FeedMaas (lat. Mosa, frz. Meuse)
ErdkundeBrockhaus 1882

Maas (lat. Mosa, frz. Meuse), der Zwillingsfluß des Rheins, welcher in Frankreich im Depart. Obermarne bei dem Dorfe Meuse, auf dem Plateau und 23 km nordöstlich von der Stadt Langres in einer Seehöhe von 409 maus zwei Bächen entspringt, ist besonders dadurch merkwürdig, daß er das Gebiet des Rheins weit gegen Westen erweitert, und daß er es eigentlich ist, welcher dessen Hauptwassermasse in die Nordsee führt. Er wird bereits in dem nach ihm benannten Departement nach einem Laufe von 230 km schiffbar, nimmt in Frankreich rechts den Chiers auf, fließt dann bei Givet nach Belgien, wo die Sambre links und die Burthe rechts sich mit ihm vereinigen, hierauf nach Holland, wo er rechts die Roer und Niers, links die Dommel aufnimmt, berührt mittels des St.⸗ Andrieskanals von der linken Seite den Rheinarm Waal, mit welchem er den 26 km langen Werder von Bommel (s. d.) umschließt, vereinigt sich dann bei dem Schlosse Loevenstein aufs neue mit der Waal, heißt dann Merwe oder Merwede, ergießt sich in den Biesbosch und teilt sich bei Dordrecht wieder in zwei Arme, welche beide, der linke in mehrern Mündungen, der rechte, nachdem er vorher durch den Kanal Merwede den zweiten Rheinarm Leck zum Teil aufgenommen hat, sich in die Nordsee ergießen. Von den drei Hauptmündungsarmen ist der nördliche, welcher unter dem Namen Neue M. unterhalb Briel auf der Insel Voorne die Nordsee erreicht, der Hauptarm für die Schiffahrt; der mittlere, anfangs Hollandsch Diep (.d.), dann Haringyliet, zuletzt Flakkeefluß genannt, mündet unterhalb Hellevoetsluis zwischen den Inseln Voorne und Over-Flakkee; der südliche oder der Krammer dringt zwischen diesen und der Insel Schouwen ins Meer und steht durch den Arm Keeten mit der Oster-Schelde in Verbindung. Ihr im ganzen langsamer Lauf beträgt 804 Em, wovon 229 km in Frankreich, bei einem Stromgebiete von 48600 qkm, wovon 7800 qkm Frankreich angehören. Die M. berührt die Städte Neufchäteau, Vaucouleurs, Commercy, St.⸗Mihiel, Verdun, Stenay, Sedan, Mezieres, Charleville und Givet in Frankreich, Dinant, Namur, Huy und Lüttich in Belgien, Mastricht, Roermond, Venloo, Gorkum, Dordrecht und Rotterdam in Holland. Ihre Breite, die bei Verdun 65 m beträgt, wächst bei Namur auf 130, bei Lüttich auf 200, bei Gorkum auf 325 m. Sie hat in ihrem obern Laufe, auf dem Plateau von Lothringen, ein ziemlich breites Muldenthal mit 325—490 m hohen, bald steilen, bald sanftern Rändern; der Boden ist zerklüftet und höhlenreich, wie denn auch der Strom nahe oberhalb Neufchäteau, bei Bazoilles, im Departement der Vogesen, plötzlich verschwindet (a perte de la Meuse) und erst 5, Em weiter, bei Nonancourt, wieder zum Vorschein kommt. In den Ardennen, welche sie bei Namur verläßt, und bis Lüttich sind an beiden Ufern hohe steile Felsen. Bei Mastricht tritt die M. in die Tiefebene, durchfließt dann dürres Heideland oder Moorgründe, wie den großen Torfmoor Peel, ist daher hier, obgleich breit und schiffbar, von geringer Bedeutung, wird aber wichtiger, wo sie in das Rheindelta eintritt und fette Marschgegenden durchflutet. Von den Kanälen des Maasgebiets führt der Süd-Wilhelmskanal von Mastricht durch den Peel in die Dommel bei Herzogenbusch, der Kanal von Brabant in die Rupel bei Boom und durch diese in die Schelde, der Ardennenkanal (s. Ardennen) in die Aisne, der 69 km lange Oise-Sambrekanal aus der Sambre bei Landrecies ebenfalls in die Aisne, beide also in das Seinegebiet, der Maas-Moselkanal aus der M. bei Lüttich in die Mosel bei Wasserbillig. Das franz. Departement Maas (Meuse), aus dem nordwestl. Teile des lothring. Platean, namentlich dem Herzogtum Bar und den Landschaften Verdunois und Clermontois zusammengesetzt, im NO. von Belgien, im übrigen von den Depart. Meurthe-Moselle, Vogesen, Obermarne, Marne und Ardennen begrenzt, zählt auf 6227,9 m (1881) 289861 CE., zerfällt in die vier Arrondissements Bar-le-Duc, Commercy, Montmedy und Verdun mit 28 Kantonen und 586 Gemeinden und hat zur Hauptstadt Bar-le-Duc (s. d.). Längs der M., die das ganze Departement in nördl. Richtung 130 Kkm weit in ziemlich breitem Thal durchströmt, laufen die Argonnen. Die M. mit dem Chiers, die Aisne und Aire, der Ornain und die Saulx im Seinegebiet, der Longeau und die Orne, Zuflüsse der Mosel, nebst vielen kleinen Seen geben hinreichende Bewässerung in breitern und engern Thälern, welche die überraschendsten Abwechselungen und Aussichten darbieten. Der Boden ist in dem nördl. Teile steinig und dürr, fruchtbarer in dem südl. Teile, namentlich in den Thälern und an den Berggeländen, die mit der schönsten Vegetation bedeckt sind. Das Klima ist etwas kühl und feucht; eine scharfe Bergluft weht im Lande, ist aber gesund und gestattet selbst noch Weinbau. Letzterer, welcher in guten Jahren über 421 000 hl Wein liefert, sowie die im großen betriebene Kultur von Johannisbeeren, der Anbau von Obst und Gemüse, von Getreide, Hülsenfrüchten und Olpflanzen, die Zucht von Schweinen, Pferden, Schafen und Rindern, verbunden mit bedeutender Butter⸗ und Käsebereitung, sowie auch die Bienenzucht sind die Hauptzweige der Landwirtschaft; doch steht der Ackerbau der Viehzucht nach. Diese letztere bildet nebst den Erzgruben den Hauptreichtum des Landes. Außerdem liefern die meist stark bewaldeten Berge auch viel Schiefer und treffliche Bausteine, und in den Kalkbergen unweit Verdun wird ein schöner Marmor, der sog. Marbre des Argonnes, gebrochen. Bedeutend ist auch die Ergiebigkeit an Gips, Mergel und Töpferthon. Sehr lebhaften Industriebetrieb zeigen die Olmühlen, Gerbereien, Glashütten, Fayence⸗, Kattun⸗, Strumpf⸗, Woll⸗, Leder⸗, Papier⸗ und Stahlfabriken und die Branntweinbrennereien. Berühmt sind die Konfitüren von Bar und Verdun; auch der Handel mit Wein, Getreide, Ol, Stabholz, Eisen etc. ist wichtig. Vgl. Bonabella, „Le département de la Meusen (Par. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 298Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6