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PflanzenreichBrockhaus 1882

Chenopodium, d. h. Gänsefuß, nannte Linne eine Pflanzengattung aus der nach ihr benannten Familie der Chenopodiaceen, die aus Kräutern mit abwechselnden, gestielten Blättern und kleinen, unscheinbaren, meist grünlichen, in Knäuel, Ahren, Rispen, Trugdolden u. s. w. gruppierten Blüten besteht. Letztere sind bald alle zwitterlich, bald unter die Zwitterblüten eingeschlechtige gemischt; jede besitzt ein fünfteiliges Perigon, welches später in vertrocknetem Zustande die kleine, häutige, einsamige Frucht umhüllt. Die Arten dieser Gattung sind zwar über einen großen Teil der Erde verbreitet, kommen jedoch vorzüglich in Europa und Asien vor. Sie wachsen als Unkräuter auf fettem oder salzhaltigem Boden, auf Schutt, an Wegen, Düngerstätten, Mauern, Hecken und werden in Deutschland der Mehrzahl nach Melde genannt. Doch belegt man mit diesem Namen auch die Gattung Atriplex (s. d.). Die gemeinsten einheimischen Arten sind C. album L. mit weißlich bestäubten, dicklichen, eiförmigen, grobgezähnten Blättern, C. viride L. mit grünen, länglichen Blättern, C. polyspermum L. mit dünnen, grünen, kahlen, ganzrandigen Blättern und verzweigten Blütenähren u. s. w. Von diesen, sowie einigen andern Arten werden die jungen Triebe vielfach als Gemüse gegessen. Weniger verbreitet, doch stellenweise gemein ist die Stinkmelde, C. Vulvaria L., mit niederliegendem Stengel und rhombisch⸗-eiförmigen, dicklichen, weißgrau bestäubten Blättern, welche nach faulen Heringen riecht und einen ekelhaft salzigen Geschmack besitzt. Eine südamerik. Art, C. Quinoa L., die Reismelde, wird in den Anden von Chile als Mehlfrucht gebaut, indem ihre Samenkörner sehr mehlreich sind und wie Hirse zubereitet gegessen werden können. Diese unserm C. album sehr ähnliche, doch durch weiße Samen von demselben (C. album hat glänzendschwarze) verschiedene Art ist auch in Deutschland versuchsweise angebaut worden. Das in Mexiko heimische, in Südeuropa häufig verwildert vorkommende C. ambrosioides L. mit lanzettförmigen, entfernt gezähnten, unterseits drüsigen Blättern ist sehr wohlriechend und war ehedem unter dem Namen Herba Botryos mexicanae als mägenstärkendes Mittel offizinell. Das in Pennsylvanien wachsende C. anthelminticum L. ist bei den Völkern der Vereinigten Staaten als wurmwidriges Mittel beliebt. Der bei so vielen Chenopodien vorkommende pulverige, sich feucht anfühlende Überzug besteht aus mikroskopischen Wachskügelchen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 238Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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