FeedLycopodium J. (d. h. Wolfsfuß)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Lycopodium J. (d. h. Wolfsfuß), Pflanzengattung aus der nach ihr benannten Familie der Lycopodiaceen. Sie umfaßt gegen 100 Arten, von denen in Deutschland nur sechs vorkommen. Die letztern führen im Volksmunde verschiedene Namen, Lobannig Bärlapp, Schlangenmoos, Johannisgürtel u. a. Die Stengel der Lycopodien sind meist aufsteigend oder kriechend, seltener aufrecht und fast immer reichlich verzweigt. Die Blätter sind klein und von nadel- oder schuppenartiger Form, sie sitzen sehr dicht an dem Stengel, sodaß die ganzen Pflanzen im Habitus Ähnlichkeit mit den Laubmoosen haben, nur sind die meisten Arten bedeutend größer als die Moose. Im anatom. Bau unterscheiden sie sich von den letztern ganz bedeutend, denn sie besitzen sowohl in den Stengeln als auch in den Blättern wohlausgebildete Gefäß⸗ oder Leitbündel; auch haben sie echte, gewöhnlich dichotom verzweigte Wurzeln. Die Sporangien von L. sitzen bei einigen Arten in der Achsel der gewöhnlichen Blätter, bei andern in besondern Fruchtähren, deren Blättchen in der Form etwas von den übrigen Blattorganen abweichen. Sie sind einfächerig und enthalten sämtlich nur eine Art von Sporen. Die Gestalt der Sporangien ist in der Regel nierenförmig, bei der Reife öffnen sie sich mit einem über den Scheitel gehenden Riß, welcher quer zur Längsachse der sie tragenden Blättchen verläuft. Bei einigen Arten finden sich sog. Brutknospen, es sind dies kleine Zweige mit wenigen Blättern, die sich ablösen und zu neuen Pflänzchen auswachsen können. Lange Zeit kannte man von den Lycopodium-Arten nur die sporentragende Generation. Erst 1872 gelang es, einige vollständig ausgebildete Prothallien, an denen bereits junge Keimpflanzen der sporenerzeugenden Generation saßen, aufzufinden, und in neuester Zeit wurde die Entwickelungsgeschichte und der Bau der Prothallien bei einigen Lycopodien eingehender unterfucht. Die Prothallien sind knollenartige Gebilde von geringer Größe und meist nur schwach grüngefärbt. Die bekanntesten Arten der Gattung L. sind: L. clavatum L., der gewöhnliche Bärlapp, dessen Stengel oft bis zu Im und darüber lang sind und auf dem Boden hinkriechen. Die Sporangien stehen bei dieser Art in Fruchtähren und die letztern sitzen gewöhnlich zu zweien beisammen, die sporangientragenden Blättchen sind bei der Sporenreife gelblich gefärbt und etwas kleiner als die übrigen Blätter. Die Pflanze bedeckt oft weite Strecken von Heide⸗ oder Moorgegenden, kommt jedoch auch häufig auf dem Boden der Nadelwälder vor. Die Reife der Sporen tritt im Juli oder August ein, sie werden gesammelt und zu verschiedenen Zwecken in der Medizin verwendet, hauptsächlich als sog. Kindermehl oder Einstreupulver zum Bestreuen wunder Hautstellen bei kleinen Kindern. Im Volke führen sie gewöhnlich den Namen Hexenmehl. Früher wurde dasselbe häufig zur Hervorbringung von Theaterblitzen benutzt, da es, durch eine Flamme geblasen, sich mit blitzartigem Leuchten entzündet. Von den übrigen in Deutschland wachsenden Arten liefert vielleicht noch L. annotinum L., dessen Sporangien ebenfalls in AÄhren zusammensitzen, geringe Mengen von Hexenmehl, die Hauptmasse stammt jedenfalls von L. clavatum, denn dieses kommt viel häufiger vor als L. annotinum. Zu den Arten, deren Sporangien in Ähren stehen, gehören ferner noch die ebenfalls in Deutschland einheimischen L. inundatum L., ein kleines, auf Torfmooren vorkommendes Pflänzchen, L. complanatum J.. und L. alpinum V., die letztern beiden sind ziemlich selten. Außer den genannten findet sich noch in der deutschen Flora, aber auch nicht häufig, eine Art, L. Selago L., bei welcher die Sporangien nicht in Ahren, sondern in den Achseln gewöhnlicher Blätter stehen. Die Stengel derselben sind aufsteigend und stehen büschelig zusammen. Das Kraut war früher offizinell.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 285Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Pflanzenreich 6