Divination (lat.) heißt im allgemeinen soviel als Ahnung oder Vorgefühl , Ereignisse. Das Interesse, welches der Mensch an dem Vorherwissen des Zukünftigen hat, verbunden mit dem Mangel wirklicher Kenntnisse über die Ursachen des Zukünftigen, hat zu allen Zeiten nicht bloß subjektive Gemütszustände, sondern auch äußere Ereignisse und Verhältnisse als Vorzeichen oder Ursache des Zukünftigen betrachten lassen, und eben die lehtern sind es, welche man im speziellern Sinne des Wortes unter der D. versteht, die im öffentlichen Leben vieler Völker des Altertums, insbesondere der Römer, eine große Rolle gespielt hat. Von dem Picken des Totenwurms an, dem Wahrsagen aus dem Fluge der Vögel und den Eingeweiden der Opfertiere bis Unen zur Berechnung der Horoskope und Konstellationen erstreckt sich eine lange Reihe von Mitteln und Methoden, auf welche man ein divinatorisches Vorhersagen gründen zu können glaubte, und in den großen Massen ist das Vertrauen auf solche Anzeichen nur langsam geschwunden. Freilich gibt es auch eine Art D., die mit jenen phantastischen Spielen nichts gemein hat, sondern welche auf einer raschen, umsichtigen und eindringenden Kombination aller Umstände beruht, die ein zukünftiges Ereignis mehr oder minder wahrscheinlich machen, und über welche der Divinierende selbst sich keine genaue Rechenschaft geben kann. In diesem Sinne spricht man von der D. des Menschenkenners, des Staatsmanns, des Feldherrn u. s. w. Die divinatorische Kritik beruht auf der genauesten Vertrautheit mit der Denk- und Redeweise eines Schriftstellers, infolge deren der Kritiker oft unmittelbar das Richtige findet.