FeedLycopodiaceen (Lycopodiacéae)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Lycopodiaceen (Lycopodiacéae), Abteilung der Gefäßkryptogamen, welche außer den L. im engern Sinne noch die beiden Familien der Selaginellen und Isoétaceen umfaßt, von denen jede nur eine Gattung enthält. Man gebraucht statt der Benennung L. gewöhnlich jetzt den Ausdruck Lycopodinen und wendet die erstere Bezeichnung nur für die aus Lycopodium, Psilotum und zwei andern Gattungen bestehende Familie an. Die L. unterscheiden sich von den übrigen Gefäßkryptogamen hauptsächlich durch ihren Habitus; während bei den Farnen die Blätter meist bedeutende Größe erlangen und reichliche Fiederung oder Lappenbildung in der Lamina zeigen, sind die Blätter der L. verhältnismäßig klein und nicht in Blattstiel und Spreite gegliedert. Sie sitzen an den Stengeln ziemlich dicht beisammen, sodaß viele L. fast das Aussehen von größern Laubmoosen haben. Die Stengel besitzen meist eine ziemliche Längenausdehnung und sind gewöhnlich dichotomisch verzweigt, das letztere gilt auch für die Wurzeln. Die Sporangien entstehen in der Regel entweder auf der Oberseite der Blätter oder in der Achsel derselben. Bei manchen L. finden sich nur einerlei Sporen, bei andern dagegen zweierlei vor: Makrosporen und Mikrosporen. Man unterscheidet deshalb homospore und heterospore Lycopodiaceen. Zu den erstern gehören von den jetzt lebenden Formen dieser Familie nur die L. im engern Sinne, also die Gattungen Lycopodium, Psilotum, Phylloglossum und Tmesipteris. Zu den heterosporen L. gehören die Gattungen Selaginella und Isoëtes. Bei der erstern Gruppe kannte man bis vor kurzer Zeit nur die sporenerzeugende Generation, erst in den letzten Jahren hat man auch, wenigstens für einige Arten der Gattung Lycopodium (s. d.), die geschlechtliche Generation, die Prothallien, aufgefunden. Von den heterosporen Formen sind die Prothallien schon längere Zeit bekannt. Während die jetzt lebenden Arten aus der Familie der L. nur niedrige krautartige Gewächse darstellen und nur einen sehr geringen Teil der gesamten Gefäßpflanzen ausmachen, waren die L. in der Steinkohlenzeit durch zahlreiche baumartige Formen vertreten und nahmen als solche hervorragenden Anteil an den Waldbildungen jener Zeit. Die ersten Spuren von L. finden sich bereits im Devon, doch erst in der Carbonflora erlangten sie eine bedeutende Ausdehnung. Es gehören hierher vor allem die Lepidodendreen (s. aannme und Eulch von denen sich noch große Stämme und auch sehr viele kleinere Reste in der Steinkohle erhalten finden. Ferner gehören hierher diejenigen Pflanzenreste, die unter dem Namen Lycopodites beschrieben werden und höchst wahrscheinlich auch die als Sphenophyllum bezeichneten; die beiden letztern Gattungen stellten jedenfalls kraut- oder strauchartige Formen dar. Nach neuern Untersuchungen sind wohl auch die Sigillarien zu den L. und zwar speziell zu den Isoätaceen zu rechnen, denn sowohl die Form ihrer Sporen als das Vorkommen derselben an den als Sigillariostrobus bezeichneten Fruchtständen spricht dafür, daß sich diese baumartigen Formen der Steinkohlenzeit am nächsten den jetzigen Isoéten anreihen lassen. (S. Sigillaria.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 285Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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