FeedMagie bezeichnet die Kunst
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Magie bezeichnet die Kunst, durch geheimnisvolle, Übernatürliche Mittel wunderbare Wirkungen hervorzubringen, und bedeutet im allgemeinen soviel wie Zauberei. Der Name ist von den pers. Priestern, den Magiern (s. d.), zu den Griechen und von da zu uns gekommen. Eine der ältesten ihrer Formen, die von den Chaldäern in Babylonien ausgegangen ist, beruht auf Astrologie und der Meinung, daß die Gestirne, von Dämonen beherrscht, Einfluß auf den Gang menschlicher Schicksale haben und daß es möglich sei, mittels dieser Dämonen auf die unter ihrem Einflusse stehenden Dinge und Begebenheiten zu wirken. Damit verband sich vielfach die Annahme, daß man sich durch gewisse Formeln, Ceremonien, eine bestimmte Art der Lebensweise u. s. w. auch noch anderer geheimnisvoll wirkender Kräfte bemächtigen und dieselben zu zauberhaften Wirkungen benutzen könne. Die Herrschaft über die Witterung, das Hervorrufen der Toten und die Beschwörung abgeschiedener Seelen, das Wahrsagen aus den Linien der Hand, das Bezaubern durch den Blick (die Jettatura der Italiener), das Versprechen des Blutes und der Blutflüsse, die Kunst, sich unsichtbar zu machen oder in andere Gestalten zu verwandeln die Wirksamkeit der Amulette, die Kunst unedle Metalle in Gold zu verwandeln, die Macht der Liebestränke und des Liebeszaubers, das Versprechen des Feuers, die Gewalt über andere Menschen, deren wächsernes Abbild der Zauberer besitzt, die Kenntnis der sog. signatura rerum und ähnliches, bis herab zu den vielen, im gewöhnlichen Leben noch jetzt gebräuchlichen sympathetischen Mitteln gehören zu dem, was die M. vollbringen zu können glaubte. Fast bei allen Völkern, auch bei sehr gebildeten, sindet sich der Glaube an magische Künste. Im Mittelalter bildete sich sogar die M. in einer Art Systematik aus. Man unterschied höhere und niedere, weiße und schwarze M. (oder schwarze Kunst, daher der Ausdruck Schwarzkünstler), ie nachdem man den beabsichtigten Zauber durch bimmlische oder irdische Kräfte zu erreichen, gute oder böse Geister dazu verwenden zu müssen glaubte. Von großem Einfluß darauf war der Glaube an den Teufel und die ihm untergebenen Geister. Die wichtigste und traurigste Folge dieses Wahnglaubens waren die Verfolgungen der sog. Hexen. Vieles andere, das man in das Gebiet der geheimen Wissenschaft und M. zog, erschien nur deshalb als unbegreiflich und wunderbar, weil man die Natur und ihre Gesetze noch zu wenig kannte, und der Volksglaube stempelte manchen (3. B. den Albertus Magnus und Roger Baco) zum Zauberer und Wunderthäter, der über den Zusammenhang der Naturerscheinungen etwas mehr ahnte oder wußte als sein Zeitalter. Oft ward auch die wundersüchtige Menge von schlauen Betrügern gemißbraucht, unter welchen namentlich der angebliche Graf Cagliostro in neuerer Zeit (1743 - 95) zu großem Rufe gelangte. Seitdem die Naturwissenschaft den Begriff des übernatürlichen wenigstens aus der Auffassung der Natur selbst vertrieben hat, spricht man von natürlicher Magie als der Kunst und Geschicklichkeit, durch physik., mechan. und chem. Mittel Wirkungen hervorzubringen, die den Ununterrichteten in Erstaunen setzen. Vgl. Kleuker, Magikonv (2 Bde., Frankf. u. Lpz. 1784); Tiedemann, De artium magicarum originev (Marb. 1787); Horst, «Zauberbibliotheko (6 Bde., Mainz 1820—26); derselbe, KVon der alten und neuen M. Ursprung, Idee, Umfang und Geschichten (Mainz 1820); Ennemoser, «Geschichte der M.y (2. Aufl., Lpz. 1844); Christian, AHistoire de la magiev (Par. 1870); Lenormant, Les sciences occultes en Asier (2 Tle. 1874 —75; deutsch Jena 1878), und über die sehr zahlreiche Litteratur Grässe, «Bibliographie der wichtigsten in das Gebiet des Zauber⸗,‚ Wunder⸗, Geister- und sonstigen Aberglaubens einschlagenden Werkey (Lpz. 1843). Magier (lat. magi, aus dem altpers. magus) hießen dei den Medern und Persern die Mitglieder der Priesterkaste, die wie die Leviten bei den Jsraeliten einem bestimmten und zwar einem arischen Stamme Mediens angehörten. Sie waren im Besitz der wissenschaftlichen Kenntnisse und übten die heiligen Gebräuche der Religion; weil sie aber auch die Zukunft aus den Sternen, Träumen u. s. w. voraussagten, wurde der Name Magie (s. d.) der Ausdruck für Geheimkunst im allgemeinen. Im engern Sinne nennt man Magismus die zoroastrische Lehre (s. Zoroaster), was aber nur aus einer spätern Verwechselung herrühren mag; die Regierung des Magiers Gomates, Pseudosmerdis (Aug. 522 bis April 521), zeichnete sich gerade durch die größtmögliche Vernichtung des Zoroastrismus aus, und nach der Ermordung desselben feierten die Perser das Fest der Magophonie, d. i. des Magiermordes; auch kommt das Wort magus in der Bedeutung Priester nicht in den Resten des Avesta vor. Möglich ist, daß magus ein altpers. Priester hieß; denn Griechen, Römer bezeichnen darunter, wie die Araber unter Madjũüs, die Zendreligion. Nach Herodot hatten die Magier allein das Recht, Tiere zu opfern. So wurde in Pasargadä, der Krönungsstadt der Perser, das Grab des Cyrus auch von M. bewacht. Auch bei Jeremia und den klassischen Autoren werden M. in Chaldäg erwähnt, und es ist wohl möglich, daß diese semitischen M. die Bedeutung von Zukunftsdeutern und Wunderthätern bestimmt haben. über die drei M. in Bethlehem s. Drei Könige.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 336Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sagen & Mythen 6