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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Mantik (vom grch. Wort Mantis, Seher; lat. divinatio) ist die Kunst der Weissagung (s. d.), hervorgegangen aus dem allen Völkern gemeinsamen Verlangen, das Geheimnis der Zukunft aufzudecken. Es gibt fast kein Lebensverhältnis, fast keine Beobachtung, selbst der gewöhnlichsten Dinge, die nicht bei den verschiedenen Völkern benutzt worden wäre, um ein künftiges Ereignis vorauszusehen, oder um die Handlungsweise mit Bezug auf zukünftige Folgen zu bestimmen. Die Griechen, die die M. fast wissenschaftlich erforschten, teilten dieselbe in kunstlose und in künstliche. Die erste geht aus dem Gefühl des Menschen selbst hervor, die zweite beruht auf Beobachtung und Erklärung. Außer den direkten Sehersprüchen und Orakeln sind vor allen zu bemerken die Voraussagungen aus der Stellung der Gestirne (s. Astrologie uUnd Nativität), ferner die Auslegung der Träume Oneiromantie), die Prophezeiung durch Totenbeschwörung (Rekromantie oder Nekyomantie) und viele andere, die mit der Endung Mantie gebildet sind. Zu den mannigfachen neuern Wahrsagekünsten gehören die Kartenlegerei, die Punktierlunst, die Wahrsagung aus dem Kaffeesatz oder Hundegebell u. s. w. Im alten Rom zeichneten sich durch Wahrsagung namentlich die Etrusker und Chaldäer aus, von letztern haben sich eine beträchtliche Menge erhalten, die nur von Wahrzeichen aus Mißgeburten bei Menschen und Tieren, Sternkombinationen, Träumen, Begegnung von Hunden u. s. w. handeln.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 422Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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