FeedLytton
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Lytton (Edward George Earle Bulwer Lytton, Lord), berühmter engl. Romanschriftsteller, früher Edward Bulwer, dann Bulwer-Lytton genannt, war der dritte und jüngste Sohn des Generals Bulwer und wurde 25. Mai 1803 (nicht 1805, wie man oft irrtümlich angegeben findet) zu Heydon-Hall in der Grafschaft Norfolk geboren. Seine Mutter, die Tochter und einzige Erbin Henry Warburton Lyttons, leitete nach dem frühen Tode ihres Gemahls die Erziehung ihrer Kinder. Zu Cambridge, wo L. studierte, trug er durch ein Gedicht über die Skulptur den Preis davon; auch wurde er hier mit der deutschen Sprache und Litteratur bekannt. Im J. 1831 zuerst von dem Flecken St.⸗ Mees, dann von der Stadt Lincoln in das Unterhaus gewählt, schloß er sich an das Whigministerium an, blieb aber im Unterhause ohne Einfluß; 1838 wurde er bei Gelegenheit der Krönungsfeier der Königin zum Baronet erhoben. Bei den Wahlen von 1841 wurde er nicht wieder gewählt. Sein schriftstellerisches Talent entwickelte sich sehr früh. Davon zeugen seine Gedichte KWeeds and wild flowerso (Lond. 1826), welchen die poetische Erzählung 40'Neil the rebelh (Lond. 1827) und die Romane Falklando (Lond. 1827) und «Pelham, or the adventures of a gentlemand (3 Bde., Lond. 1828) folgten. Durch letztere Arbeit erregte er zuerst die allgemeine Aufmerksamkeit, wie er zugleich auch in derselben den seinem Talent entsprechenden Romantypus fand. In schneller Reihe erschienen nun die fashionabeln, romantischen, histor. und philos. Romane: «„The disownedo (3 Bde., Lond. 1829), Devereuxo (Lond. 1829), Paul Cliffordo (Lond. 1830), Eugene Aramo (Lond. 1832), The pilgrims of the Rhine (Lond. 1834), The last days of Pompeiio (Lond. 1834), „Kienzi, the last of the tribunesd (3 Bde., Lond. 1835), Ernest Maltraverso (3 Bde., Lond. 1837, den er odem großen deutschen Volke, einem Volke von Denkern und Kritikerno widmete, und die Fortsetzung desselben: Alice, or the mysterieso, Lond. 1838), Leila, or the siege of Granadas (Lond. 1840), Night an morningo (Lond. 1841), anonip (3 Bde., Lond. 1842), KThe last of the Baronso (3 Bde., Lond. 1843); die ebenso geistreichen als freisinnigen Skizzen aus dem engl. Leben: „Ungland and the Englisho (Lond. 1833), The studento (Lond. 1835), eine Sammlung litterarischphilos. Essays, und das geschichtliche Werk &Athens, its rise aund fally (2 Bde., Lond. 1837). Als dramatischer Dichter versuchte L. sich zuerst in dem von ihm einige Jahre redigierten New Monthly Magazinep, worin er Bruchstücke eines dramatisierten Eugene Aramo mitteilte. Seine spätern dramatischen Arbeiten, wie The Lady of Lyonso (Lond. 1838; deutsch von Czarnowski, Aachen 1838), Richelieuo, The Duchess of La Vallières (deutsch von Czarnowski, Aachen 1837) und andere hatten zum Teil auf der Bühne Glück, sind aber als Dramen unbedeutend. Eine übersetzung der Schillerschen Gedichte (Poems and ballads of Schillero, 2 Bde., 1844) zeichnet sich nicht durch große Treue aus. WLucretia, or the children of nighto (3 Bde., Lond. 1846) ist ein sehr ins Melodramatische spielender Roman, der von der Kritik hart angegriffen wurde. Nicht viel bessern Erfolg hatte Harold, the last ofthe Saxon kingso (3 Bde., Lond. 1848). Unterdessen hatte ein ohne seinen Namen herausgegebenes