FeedLudwig XII.
GeschichteBrockhaus 1882

Ludwig XII., König von Frankreich 1498 1515, geb. 27. Juni 1462, war der Urenkel Karls V. und der Sohn des Herzogs von Orléans (s. Valois) und der Maria von Kleve. Unter Karl VIII. (. d.) stritt er mit dessen Schwester Anne de Beaujeu um die Regierungsgewalt und mußte dafür dreijähriges Gefängnis erdulden. Als König erwarb er sich das Andenken eines gerechten und milden Regenten, den Namen eines Vaters des Volkes, der die Steuern ermäßigte und die Parteilichkeiten der Rechtspflege unterdrückte. Zum Minister wählte er den spätern Kardinal und Erzbischof von Rouen, Georg von Amboise. Nachdem er sich von Jeanne, der Tochter Ludwigs XI., hatte scheiden lassen, heiratete er 1499 die schöne Witwe seines Vorgängers, Anna von Bretagne, die ihn mit dem Minister beherrschte. Als Enkel der mailänd. Prinzessin Valentina machte er Ansprüche auf Mailand. Er zog den Papst Alexander VI., die Schweizer, die Venetianer und den Herzog von Savoyen in sein Interesse und sendete im Aug. 1499 unter Trivulzio ein Heer über die Alpen, welches ohne Widerstand den Herzog Ludwig Sforza vertrieb und Mailand in Besitz nahm. Später verband er sich mit Ferdinand von Aragonien zur Croberung des Königreichs Neapel, auf das er von seinem Vorgänger Ansprüche ererbt zu haben glaubte. Das Land wurde von span. und franz. Truppen besetzt, bei der Teilung aber brach unter den Siegern selbst Krieg aus, der erst im Okt. 1505 Schweit wurde, indem sich Ferdinand mit L.s Schwestertochter, Germaine de Foix, unter der Bedingung vermählte, daß die Kinder dieser Ehe Neapel erhalten sollten. Inzwischen hatte L. auch Kaiser Maximilian I. als Oberlehnsherrn von Mailand gewonnen, mit dessen Sohn, dem Erzherzog Philipp, er einen Vertrag einging, nach welchem dieser L.s älteste Tochter, Claudia, heiraten und die Bretagne als Mitgift erhalten sollte. Diesen Vertrag mußten jedoch 1506 die Stände zu Blois für ungültig erklären, worauf der König die Tochter mit seinem Vetter, dem Herzog von Angouléme, dem spätern König Franz JI., verlobte. Um den Papst Julius II. und den nunmehrigen Kaiser Maximilian zu beschwichtigen, trat L. der Ligue von Cambrai gegen Venedig bei. Doch trennte sich der Papst bald wieder von der Ligue, weil er die Franzosen mehr als die Venetianer fürchtete. In dieser schwierigen Lage starb 25. Mai 1510 der Kardinal von Amboise, und L. mußte nun seine Angelegenheiten selbst führen. Er erneuerte mit dem Kaiser 17. Nov. 1510 zu Blois die Ligue und berief 1511 ein Konzil nach Pisa, das der päpstl. Macht entgegentreten sollte, das aber nur von der franz. Geistlichkeit besucht war. Der Papst eröffnete dagegen ein Konzil im Lateran und schloß 4. Okt. 1511 zur Vertreibung der Franzosen aus Italien mit Ferdinand von Aragonien und den Venetianern die Heilige Ligue, der auch Heinrich VIII. von England beitrat. L. befahl nun seinem Neffen, dem jungen Gaston de Foix, Herzog von Nemours, der damals Statthalter zu Mailand war, mit den verbündeten Franzosen und Deutschen den Feldzug zu eröffnen. Derselbe nahm Bologna und schlug die Venetianer zu Brescia, sowie 1512 die päpstl. Truppen bei Ravenna, wobei er umkam. Diese Fortschritte L.s in Italien erregten allgemeinen Schrecken, und der Papst brachte es endlich dahin, daß sich die Schweizer wie die kaiserl. Truppen von den Franzosen trennten. Die geschwächten Franzosen mußten nun im Juni 1512 über die Alpen zurückkehren, und Mailand wurde von dem Kaiser an Maximilian Sforza verliehen. L. verband sich 23. März 1513 mit den Venetianern und schickte ein neues Heer nach Italien, das Mailand besetzte, aber schon im Juni von den mit Sforza verbundenen Schweizertruppen wieder vertrieben wurde. Unterdes war Heinrich VIII. von England in Frankreich angekommen und belagerte Terouenne, wo auch der Kaiser mit einem Korps Niederländer erschien. L. schickte den Verbündeten ein zusammengerafftes Heer unter Longueville entgegen, das 17. Aug. 1513 bei Guinegate (in der sog. Sporenschlacht) geschlagen wurde. Zu gleicher Zeit brach ein starkes Korps von Schweizern und Deutschen unter dem Herzog Ulrich von Württemberg in Burgund ein und belagerte Dison. Indes gewann Latremouille, der in der Festung lag, die Schweizer durch Geld und Versprechungen, sodaß das Korps auseinander ging. Auch der übrigen Feinde wußte sich L.s Diplomatie zu entledigen. Er stellte hierauf den neuen Papst Leo X. durch die Vereinigung des pisanischen mit dem lateranischen Konzil, den König Ferdinand von Aragonien aber durch Aufgeben der Ansprüche auf Neapel zufrieden. Nachdem er mit dem Kaiser im März 1514 Waffenstillstand geschlossen, machte er auch 7. Aug. mit Heinrich VIII. Frieden, dem er die Stadt Tournai überließ und 1 Mill. Goldkronen zahlte. Da er 9. Jan. 1514 seine Gemahlin verloren, vermählte er sich mit Heinrichs VIII. Schwester Maria, starb jedoch schon 1. Jan. 1515 unter Vorbereitungen zur Wiedereroberung Mailands. L.s Nachfolger war Franz I. (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 221Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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