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TierreichBrockhaus 1882

Lurche ist in der neuern zoolog. Nomenklatur gleichbedeutend mit Amphibien (s. d.), während diese letztere Bezeichnung früher gleichbedeutend mit Reptilien gebraucht wurde. Auf der Tafel Lurche! finden sich von den im Artikel Amphibien genannten Familien folgende Abbildungen: Fig. 1 Schleich—⸗ lurch oder Ringelwühle (Siphonops annulatus) von Brasilien und Peru, graublau mit 80—90 Ringfalten von weißer Farbe; Fig. 2 der Olm (Proteus anguineus), der augenlose Bewohner der Grottengewässer Krains und des Karstes, farblos, weiß wie die meisten Höhlentiere mit durch das in ihnen pulsierende Blut lebhaft roten Kiemen. Fig. 3, der Armmolch (Siren lacertina), ein bis 65 em lang werdender, nur mit den zwei vordern Ertremitäten versehener, kiementragender Sumpfbewohner Nordamerikas. Der Axolotl (Amblystomà mexicanum) und seine Larven, die man früher für eine besondere Amphibienart hielt und als solche benannte (Siredon pisciformis), sind abgebildet unter Fig. 4, der über ein Meter lang werdende Riesensalamander (Cryptobranchus japonicus) unter Fig. 5 und der sagenumwebte bunte Feuersalamander (Salamandra maculata) unter Fig. 6. Von schwanzlosen Amphibien (Ecaudata, Batrachia s. Anura) sind auf Tafel Lurche II folgende dargestellt. Die surinamische Wabenkröte (Pipa americana, Fig. 1) ist ein 20 em langes, flachgedrücktes Tier ohne Zunge, von graubrauner Farbe; nach der Begattung streicht das Männchen die befruchteten Eier (etwa 50 Stück) auf den Rücken des Weibchens, dessen Haut wuchert und um jedes Ei eine Höhlung bildet, in der die ganze Entwickelung und Metamorphose der Jungen sich vollzieht, sodaß dieselben ganz den Alten ähnlich ausschlüpfen. Beim Teichfrosch (s. unter Frösche, Rana esculenta, Fig. 2) zeigt der Kopf des Männchens beim Quaken jederseits eine runde Schallblase zur Verstärkung des Tons; der Teichfrosch laicht im Vorsommer, während der Taufrosch (R. temporaria, Fig. 3) im ersten Frühjahr zur Fortpflanzung schreitet. Die Metamorphose, die der Frosch im Ei und als Larve (Kaulquappe) außer demselben durchläuft, beginnt mit einer totalen Furchung des Eies, die Larve schlüpft ohne Extremitäten aus, atmet mittels Kiemen und besitzt einen langen Schwanz, der im Verlauf des Wachstums durch Resorption (nicht durch Abwerfen) verschwindet. In dem Maße, wie diese vor sich geht, sprossen Extremitäten, zunächst die hintern, darauf die vordern, verschwinden die Kiemen und tritt Lungenatmung ein. Unter Fig. 4 ist ein Teil dieser Vorgänge abgebildet: das frischgelegte Ei (a), das außerhalb des weiblichen Körpers im Wasser befruchtet wird, schwillt durch Aufnahme von Feuchtigkeit bedeutend an (b). Der Embryo hat im Ei und die erste Zeit nach dem Ausschlüpfen (e, d, e, ungefähr Fischgestalt, später wachsen die Kiemenbüschel (g, h), die dann, indem zugleich die hintern Extremitäten sprossen, verkleinert und von einer Hautfalte überdeckt werden (i). Der weitere Sprossungsvorgang der Extremitäten ist unter K und 1 dargestellt. Die Kaulquappen sind pflanzenfressend und haben einen relativ viel längern Darm als die von Insekten, Schneckchen und Würmern lebenden Alten. Bei dem Feßler oder der Geburtshelferkröte (s.d., Alytes obstetricans, Fig. 5) wickelt das Weibchen die Laichschnüre um die Hinterbeine des Männchens, das sich dann zunächst in die Erde verkriecht und erst nach etwa 20 Tagen das Wasser aufsucht, wo in kurzer Zeit die Larven ausschlüpfen. Der Hornfrosch (Ceratophrys cornutus, Fig. 6) ist ein 20 cm lang werdender, abenteuerlich ausschauender Bewohner Südamerikas, während die Unke (Bombinator igneus, Fig. 7) in den Lachen und Pfützen fast ganz Europas keine Seltenheit ist; ihre rotgelbe Unterseite zeichnet sie sehr aus. Die Erdkröte oder gemeine Kröte (s. unter Kröte, Bufo vulgaris s. cinereus, Fig. 8) wird im weiblichen Geschlecht, besonders in Südeuropa sehr groß. Ein durch lange Zehen und zwischen denselben stark entfaltete Häute ausgezeichneter Frosch, der Flugfrosch (Rhacophorus Keinhardtii, Fig. 9) lebt in Ostindien auf Bäumen, die er springend verläßt, wobei er seine Füße nahe an den Körper bringt, die Zehen spreizt, sodaß die vereinigten, durch die Zwischenhaut stark vergrößerten Fußflächen als ein Fallschirm oder eine Flughaut wirken. Der Laubfrosch (s. d., Hyla arborea, Fig. 10) ist ein Bewohner der Büsche und Laubbäume Europas, der zu einer Familie gehört, die namentlich in den Tropen einige sonderbare Formen aufweist, wie der mittelamerik. Taschenfrosch (Nototrema marsupiatum, Fig. 11), dessen Weibchen auf dem Rücken einen in eine Rückentasche führenden Schlitz hat, in der sich die wahrscheinlich vom Männchen hineinpraktizierten Eier entwickeln.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 262Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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