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ErdkundeBrockhaus 1882

Macedonien, eine außerhalb des eigentlichen Hellas gelegene, erst ziemlich spät hellenisierte Landschaft der Balkanhalbinsel, wurde im S. durch den Olymp und die kambunischen Berge von Thessalien, im W. durch das Böongebirge von Epirus und Illyrien geschieden. Im N. grenzte sie an die Gebirge Scardos und Skomios, im O. bildete ursprünglich der Fluß Axios und der Thermäische Meerbusen ihre Grenzen, die später durch Eroberung der Landschaft Mygdonia bis zum Strymonischen Meerbusen vorgeschoben wurden. Durch Philipp II., der (nach 360) auch die nördl. Gebirgsgrenze erreichte, kam noch der westlichste Teil Thraziens zwischen den Flüssen Strymon und Nestos hinzu. Das eigentliche M., von den Flüssen Haliakmon und Ludias durchflossen, vom Barnus⸗, Bora- und Bermiosgebirge und den nördl. Vorbergen des Olympos durchzogen, zerfiel in die Distrikte Pieria, Elimia, Orestis, Lynkestis, Cordäa, Almovia und Emathia. Gegenwärtig bildet das Land das türk. Vilajet Salonich zum größten und das Vilajet Monastir zum kleinern Teil und umfaßt etwa 39600 qkm mit einer Bevölkerung von 700 000 Seelen. M. war bei den Alten berühmt durch seine Gold⸗ und Silbergruben, durch Reichtum an OÖl, Wein und andern Früchten, die besonders auf den Küstenstrichen trefflich gediehen, und besaß eine große Anzahl blühender Städte, wie außer der Haupt⸗ und Residenzstadt Pella, Pydna, Thessalonike (Therma), Agä (Edessa), Dion, Beröa, Philippi (Krenides), Amphipolis u. a. Die Geschichte des Reiches M. zerfällt in drei Perioden, von denen die erste von der Gründung bis auf Philipp II. (359 v. Chr.), die zweite bis zur Schlacht bei Jpsos (301 v. Chr.), die dritte bis zur Unterjochung durch die Römer (168 v. Chr.) reicht. Die Macedonier, ein altgriech. Volksstamm, aber mit starker Beimischung von thrazischen, päonischen und illyrischen Elementen, würden von den Hellenen lange nicht als Stammverwandte anerkannt. Zu Anfang des 7. Jahrh. v. Chr. gründete König Perdikkas J. von Orestis aus das Reich M. und die Dynastie der Argeaden. Eine zusammenhängendere Geschichte des Landes beginnt erst seit der Unterwerfung unter die Perser durch Mardonius (493 v. Chr.); der damalige König Alexander I. sah sich später gezwungen, an dem Heereszuge des Xerxes gegen Griechenland teilzunehmen. Mit dem Rückzuge der Perser nach der Schlacht bei Platää (479) wurde auch M. wieder frei. Der König Perdikkas II. (454—413) wurde in den Peloponnesischen Krieg verwickelt, in welchem er es abwechselnd mit Sparta und mit Athen hielt. Die Kultur des Staats hob sich mit seinem Sohne und Nachfolger Archelaus, der Ackerbau, Künste und Wissenschaften förderte, Städte befestigte, das Heerwesen besser ordnete und dem Staate neue Kraft und Haltung zu geben wußte. Nach der Ermordung desselben (399 v. Chr.) folgte eine lange Zeit von Verwirrungen und blutigen Thronstreitigkeiten, die damit endigten, daß Philipp II. als Vormund seines Neffen Amyntas (Sohn seines Bruders Perdikkas III.) in einer verzweifelten Notlage des Landes (359—358) die Herrschaft an sich nahm. Philipp verstand es, die Kräfte seines Landes und die Kriegstüchtigkeit der Bewohner desselben so sehr zu steigern, daß es ihm, bereits als Herrn der ganzen Balkanhalbinsel, durch die Schlacht bei Chäronea (338 v. Chr.) gelang, das unter sich uneinige Griechenland unter seine Herrschaft zu brinen. Sein Sohn Alexander d. Gr. machte M. auf urze Zeit zur Beherrscherin der halben Welt. Nach seinem Tode (323 v. Chr.) folgte eine lange Reihe von Kriegen, aus welchen allmählich eine neue Ordnung hervorging; die Provinzen der großen macedon. Monarchie wurden zunächst durch die vornehmsten Heerführer Alexanders (die sog. Diadochen) verwaltet. Von diesen erhielt M. Antipater, als dessen König der Form nach der blödsinnige Halbbruder Alexanders, Philipp III. Aridäos, fungierte. Nach Antipaters Tode (319 v. Chr.) erkämpfte 316 die Herrschaft Antipaters Sohn Kassander; des neuen Throns bemächtigte sich nach dem Tode Kassanders (297) Demetrios Poliorketes, welcher 288 durch Pyrrhos von Epirus gestürzt wurde. Letzterer ward schon 286 durch Lysimachos wieder aus M. vertrieben. Lysimachos selbst fiel in der Schlacht bei Kurupedion (281) gegen Seleukos; dieser wurde bald darauf von Ptolemäos Ke-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. Fraunos ermordet, der selbst schon im J. 279 beim Einfall der Kelten in M. seinen Tod fand. Endlich errang Antigonos Gonatas, ein Sohn des vorher terwähnten Demetrios, die Herrschaft (277) für die Antigoniden und vererbte sie auf seine Familie. dieser Zeit aber regte sich in Griechenland die letzte nationale Kraft in dem Achäischen und dem Atolischen Bunde, und die Politik der Könige von „[M. mußte nun dem einen dieser Bündnisse durch „Verbindung mit dem andern entgegenwirken oder gegen beide sich verteidigen, wie dies bei Demetrios II. (239—229 v. Chr) und dessen Vetter Antigonos, mit dem Beinamen Doson (229—220), der Fall war. Inzwischen hatten die Römer ihre Blicke auf Griechenland gerichtet. Als nun Philipp V. 201 mit Athen in Krieg geriet, rief letzteres die Römer gegen ihn zu Hilfe, worauf er bei Kynoskephalä 197 v. Chr. entscheidend geschlagen wurde. Perseus, der Nachfolger Philipps V. (179), vermochte sich nicht zu halten und mußte nach der unglücklichen Schlacht bei Pydna (168 v. Chr.) den Triumph des röm. Feldherrn Amilius Paullus schmücken. Nach dem letzten Kampfe des Volks (149) unter Führung des Andriskos (Pseudo-Philippos), der sich für einen natürlichen Sohn des Königs Perseus ausgab, wurde M. 146 v. Chr. zur röm. Provinz gemacht, mit der man noch Thessalien und einen Teil von Illyrien verband. Vgl. O. Müller, «über die Wohnsitze, die Abstammung und die ältere Geschichte des macedon. Volksv GBerl. 1825); Flathe, «Geschichte M.so (2 Bde., Lpz. 1832—34); Abel, „M. vor König Philipp (Lpz. 1847); ferner die Reisewerke von Cousinéry, Leake, Grisebach; endlich Desdevises-du-Dezert, 4Géographie ancienne de la Macédoine (Par. 1863); Heuzey, EExploration archéologique de la Macédoinen (Par. 1864—76); Dimitras, Athen 1870 u. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 304Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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