FeedLilium L.
PflanzenreichBrockhaus 1882

Lilium L., die Hauptgattung der großen Familie der Liliaceen, im Gegensatz zu der ihr nahestehenden Gattung Tulipa charakterisiert durch einen höhern, mit spiralig geordneten Blättern besetzten Stengel, zahlreichere, substanzreichere, eigenartig und stark duftende Blumen mit scharf markiertem Mittelstreifen auf jedem Blatt und eine aus freien Schuppen bestehende Zwiebel. Diese Gattung umfaßt mehr als 30 Arten mit zahlreichen Formen. Sie sind in vielen Teilen der Alten Welt zu Hause; einige Arten finden sich auch in Amerika. Am übersichtlichsten ist die von dem engl. Botaniker Baker versuchte Einteilung der Lilienarten. Die trichterförmigen Lilien besitzen Blumen (Perigon), deren Form dem Namen entspricht, von mehr oder weniger horizontaler Stellung. Staubgefäße und Griffel parallel. Hierher gehört die klassischste und zugleich populärste der Arten, die in Syrien und Persien einheimische weiße Lilie (I. candidum L.); ferner L. Iongiflorum ½5., Stengel bis 40 em hoch, mit je 1—2 schneeweißen, höchst angenehm duftenden Blumen. Zu den Hauptrepräsentanten dieser Gruppe ist auch L. testaceum Lindl. (U. peregrinum der Gärten oder L. isabellinum Kee.), die Nankinglilie der Japanesen zu rechnen. Stengel 1—2 em hoch mit nankingfarbigen, undeutlich orangerot getupften Blumen. Die offenblütigen Lilien unterscheiden sich durch die breitglockige Gestalt der horizontalen oder leicht hängenden Blumen. Staubgefäße divergierend. Die bedeutendsten der hierher gehörigen Arten sind folgende: L. tigrinum 6½0l., die Tigerlilie, in China zu Hause und häufig in unsern Gärten zu finden. Der schwarzviolette Stengel ist weißwollig, hat lanzettförmige Blätter und trägt in den Blattachseln statt der Knospen schwarze Zwiebelchen, welche zur Fortpflanzung benutzt werden können. Er kann bis Im hoch werden und bis 40 große Blumen tragen, welche scharlachrot, schwarzgefleckt sind. L. speciosum TNOg. (L. lancifolium Hort.) stammt aus Japan. Ders parrig verästelte, bis 60 em hohe Stengel trägt lanzettförmige Blätter und angenehm duftende, 10— 12 em breite, rosaweiße, purpurn gefleckte und gewarzte Blumen. Dieser Art steht L. auratum Lindl., die Goldbandlilie, sehr nahe; sie ist gleichfalls eine Japanerin und hat 1—5 große, weit offene, breitglockige, orangeduftige Blumen. Die Gruppe der Lilien mit aufrechten Blumen ist charakterisiert durch die Stellung und die breit-glockenförmige Gestalt der letztern, sowie durch länglich-lanzettförmige Blumenblätter, welche gegen die Mitte hin am breitesten und nach unten zu einer Art von Stiel (dem sog. Nagel) zusammengezogen sind. Staubgefäße divergierend. Die bekanntesten Repräsentanten dieser Gruppe sind: L. bulbiferum L., die Feuerlilie. Der 80 em hohe Stengel hat gekielte Kanten und ist in seiner ganzen Länge mit Blättern besetzt, die in ihren Achseln grüne Zwiebelchen tragen. Die Blumen stehen rispig doldig und sind safrangelb, orangerot oder lebhaft ockergelb. L. eroceum Cxqie, in Italien zu Hause, an unterirdischen Asten Brutzwiebeln tragend, mit 50—60 em hohen Stengeln und safrangelben oder orangeroten, gegen die Mitte hin punktierten Blumen. Die vierte Gruppe enthält die Türkenbundlilien, charakterisiert durch breitglockige, immer hängende Blumen, deren Blätter lanzettförmig, in der Mitte am breitesten, nicht deutlich genagelt, mit der obern Hälfte zurückgerollt sind. Der Hauptrepräsentant dieser Gruppe ist das durch ganz Curopa wildwachsende L. Martagon L., Stengel schwarzpunktiert und die Blätter in Quirlen, Blumen rot, dunkler punktiert, in pyramidalen Trauben. L. chalcedonicum L., der Scharlach— Türkenbund, in Kärnten, aber auch durch ganz Persien und Palästina zu Hause. Stengel bis Im hoch und bis zur Spitze mit stumpfen, linienlanzettförmigen Blättern besetzt, Blumen zinnoberrot, innen mit schwarzen, zu Reihen geordneten warzigen Flecken besetzt. L. pomponium (in Sibirien, Spanien und Orient zu Hause) hat brennend hochrote Blumen, die Blumenblätter haben auf der obern Fläche blatterig gezähnte Nektarfurchen. Hervorzuheben ist noch L. giganteum Ial., die Riesenlilie des Himalajsa, deren Stengel eine Höhe von 2—3merreicht, Blumen 10—15aufeinem Stengel, sehr wohlriechend, bis 18 em lang, trichterförmig, außen grünlichweiß, innen violett verwaschen. Der Bildung der Blumen nach gehört diese Art zur ersten Gruppe. Aus einigen Arten (L. roseum, L. Hookeri u. a.) bildete Baker eine besondere Untergattung, Notholirion oder Himalajalilien. Die Merkmale derselben sind; eine häutige (nicht schuppige) Zwiebel und eine tief gespaltene Narbe mit drei pfriemenförmig-hakigen Lappen. Vgl. Rümpler, «Die schönblühenden Zwiebelgewächser (Berl. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 76Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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