satirisches Gedicht The new Timon, a romance of Londono (Lond. 1846), in welchem er die sozialen Zustände der brit. Hauptstadt schildert und die namhaftesten polit. Charaktere des Tags auftreten läßt, Glück gemacht und ihn zu einem größern Epos, King Arthuro (Lond. 1848), ermuntert, dessen Aufnahme jedoch seinen Erwartungen nicht entsprach. Sein nächster Roman, die KCaxtonsy (3 Bde., Lond. 1850), wurde mit einem Beifall aufgenommen, wie kaum eins seiner vorhergehenden Werke. Durch den Tod seiner Mutter hatte L. Ende 1843 ein fürstl. Vermögen geerbt, und er nannte sichnun Bulwer-Lytton. In der Politik wurde er seinen frühern liberalen Grundsätzen allmählich untreu und trat bei den Wahlen von 1852 offen zur konservativen Partei über, in deren Interesse er auch für Hertfordshire ins Parlament gewählt wurde. Obgleich die Kunst des Debattierens ihm fremd blieb, zeichnete er sich doch aus durch sorgsam studierte Reden im Sinne des e entschiedenen Toryismus. Als 1858 ein konservatives Ministerium unter Graf Derby ans Ruder kam, wurde L. nach dem Rücktritt Ellenboroughs zum Staatssekretär für die Kolonien ernannt, wel—⸗ ches Amt er bis zur Auflösung des Ministeriums im Juni 1859 bekleidete. Aber auch während dieser Zeit setzte er seine litterarische Thätigkeit mit ungeschwächter Energie fort. Auf My novelo (3 Bde., Lond. 1852), in welcher er an die Caxtons anknüpfte, folgte der durch kunstvolle Verschlingung des Knotens bemerkenswerte Roman «What will he do with it d (3 Bde., Lond. 1859) und die (Strange storyn (3 Bde., Lond. 1862), worin er den mystischen Ideen Ausdruck gab, zu denen er seit lange hinneigte. Eine Sammlung seiner Beiträge zu verschiedenen Zeitschriften erschien unter dem Titel „Caxtonianah (2 Bde., Lond. 1864). Bei der Bildung des zweiten Ministeriums Derby 1866 wurde L. als Baron Lytton of Knebworth ins Oberhaus erhoben. Wegen eines schmerzhaften Ohrenleidens, das schließlich fast vollständige Taubheit herbeiführte, zog er sich jedoch seitdem mehr und mehr aus der polit. Arena zurück. Während seiner letzten Lebensjahre erschienen von ihm: Tbe lost Tales of Miletuso (Lond. 1866), KThe odes and epodes of Horace. A metrical translationo (Lond. 1869; 2. Aufl. 1872), die Komödie «Walpole, or every man has his prices (Lond. 1869), eine umgearbeitete und vermehrte Ausgabe des Epos King Arthuro (Lond. 1870), der anonyme Phantasieroman «The Coming races (6. Aufl., Lond. 1872) und der Roman Kenelm Chillingly (3 Bde., Lond. 1873; deutsch, Lpz. 1873). L. starb 18. Jan. 1873 auf seiner Villa bei Torquay. Begraben wurde er 25. Jan. in der Westminster-Abtei. Aus seinem Nachlasse veröffentlichte sein Sohn den Roman The Parisianso (4 Bde., Edinb. 187), sowie Speeches of Lord Lyttono (2 Bde., Lond. 1874). Eine Gesamtausgabe von L.s Werken lie-L.s Werke wurden in fast alle lebenden Sprachen übersetzt. Die Eigenschaften, welche ihn vor andern engl. Romanschriftstellern auszeichnen, sind namentlich eine ebenmäßig ausgebreitete, harmonische und reine Diktion, eine philos. Durchdringung des Stoffs und das Streben, sein Thema vollkommen zu erschöpfen. Feine Beobachtungsgabe, geistreicher Ausdruck, psychol. Blick und Reichtum der Erfindung sind ihm nirgends abzusprechen; aber an Mannigfaltigkeit der Charakteristik wie an Wahrscheinlichkeit in Auffassung