Lychnis L., Lichtnelke, Gattung der Pflanzenfamilie der Caryophyllaceen und der Gattung Rade (Agrostemma) nahestehend, meistens perennierende Kräuter mit röhrigem, cylindrisch-keulenförmigem, fünfzähnigem, geripptem Kelche, fünf Blumenblättern mit Kranzschuppen am Schlunde, unbehaarten, einwärts mit Warzen besetzten Narben und einer an der Spitze mit Zähnen aufspringenden Kapselfrucht. Mehrere Arten gehören zu den beliebtesten Gartenzierpflanzen, vor allen L. chalcedonica, bekannt unter dem Namen Brennende Liebe, im südlichen Rußland, in Kleinasien, wie in Japan zu Hause, mit einfachen, aufrechten, 50—80 em hohen Stengeln, jeder mit einem Bouquet scharlachroter (bei manchen Varietäten weißer oder rosenroter) Blüten. Vorzüglich schön ist die gefüllt blühende Form. Hinsichtlich der Ahnlichkeit steht dieser Art am nächsten L. fulgens Visch., die Lichtnelke Sibiriens, durchschnittlich nur 20—30 em hoch, mit lebhaft roten, etwas größern Blumen. Für eine bloße Form derselben hält man L. Haageana Lem., welche in Japan einheimisch sein soll; sie ist ebenso niedrig und hat scharlachrote, orangerote, rosenrote oder auch weiße Blumen. Die prächtigsten Arten dieser Gattung sind L. grandiftora acg., aus China eingeführt, von der Höhe der vorigen, und wie diese mit scharlachroten, aber doppelt so großen Blumen, und L. Sieboldi Vann., eine reizende Zierpflanze aus Japan, mit noch größern, aber völlig weißen Blüten. Auch einige einheimische Arten haben in den Gärten Aufnahme gefunden, unter diesen L. Flos cuculi, die Feuernelke, Fleischerblume, auch Kuckucksblume genannt, eine auf lehmig-moorigem, frischem, etwas beschattetem Boden häufige Wiesenpflanze, mit vielen aufrechten, 35—40 em hohen Stengeln und rosenroten Blumen mit tiefgeschlitzten Blumenblättern. Von ihren Varietäten sind die kulturwürdigsten die mit gefüllten roten oder weißen Blumen. Beliebt ist auch die gefüllte Varietät von L. silvestris, gewöhnlich Morgenröschen genannt, mit weißen (bei der einfach blühenden Stammart purpur-rosenroten) Blumen. Ferner ist hervorzuheben L. Viscaria, die Kleb- oder Pechnelke, eine rasenbildende Pflanze mit 30—50 em hohen, an den Knoten klebrigen Blütenstengeln; die Blüten stehen büschelweise in quirligen Ahren auf gefärbten, klebrigen Stielen, und sind rosen⸗ oder purpurrot, bei var. splendens leuchtend rot; den Vorzug aber verdient var. plena mit dicht gefüllten roten oder weißen Blumen in großen Bouquets. Zu erwähnen ist noch L. alpina, die Alpen-Lichtnelke, deren Blattrosetten einen kurzen, dichten Rasen bilden; auf 12 em hohen Stengeln stehen zierliche, rosenrote Blüten in dichten, doldenförmigen Trauben. Die Lichtnelken sind vorzugsweise Rabattenpflanzen und gedeihen am besten in leichtem, sandigem, durchlässigem Boden. Man pflanzt sie durch Aussaat im Frühjahr und Sommer fort, wie auch durch Stocksprossen. Im Fendiabe ausgesäet, blühen sie gewöhnlich noch in demselben Sommer. Lyeien (grch. Lykia), die südwestlichste Landschaft Kleinasiens, im N. an Karien, Phrygien (Kabalia), Pisidien und Pamphylien grenzend, an den übrigen Seiten vom Lycischen Meere bespült, wird von mehrern zum System des Taurus gehörigen mächtigen Gebirgen (dem Kragos im W., dem Massikytes im Innern und den Solymerbergen im O.) durchzogen, die sich bis zu einer Höhe von 2600 meerheben und mehrfach in hohen Vorgebirgen gegen das Meer abfallen. Zwischen denselben ziehen sich die tief eingeschnittenen Thäler mehrerer Flüsse, von denen der Xanthos und der Limyros die bedeutendsten sind, mit