FeedMosel (lat. Mosella, frz. Moselle)
ErdkundeBrockhaus 1882

Mosel (lat. Mosella, frz. Moselle), ein linker Nebenfluß des Rheins, entspringt im Arrondissement Remiremont des franz. Depart. Vosges, in dem südlichsten Winkel der Vogesen, zwischen dem Ballon d'Alsace und dem Drumont aus drei Quellbächen, deren stärkster am Fuß der Cöte-de-Taie, in der Gemeinde Bussang, in 735 m 6951. W entsteht. Die M. wendet sich in einem südl. Bogen durch ein romantisches Thal nordwestwärts nach Remiremont (Flußspiegel 396 m hoch), wo sie rechts die Moselotte oder Kleine Mosel aufnimmt, dann gegen Norden über Epinal (311 m), weiterhin im Depart. Meurthe Moselle nordwestlich nach Toul (204 m), wo sie sich der Maas auf 21 km nähert und splötzlich eine Wendung gegen Nordost nach Frouart (an der Mündung der Meurthe) macht. Von hier an schiffbar (kanalisiert bis Ars), wendet sie sich nordwärts nach Pont-a-Mousson (182 m), erreicht bei Pagny-sur-Moselle das deutsche Gebiet (Elsaß-Lothringen), in welches sie dann bei Noveant ganz eintritt; sie fließt hier über Metz (177 m), Diedenhofen, von da abermals gegen Nordosten nach Sierck und tritt dann bei Perl auf preuß. Gebiet. Hier bildet sie 34 Kkm weit die Grenze zwischen Luxemburg und dem Regierungsbezirk Trier der preuß. Rheinprovinz, in welcher sie gegen Nordosten über Trier, Bernkastel, Trarbach und Traben, Zell und Kochheim oder Kochem strömt und bei Koblenz (58 m) mündet. Auf der rechten Seite nimmt die M. die Meurthe, bei Metz die Seille, bei Conz oberhalb Trier die Saar auf, dann die Ruver, Thron und andere Bäche des Hundsrück; auf der linken Seite die Orne oberhalb Diedenhofen, die Sauer oder Sure bei Wasserbillig oberhalb Trier, dann unterhalb Trier die Kyll, Salm, Lieser, Alf und andere Flüßchen der Eifel. Das ganze Flußgebiet umfaßt etwa 28360 qkm. Die Entfernung der Quelle von der Mündung beträgt 274 km, die ganze Stromentwickelung aber 514, km. Flößbar ist der Fluß 90 km weit, von Arches bis Frouard, dann schiffbar 356 kmeweit, wovon 30 km auf Frankreich, 90 km auf Elsaß-Lothringen, 240 km auf Preußen entfallen. Die Schiffahrt auf der M. ist zwar wegen der überaus zahlreichen Krümmungen, die sie besonders zwischen Trier und Koblenz macht, sehr langwierig, aber, nachdem in neuerer Zeit durch bedeutende Stromkorrektionen und Bauten die Gefahren mancher Stellen beseitigt oder doch ermäßigt wurden, im ganzen sicher und für den Rheinhandel von großer Wichtigkeit. Die Moselschiffe, Traubertenkähne und Bohrnachen genannt, sind äußerst stark gebaut, mit platten, engen Böden, vorn spitz und hinten rund. Gewöhnlich haben sie 28 m Länge und 7 m Breite und tragen in der Regel eine Last von 600—1000 Ctrn. Seit 1839 ist auch die Dampfschiffahrt von Trier bis Koblenz in Betrieb. Zur Hebung der Schiffahrt ist oberhalb Metz bis zur Grenze der Moselkanal erbaut worden. Die Hauptgegenstände, welche die M. herab in den Rhein geführt werden, sind Dachschiefer, Holz, Holzkohlen, Kalk, Apothekerwaren, Liqueure, Steinkohlen, Gips, Pottasche, Salz, Lohrinde, Glaswaren, Schleifsteine, französische und vor allem deutsche Moselweine. Auf der elsaßlothring. Stromstrecke betragen die Steinkohlen aus dem Saargebiet über die Hälfte des Flußtransports. Aus dem Rhein gehen in die M. namentlich Stahl, Eisen, Kupfer, Blei, Zinn und Kolonialwaren. Die M. wird auf ihrem ganzen Laufe von Eisenbahnen begleitet, und zwar in ihrem obern Laufe auf franz. Gebiete von der Französischen Ostbahn, in ihrem mittlern Laufe von den Elsaß-Lothringischen Eisenbahnen, in ihrem untern Laufe von der Moselbahn oblenz-Trier-Sierch als Teil der großen strategischen Linie Berlin-Metz. Die Ufer der M. bieten die mannigfaltigsten Abwechselungen dar und geben zum Teil den rheinischen nichts nach in malerischer Schönheit. Von Trier abwärts bis oberhalb Koblenz hat das Moselthal seine schönsten und malerischsten Partien, besonders bei Trarbach und Kochem. Weinbau findet an beiden Ufern statt, die besten Weinbezirke sind auf dem südl. Ufer. (S. Moselweine.) Unter den Alten besang die M. der Dichter Ausonius. Vgl. Klein, «Moselreise von Trier bis Koblenz (3. Aufl., Kobl. 1846); Bärsch, (Der Moselstrom von Metz bis Koblenzo (Trier 1841); Hocker, «Das Moselthal von Nancy bis Koblenzv (Lpz. 1855); Schlichting, Kanalisation der M. von Arnaville bis Metz' (Berl. 1875); Rutsch, Die M. und ihre Seitenthälero (Trier 1879). Das ehemalige Departement Mosel, ein Grenzdepartement des nordöstl. Frankreich, umfaßte ein Areal von 5382,30 Akm, zählte 1866 eine Bevölkerung von 452157 E., war in die vier Arrondissements Metz, Briey, Thionville und Sarre—⸗ guemines geteilt und hatte Metz zur Hauptstadt. Das Departement M. war im Deutsch-Französischen Kriege von w1870 und 1871 durch die Gefechte bei Spicheren und Forbach, die Kämpfe vor und um Metz sowie die Belagerungen von Diedenhofen und Longwy einer der wichtigsten Kriegsschauplätze. Im Versailler Präliminarfrieden vom 26. Febr. und im Frankfurter Definitivfrieden vom 10. Mai 1871 wurde dann der bei weitem größte (östliche), wesentlich die Arrondissements Thionville (Diedenhofen), Metz und Sarreguemines (Saargemünd) umfassende, 4246,58 gkmuenthaltende Teil des Departements an das Deutsche Reich abgetreten, der bei Frankreich verbliebene Rest (wesentlich das Arrondissement Briey, mit 1136,02 akm, enthaltend) dagegen mit den ebenfalls bei Frankreich verbliebenen Arrondissements des ehemaligen Depart. Meurthe (s. d.) zu einem Departement verschmolzen, welches den Namen Meurthe Moselle (s. d.) erhielt. su. Lothringen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 884Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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