und Darstellung des Lebens steht er hinter andern Koryphäen der engl. Romanlitteratur zurück. L.s Biographie schrieb sein Sohn, Carl L. (Life of Edward Bulwer, Lord L.v, 2 Bde., Lond. 1883—84). Seine Gattin, Rosina, Lady Bulwer, die Tochter Francis Wheelers zu Limerick und Enkelin des Lord Massey, wurde 1807 geboren und verheiratete sich 29. Aug. 1827 mit L. Sie versuchte sich anfangs in Journalartikeln, aber erst infolge ehelicher Zerwürfnisse, welche schließlich eine Trennung herbeiführten, wurde sie zu größern Arbeiten veranlaßt. Der Roman «Oleveéley, or the man of honouro (3 Bde., Lond. 1839; deutsch von Pfizer, Stuttg. 1840) machte Aufsehen durch die darin enthaltenen Persönlichkeiten, während Miriam Sedley, a tale from real lifep (3 Bde., Lond. 1851) sich durch gelungene Schilderungen gesellschaftlicher Zustände empfiehlt. In Behind the scenes v (Lond 1854) und &The world and his wifes (Lond. 1858) behandelt sie dasselbe Thema. Sie starb 12. März 1882 zu Upper-Sydenham. Der einzige Sohn dieser unglücklichen Ehe, Edward Robert Bulwer, zweiter Baron L., geb. 8. Nov. 1831, widmete sich dem diplomatischen Fach und war 1865—68 erster Gesandtschaftssekretär in Lissabon. Hierauf wurde er nach Wien versetzt, und nachdem er 1872—74 den Posten des ersten Gesandtschaftssekretärs in Paris bekleidet, zum Gesandten in Lissabon ernannt. Von dort berief Disraeli ihn April 1876 zu dem hohen Posten des Vizekönigs von Indien. Als solcher proklamierte er 1. Jan. 1877 die Königin Victoria als Kaiserin von Indien und setzte den Krieg gegen Afghanistan 1878—79 in Scene. Nachdem er noch kurz vor dem Rücktritt Lord Beaconsfields zum Carl erhoben worden war, legte er seinen Posten nieder. Nach seiner Rückkehr nach England beteiligte er sich öfter in hochkonservativem Sinne an den Debatten des M. in unserm Alphabet der 13., in dem griechischen und lateinischen der 12. Buchstabe, bezeichnet einen Laut, den die Schulgrammatik zu der Klasse der Liquidä (r, I m, n) rechnete; die neuere Forschung, die als liquidae, wenn der Name überhaupt beibehalten wird, nur r, 1zählt, faßt m, nals Nasalklasse zusammen und definiert meals labialen Nasal, d. h. als einen Konsonanten, der entsteht, wenn die Mundhöhle durch Aufeinanderlegen der Lippen vollständig geschlossen wird und der Atmungsstrom durch die Nase geht; es findet aber dabei zugleich ein Tönen des Kehlkopfes (Stimmton) statt; das me(ebenfalls n) gehört deswegen auch zu den tönenden Lauten (Sonoren); m (wie n) haben durch den Stimmton mit den Vokalen eine Verwandtschaft; sie können z. B. gesungen werden; m wie nkönnen daher auch als Silbenvokale auftreten, nach der Bezeichnung der neuern Grammatik m und n sonans, z. B. in der gewöhnlichen deutschen Aussprache von Worten wie «hasseno wird die zweite Silbe ohne e wie mit n gesprochen. Das m ist in den Sprachen wenig Veränderungen ausgesetzt; nur im Auslaut der Worte dulden es manche nicht, sondern wandeln es in n, z. B. das Griechische (wie der griech. Accusativ πν mit lat. fagum). Auch das Deutsche duldete in älterer Zeit kein mam Ende der Worte, wo wir es jetzt haben, z. B. «demo, ist es erst durch Wegfall eines Vokals ans Ende gekommen; ademv ist aus odemer, got. thamma, entstanden. Als Abkürzungszeichen bedeutet Mim Lateinischen den Vornamen Marcus und mit