zahlreichen kürzern Seitenthälern hin, die mit ihrer Fruchtbarkeit und Lieblichkeit einen anmutigen Kontrast zu der majestätischen Erhabenheit der schneebedeckten Gebirgsgipfel und zu dem einförmigen Ernst des Hochplateau, welches den nördlichern Teil der mittlern Landschaft einnimmt, bilden. L. wurde zuerst von semit. Stämmen, den Milyern und 551/ bewohnt, die aber frühzeitig durch ein von Norden her eingewandertes, wahrscheinlich indogerman. Volk unterworfen wurden, das sich selbst Tremiler nannte, von den Griechen aber (angeblich nach einem von Attika her eingewanderten Lykos) Lycier genannt wurde. Von diesem lycischen Volke sind in frühen Zeiten mannigfache Kulturelemente zu den Griechen gelangt, wie namentlich der Kult des Apollon, der mit seiner Mutter Leto (lycisch Lada Frau) die Hauptgottheit L.s war und besonders in der Hauptstadt Xanthos lan dem gleichnamigen Flusse nahe der Eutte Anr ein hochberühmtes Heiligtum und Orakel hatte. Andererseits haben auch die Lycier, immerhin unter Bewahrung ihrer nationalen Eigenart und ihrer eigentümlichen Sprache, von welcher noch zahlreiche Denkmäler in den (in einem dem griechischen verwandten, aber eigentümlichen Alphabet geschriebenen) noch nicht vollständig entzifferten lycischen Inschriften erhalten sind, vieles von der griech. Kultur aufgenommen, wie besonders die vielen bildlichen und Baudenkmäler beweisen. Diese, fast ohne Ausnahme Grabdenkmäler, meist aus dem natürlichen Felsen herausgearbeitet, zeigen in architekton. Hinsicht teils die Formen der griech., speziell der ion. Baukunst, teils Nachbildungen eines den Lyciern eigentümlichen Holzbaues; die Skulpturwerke sind durchaus vom Geiste echt griech. Kunst durchdrungen. Rolle gespielt. Nachdem es von Harpagos, denn Feldherrn des Cyrus, unterworfen worden war, bildete es eine Provinz des großen Persischen Reichs. Bei der Auflösung des Persischen Reichs nach dem Tode Alexanders d. Gr. kam es zuerst in die Gewalt der Ptolemäer und wurde dann dem Syrischen Reiche einverleibt, bis es von den Römern nach Besiegung Antiochos' d. Gr. den Rhodiern zum Eigentum gegeben wurde. Doch gelang es den Lyciern, dieses verhaßte Joch abzuwerfen und auch von den Römern die Anerkennung ihrer Selbständigkeit zu erlangen. Die einzelnen Städte, 23 an Zahl, wovon neben Xanthos, Tlos, Pinara, Patara, Phellos, Antiphellos, Myra, Limyra und Olympos die bedeutendern waren, traten zu einem Bunde (Koinon) zusammen, an dessen Spitze mehrere Bundesbeamte, darunter einer mit dem Titel Lykiarches, standen. Der Kaiser Claudius entzog dem Lande die Autonomie, Nero gab sie ihm zwar zurück, aber Vespasian nahm sie ihm wieder für immer, indem er L. mit Pamphylien vereint zur röm. Provinz machte. Gegenwärtig ist die schwach bevölkerte und zum Teil verödete Landschaft ein Bestandteil des türk. Reichs; in der Bevölkerung überwiegt im Innern des Landes das türk., an den Küsten das griech. Element. Vgl. Fellows, «A journal written during an excursion in Asia Minor o (Lond. 1839) und «An account of discoveries in Lyciao (Lond. 1841); Spratt und Forbes, «Travels in Lycia, Milyas and the Cibyratis o (Lond. 1847); Bachofen, «Das lycische Volk und seine Bedeutung für die Entwickelung des Altertums » (Freiburg 1862); für die Inschriften und die Sprache vgl. M. Schmidt, The Lycian inscriptions after the accurate copies of the late Augustus Schoenborno (Jena 1868); derselbe, «Neue lycische Studien» (Jena 1869); Savelsberg, „Beiträge zur Entzifferung der lycischen Sprachdenkmälerd (Bonn 1874).