Lützen, Stadt mit (1880) 3143 E. im Kreise Merseburg der preuß. Provinz Sachsen, Sitz eines Amtsgerichts, hat ein altes Schloß, eine Zuckerfabrik, Fenchelbau u. s. w. und ist denkwürdig durch zwei Schlachten, die dort im Dreißigjährigen Kriege und im Befreiungskriege geschlagen wurden. — Die erste war die Schlacht bei Lützen vom 16. (6. alten Stils) Nov. 1632. Nach der Aufhebung des Lagers von Nürnberg hatte sich König Gustav Adolf nach Bayern, Wallenstein aber gegen Sachsen gewendet, wodurch der König bewogen wurde, sich bei Arnstadt mit dem Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar zu vereinigen und über Ersurt nach Naumburg zu rücken. Wallenstein zog Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. ihm bis L. entgegen, entsendete Pappenheim na tiere bei L. Kaum erfuhr Gustav Adolf Pappenheims Abmarsch, als er gegen L. aufbrach und dort 15. Nov. 1632 abends anlangte. Wallenstein zog eiligst sein Heer zusammen und rief durch Eilboten Pappenheim von Halle zurück. Von seiner Reiterei stand der rechte Flügel unter Holk bei L. und der linke unter Gallas dehnte sich bis zum Floßgraben aus. Die Gräben der vor seiner Stellung liegenden Straße ließ Wallenstein vertiefen und mit Musketieren besetzen. Dahinter stand das Fußvolk in vier großen Terzien, von denen eine vorgeschoben und eine zurückgehalten war, vor der Front eine Batterie von 7 Kanonen, und eine andere von 14 Kanonen auf dem höchsten Punkte der Gegend, an den Windmühlen bei L. Auf beiden Flügeln hielt die Reiterei; zwischen den Geschwadern des rechten Reiterflügels waren Musketierpelotons verteilt; ein fünftes Viereck von Infanterie stand in der Mitte. Die Schlachtordnung der Schweden war in zwei Treffen; der linke Flügel reichte bis L., der rechte über den Floßgraben hinaus; in jedem Treffen standen vier Brigaden Fußvolk, und 12 Regimenter Reiterei getrennt auf den Flügeln. Der König selbst führte den rechten, Herzog Bernhard den linken Flügel, Brahe das erste, Kniphausen das zweite Treffen des Fußvolks. Das Geschütz war in Batterien vor der Fronte aufgestellt. Ein dichter Nebel verzögerte am 16. (6.) Nov. den Angriff; erst gegen Mittag gab der König das Zeichen zum Angriff. «Gott mit unso war das Losungswort der Schweden, Jesus Maria das der Kaiserlichen. Der rechte Flügel rückte gegen den Graben vor, stutzte jedoch vor dem furchtbaren Feuer; da ergriff der König eine Partisane und stellte sich selbst an die Spitze. Die Kaiserlichen wurden aus den Gräben vertrieben, drei Brigaden gingen über dieselben, eroberten die hier aufgestellte Batterie und warfen das vorderste Viereck, ebenso nach heftigem Kampfe das zweite. Da kam diesem das dritte zu Hilfe. Piccolominis Kürassiere und das Feuer der großen Batterie bei L. warfen die Schweden mit großem Verlust zurück. Unterdes hatte der König die schweren Geschütze in eine Batterie zusammengezogen und war dann mit der Reiterei über den Graben gesetzt. Die kaiserliche wurde hier geworfen; Schrecken und Verwirrung verbreitete sich über den ganzen linken Flügel des kaiserl. Heeres, und die Batterie der sieben Kanonen wurde aufs neue erobert. Ebenso hatte Herzog Bernhard von Weimar auf dem linken Flügel zweimal vergeblich angegriffen. Auf die Nachricht vom Weichen seiner Infanterie eilte der König sogleich an der Spitze des Regiments Smäland seinen bedrängten Truppen zu Hilfe und überließ dem General Kniphausen den Befehl über