einem Häkchen zur Rechten versehen (M') den Vornamen Manlius. Das röm. Zahlzeichen Mbedeutet 1000. M' in schott. Eigennamen ist Abkürzung von Mac, d. i. Sohn. In Frankreich ist M die allgemeine Abbreviatur für Monsieur und MM für Messieurs. Auf franz. Münzen bezeichnet M den Münzort Toulouse, ein verschränktes MMarseille; auf span. ünzen ein gekröntes M Madrid. M ist bei der Bezeichnung von Handfeuerwaffen die Abkürzung für Modell, z. B. M 71 oder M/71 für Modell 71 (das Mausergewehr). „[Oberhauses. Als Schriftsteller trat Earl L. unter 3dem Namen Owen Meredith mit den Dichtungen „(Clytemnestra, the Earl's daughter, and other poemsv (Lond. 1856) auf, in denen sich der Einfluß „Tennysons und Brownings zeigte, und die, wie auch «The wanderer, a collection of poems in rmany landso (Lond. 1858), durch Ideenreichtum „und schönen Versbau ansprechen. Weniger gelun⸗ „gen ist die poetische Erzählung WLucilep (Lond. 1860). Hierauf ließ er den Roman «The ring of Amasis, from the papers of a German physiciano (2 Bde., Lond. 1863) erscheinen, der an die letzten Romane seines Vaters erinnert. Unter seinem Namen erschienen später die histor. Gedichte Chronicles and characterso (2 Bde., Lond. 1867), das nach dem Polnischen bearbeitete Drama «“Orval, or the fool of time (Lond. 1869) und «Fables in songo (2 Bde., Edinb. 1874). Auch gab er die obenerwähnte Biographie seines Vaters heraus. M, offizielle Abkürzung für Mark (deutsche Reichsmünze). m, offizielle Abkürzung für Meter. MI, Abkürzung für den altröm. Namen Manlius und für das schott. Mac (s. d.). u, die in der Mikroskopie gebräuchliche Abbreviatur für Mikromillimeter 0,001 (o Millimeter). M. A., Abkürzung für Magister artium (engl. Master of arts), s. Magister. Maalzei, s. Aussatz. Mäander, jetzt Menderes, der bedeutendste Fluß der Westküste Kleinasiens, welcher bei Keläna (dem spätern Apamea-Kibotos) in Phrygien entspringt, hierauf Karien in westl. Richtung durchströmt und nördlich von Miletos ins Ikarische Meer fällt, wo er sein Mündungsland immer weiter hinausschiebt, war dem Altertum seiner vielen Krümmungen wegen auffallend. Deshalb bezeichnet man auch in der Stickerei die künstlichen Windungen, besonders die ineinander verschlungenen Purpureinfassungen an den Gewändern, sowie ähnliche Verzierungen an Bauwerken und auf Gefäßen, mit Mäander und mäandrisch. Maanim (hebr.), d. i. Kugelpauke, ein Klapper- oder Rasselinstrument der alten Israeliten. Maare sind kessel⸗ oder flachschüsselförmige Kratereinsenkungen im Gesteinsuntergrunde, welche nur von einem Kranze von vulkanischen Bomben und Fragmenten des Nebengesteins umgürtet werden, nie aber Lavaströmen zum Austritt gedient haben. Sie besitzen meist kreisrunde Umrisse, sind oft mit Wasser angefüllt und scheinen durch Explosion unterirdischer Gas- und Dampfansammlungen entstanden zu sein (Explosionskrater). Deutschland besitzt in den vulkanischen Gebieten der Eifel und von Laach eine Anzahl solcher M., so das Pulvermaar, das Weinfelder und Gemündener M. Auch die Seen von Albano und Nemi sind M. Maarfuß, s. Drudenfuß. Maarib oder Arbith, hebr. Bezeichnung für das Abendgebet der Jsraeliten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 295Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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