form, haben hinrichten lassen. Doch hinterließ er, durch Unterdrückung des Feudaladels und Begünstigung des Bürgertums, die königl. Macht gestärkt und das Reich geordnet. Mit dem Papste suchte er durch Aufhebung der von seinem Vater hergestellten Pragmatischen Sanktion in gutem Vernehmen zu bleiben. Als Freund der Wissenschaften vermehrte er die Bibliothek, reformierte die Universität zu Paris und zog gelehrte Griechen ins Land. L. gilt für den Verfasser der 4Cent Nouvelles nouvelleso, einer Nachahmung des Decamerones, und des Rosier des guerreso, einer Instruktion für seinen Sohn. Vgl. Comines' Mémoireso; Duclos, MHistoire de Louis XIy (12 Bde., Par. 1745); Legeay, „Histoire de Louis XIy (2 Bde., Par. 1874). Delavigne hat L. in einer Tragödie behandelt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 220Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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