Madras, eine Präsidentschaft des Indo-Britischen Reichs unter einem Gouverneur mit einem administrativen und legislativen Rate zur Seite, umfaßt den südl. Teil der Vorderindischen Halbinsel mit den Küstenländern Malabar und Südkanara nebst den Lakediven im Westen und der ganzen Ostküste (Koromandel) bis 20 18 nördl. Br., im ganzen 365 178 qkm mit (1881) 31170 631 E. (mit den Vasallenstaaten Travancore und Cochin 386 133 qkm mit 34 172067 CE.), worunter elf Zwölftel Hindu, der Rest Mohammedaner. Die Präsidentschaft M. besteht aus 20 unmittelbaren Distrikten. Die Hauptstadt Madras, unter 13² 5 nördl. Br. und 80 21“ östl. L. (von Greenwich), auf der Küste Koromandel am Bengalischen Meerbusen in flacher, sandiger Gegend gelegen, ist Sitz der Regierung für die Präsidentschaft, eines höchsten Gerichtshofs, eines anglikan. Bischofs und eines röm.⸗ apostolischen Vikars, hat eine Münze, ist ein bedeutender Handelsplatz und erstreckt sich gegen 15 kKm weit längs dem Meer hin. Im allgemeinen trägt die Stadt einen spezifisch orient. Charakter; Pagoden, Moscheen, Kapellen, Kirchen und Bethäuser, palastartige Gebäude, Warenspeicher, Häuser mit platten Dächern liegen zwischen Bäumen und Gärten untereinander gemischt. M. besteht aus dem hauptsächlich von Europäern bewohnten, eine kleine Stadt für sich bildenden Fort St.⸗George, der von Eingeborenen bewohnten sog. Schwarzen Stadt und ausgedehnten acht Vorstädten. Im Norden wird das Fort von der Schwarzen Stadt durch eine breite, von einem Steindamm geschützte Esplanade geschieden, welche nur 15 em über der Springfluthöhe liegt und den 1844 erbauten neuen Leuchtturm trägt. Die Schwarze Stadt ist in vier Abschnitte geteilt, hat ein gutes Ansehen und enthält auch viele europ. Läden. Längs dem Strande stehen in gleichlaufenden Linien öffentliche Gebäude, der höchste Gerichtshof, das Zollhaus, die Admiralität, daneben ungeheuere Warenspeicher und Kaufmannsgewölbe. Andere hervortretende Gebäude sind die Waisenhäuser für Soldatenkinder, das Gefängnis, die Münze, das allgemeine Krankenhaus, die Medizinalschule, die röm.⸗Kkath. Kathedrale, die Missions⸗ und die Dreifaltigkeitskapelle, die armenische Kirche und das Museum. Daran schließt sich ein Labyrinth enger, krummer Gassen mit Lehmhäusern. Gutes Brunnenwasser wird täglich in ein Bassin auf der Esplanade und ins Fort geleitet. Im Norden der Schwarzen Stadt erstreckt sich am Strande das von Fischern und Schiffern bewohnte Royapuram, im Westen liegt Vepery nebst Parsewakam mit der schönen schott. St. Andreaskirche und der St. Andreasbrücke über den Küm (Coaum). Jenseit dieses Flusses liegen Tschintadrapettah und weiter westlich die volkreichen Vorstädte Pudupettah und Egmore. Südlich vom Fort St.⸗George (jenseit des Küm) zieht sich am Strande Triplicane hin, mit den Gouvernementsgärten und dem großen Gouvernementshause, daneben der Tschipäk-Garten, die Residenz des pensionierten Nabobs von Karnatik. Westlich von Triplicane befindet sich die Vorstadt Royapettah mit der schönen St. Georgslirche. Etwa 5 km südlich vom Fort liegt, hart am Strande, das weitläufig, aber sauber gebaute, hauptsächlich von Thomaschristen (s. Nestorianer) bewohnte Sankt Thomas oder Meliapur (Milapur). Der isolierte und befestigte St. Thomasberg, mit einem brit. Militärkantonnement, ist der Wallfahrtsort für eine Menge syr. Christen, die aus Persien, Syrien und Armenien nach der heiligen Stätte pilgern, wo ihr Apostel Thomas den Märtyrertod erlitten haben soll. Die Bevölkerung beträgt (1881) 405 848 Seelen, meist Hindu. Außer der Schule für Heranbildung eingeborener Arzte hat die Stadt eine Polytechnische Schule, eine Sternwarte, seit 1812 ein Kollegium für ind. Sprachen, eine Abteilung der Asiatischen Gesellschaft und mehrere andere gelehrte Genossenschaften, ein 1851 gegründetes Centralmuseum mit Menagerie, einen botan. Garten, Buchdruckereien und verschiedene wohlthätige Anstalten und Vereine. Industrie und Handel sind minder bedeutend als zu Anfang des 19. Jahrh. Die Baumwollfabrikation ist durch die Überlegenheit der englischen von ihrer frühern Höhe sehr gesunken, obschon die Weberei von Musselinen, weißen, blauen und roten