FeedMaintenon
GeschichteBrockhaus 1882

Maintenon (Frangoise d'Aubigné, Marquise von), Maitresse und später heimliche Gemahlin Ludwigs XIV., stammte aus einer prot. Adelsfamilie und wurde 27. Nov. 1635 im Gefängnis zu Niort geboren, wohin ihre Mutter ihrem Vater, der dort wegen eines Verbrechens eingeschlossen war, freiwillig gefolgt war. Ihre Eltern führten sie im Alter von drei Jahren mit nach Martinique. Nach dem Tode des Vaters kehrte die elfjährige Tochter mit der Mutter nach Frankreich zurück. Als letztere starb, kam das Mädchen zu einer Tante, Namens De Villette, die sie in der reform. Religion erzog. Dieser entriß sie auf königl. Befehl eine andere Verwandte, Madame de Neuillant, welche sie bei den Ursulinerinnen in Paris unterbrachte und hier nach längerm Widerstreben ihre Konvertierung durchsetzte. Im Alter von 16 J. machte sie zu Paris die Bekanntschaft des Dichters Scarron, der sie heiratete. Als Scarron 1660 starb, geriet sie in drückende Not, erlangte dann aber eine königl. Pension. Im J. 1669 erhielt sie von der Montespan den Antrag, die Erziehung der beiden Söhne zu übernehmen, welche diese dem König geboren hatte. In dieser Stellung lernte sie der König kennen, den sie bald so für sich zu gewinnen wußte, daß er ihr 100000 Livres schenkte, für welche sie das Gut Maintenon kaufte, dessen Namen sie auch annahm. Allmählich verdrängte sie die Montespan aus der Gunst des Königs, der um 1685 sogar in die heimliche Vermählung mit ihr willigte. Seitdem begann ihr Einfluß auf die Staatsangelegenheiten übermächtig zu werden. Im Bunde mit der Hofgeistlichkeit unterstützte sie die Verfolgung und gewaltsame Bekehrung der Hugenotten. Ihre Günstlinge wurden Minister und Generale oder erhielten auch Pensionen. Als Ludwig 1715 starb, zog sie sich in die Abtei St.⸗Cyr zurück, die auf ihren Wunsch 1686 in ein Fräuleinstift verwandelt worden war. Hier starb sie 15. April 1719. Sie empfing die Ehren einer Königswitwe, wiewohl sie nie formellen Anspruch darauf erhob. Ihre Mémoires v (6 Bde., Amsterd. 1755) sind ein Machwerk Beaumelles. Derselbe gab auch ihre Briefe (9 Bde., Amsterd. 1756 u. öfter; beste Ausg., 3 Bde., Par. 1815) heraus, die für die Geschichte der Zeit wichtig sind. Ferner erschienen «Lettres inédites de Madame de M. et de la princesse des Ursinso (4 Bde., Par. 1814 u. 1826). Eine Gesamtausgabe ihrer Schriften hat Lavallée (10 Bde., Par. 1854—66) besorgt. Vgl. Caraccioli, «Vie de Madame de M.o (Par. 1786); Frau von Genlis, «Histoire de Madame de M.v (2 Bde., Par. 1806; deutsch, Lpz. 1807); Duc de Noailles, (Histoire de Madame de M.v (4 Bde., Par. 1848 —58); Lavallée, Madame de M. et la maison royale de St.-Cyro (2. Aufl., Par. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 362Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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