die Truppen des rechten Flügels. Von nur wenigen Reitern, darunter der Herzog Franz von Lauenburg, begleitet, sprengte er im Nebel weit voraus und wurde hier zuerst von einem kaiserl. Musketier durch einen Schuß in den Arm, dann, als er umkehrte, durch einen zweiten Schuß in den Rücken verwundet, sodaß er ohnmächtig vom Pferde sank und später von kaiserl. Reitern getötet wurde. (S. Gustav II. Adolf.) Herzog Bernhard hatte auf dem linken Flügel eben einen dritten Angriff vorbereitet, als die Kunde vom Tode des Königs seine Reihen erreichte. Augenblicklich ergriff er selbst den Oberbefehl und eilte von Schar zu Schar, die bestürzten Truppen zu ermutigen. Im wütenden Ansturm den Graben überschreitend, warfen nun die Schweden alles vor sich nieder, eroberten die verlorene Batterie und die bei den Windmühlen und stürzten sich auf die kaiserl. Vierecke. Schon wendeten sich die Kaiserlichen zur Flucht, da erschien Pappenheim mil vier frischen Reiterregimentern, mit denen er von Halle her der Infanterie vorausgeeilt war, und stellte die Schlacht wieder her. Der rechte Flügel der Schweden wich seinem heftigen Angriffe; nacheinander auch die Mitte und der linke Flügel; die verlorenen Batterien wurden zurückerobert und die Schweden über die Gräben zurückgedrängt, wobei die gelbe Brigade fast vernichtet wurde. Hier aber hemmte das zweite schwed. Treffen unter Kniphausen den Andrang der Kaiserlichen. In demselben Augenblicke wurde Pappenheim tödlich verwundet. Seine Reiterei ergriff die Flucht, riß zugleich einen Teil des rechten Flügels mit fort, und als jetzt der Herzog Bernhard, das erste und zweite Treffen in eine Linie sammelnd, aufs neue vordrang, wurden nach blutigem Gemetzel zum dritten mal die Gräben und die dahinter aufgepflanzten Batterien genommen. Unentschieden dauerte noch lange der furchtbare Kampf, bis endlich die Dunkelheit demselben ein Ziel setzte. Kein Teil schien Sieger zu sein; doch Wallenstein hatte mit Zurücklassung seines Geschützes das Schlachtfeld verlassen und sich in der Nacht nach Leipzig zurückgezogen, von wo er nach Böhmen abzog. Beide Teile zählten über 9000 Tote und Schwerverwundete; unter den Gefallenen waren Gustav Adolf und Pappenheim. Letzterer tarb an seinen Wunden zu Leipzig. Gustav Adolfs Leiche wurde unweit eines großen Feldsteins von den Hufen der Pferde fast bis zur Unkenntlichkeit zertreten gefunden. Lange Zeit erhielt bloß dieser sog. Schwedenstein, den man später mit Pappeln umkränzte und mit steinernen Bänken umgab, das Andenken an den König. Seit 1837 erhebt sich über dem Stein ein got. Denkmal von Gußeisen. Vgl. Vincke, Die Schlacht bei L. 6. Nov. 16325 (Berl. 1832); Droysen, «Die Schlacht bei L.v (Bd. 5 der Forschungen zur deutschen Geschichtes, Gött. 1862). Die Schlacht bei Lützen vom 2. Mai 1813, nach einem südlich von L. gelegenen Dorfe auch Schlacht von Großgörschen genannt, war nach dem russ. Feldzug von 1812 die erste Schlacht der jetzt verbündeten russ.⸗preuß. Streitkräfte gegen Napoleons I. neugeschaffene Heeresmassen. Franz. Truppen drangen im April über den Thüringerwald vor und erreichten am 28. Naumburg; gleichzeitig marschierte der Vizekönig von Italien von Magdeburg her die Saale aufwärts und stand am 29. bei Merseburg. Als nun nach dem bei Rippach 1. Mai zwischen der franz. Vorhut und dem General Winzingerode gelieferten Gefecht, in welchem Bessieres getötet wurde, die Franzosen L. und den Floßgraben besetzten, erkannte man Napoleons Absicht, auf Leipzig vorzugehen. Die im Anmarsch begriffene franz. Armee war 124000 Mann stark, die russisch-preußische dagegen zählte nur 85000 Mann. Dennoch beschlossen die Verbündeten mit Rücksicht auf Osterreich, das man zu gewinnen hoffte, den Angriff. Am 1. Mai wurde die gesamte, unter Wittgensteins Befehlen stehende Heeresmacht bei Pegau und den nächsten Übergängen über die Elster zusammengezogen; sie sollte sich im Süden L.s entwickeln und die rechte Flanke des Feindes angreifen. Der Schlachtplan war von Scharnhorst meisterhaft entworfen, scheiterte aber an der Unfähigkeit Wittgensteins. Napoleon kannte die Nähe der Verbündeten nicht und ließ 2. Mai seine Hauptmacht, gedeckt durch das Neysche Korps, auf der Straße nach L. vorrücken. Das Kleistsche Korps, das bei Lindenau stand, wurde von Lauriston mit Nachdruck angegriffen: der Kanonendonner bestärkte den Kaiser in der Meinung, die Verbündeten hinter Leipzig zu treffen. Ney hatte die Dörfer Großgörschen, Rahna, Kaja und Kleingörschen besetzt und wurde um 12 Uhr (sechs Stunden später als Scharnhorst gewollt) angegriffen. Gleich anfangs wurde Großgörschen genommen und später, gegen 2 Uhr, gelang es, auch in die übrigen Dörfer einzudringen. Da erschien Napoleon selbst auf dem Schlachtfelde, durch den Kanonendonner herbeigerufen. Er hatte Ney angewiesen, sich um jeden Preis zu behaupten, und alle im Marsch auf Leipzig begriffenen Kolonnen umkehren lassen. Nur Lauriston blieb gegen Kleist stehen. Der Vizekönig wurde auf den linken Flügel, die Garden und Latour-Maubourgs Kavallerie als Reserve nach L., Marmont, der noch zurück war, nach dem rechten Flügel gesendet; Bertrand sollte von Rippach her des Feindes Flanke und Rücken bedrohen. Es war ein Meisterstück der Schlachtenlenkung. Marmonts vorderste Division besetzte sogleich das von den Verbündeten unbeachtete Starsiedel, und der furchtbare Kampf um die vier Dörfer entbrannte von neuem. Vork wurde in den Kampf verwickelt, Blücher zog seine Reserve vor, die preuß. Gardebrigade erstürmte Kleingörschen, Eisdorf, selbst Kaja, den Schlüssel der ganzen franz. Stellung. Die Kolonnen des Vizekönigs und die folgenden Divisionen Marmonts trafen ein; Napoleon in der unmittelbaren Nähe des entscheidenden Punktes beherrschte die mit erneuter Heftigkeit tobende Schlacht, während Wittgenstein die Leitung verloren hatte. Die russ. Garden und Grenadiere, das Korps des Prinzen Eugen von Württemberg kamen nicht zur Verwendung, die Kavallerie ging zurück, Miloradowitsch mit 12000 Mann wurde bei Zeiz belassen. Dagegen warf Napoleon jetzt seine Garde in die Schlacht, welche Kaja, als schon die Dunkelheit einbrach, den Preußen wieder entriß. Auch ein Vorstoß des Prinzen von Württemberg auf dem rechten Flügel mißlang. Ebenso wenig Erfolg hatte ein in der Dunkelheit durch Erscheinen einer franz. Kolonne bei Rahna veranlaßtes Vorgehen Blüchers mit neun Schwadronen, bei welcher Gelegenheit Napoleon fast gefangen worden wäre. Mit anbrechendem Morgen sollte die Schlacht erneuert werden; doch bewog Wittgenstein feinen Kaiser und dieser den König von Preußen, den Rückzug anzutreten. Der Verlust der Verbündeten betrug gegen 10000 Mann; tot war der Prinz von Hessen-Homburg, tödlich verwundet Scharnhorst. Die Franzosen verloren 12000 Mann, unter ihnen 5 Generale, gelangten aber wieder in den Besitz Sachsens und der Elblinie.