Sévigné (Marie de Rabutin-Chantal, Marquise von), eine durch ihre geistvollen Briefe berühmte Französin, geb. 6. Febr. 1626 zu Paris, erhielt durch einen Verwandten, den Abbé de Coulanges, eine gelehrte, besonders philol. Bildung. Außerdem hatte sie Gelegenheit, an dem Hofe Ludwigs XIII. ihre geselligen Talente auszubilden. Weniger durch Schönheit als durch Anmut und Geist ausgezeichnet, verheiratete sie sich 1644 mit dem Marquis Henri de S. Aus dieser Ehe entsprangen ein Sohn, Charles, und eine Tochter, Frangçoise Marguerite, die sich 1669 mit dem Grafen von Grignan vermählte und unter diesem Namen bekannt wurde. Der Marquis von S. erkaltete indes bald in der Neigung für seine Gemahlin und schickte dieselbe in die Bretagne. Er starb 1651 in einem Duell. Die Marquise widmete sich der Erziehung ihrer Kinder und kehrte erst nach drei Jahren an den Hof zurück. Ihre sittliche Strenge, sowie ihre Teilnahme an der Coterie der sog. Précieuses im Hötel Rambouillet zogen ihr viele Spöttereien zu. Im J. 1671 erhielt ihr Schwiegersohn, der Graf von Grignan, das Gouvernement der Bretagne, wohin ihm auch seine Gemahlin folgte. Diese Trennung verwandelte bei der Mutter die Liebe zur Tochter in eine schwärmerische Leidenschaft, und es begann zwischen beiden jener berühmte Briefwechsel, der 25 Jahre ohne Unterbrechung dauerte. Die Briefe der Marquise offenbaren ein reines weibliches Gemüt, einen feinen, gebildeten Geist und eine zarte, leicht erregbare Phantasie. Ihr Stil ist gewandt und korrekt, der Ausdruck natürlich, treffend und reich. Sie starb bei ihrer Tochter auf dem Schlosse Grignan 18. April 1696 an den Blattern. Eine erste Sammlung der KLettres de Mme. de S. à sa fille (2 Bde., Rouen und Haag) erschien 1726. Der Ritter Perrin veranstaltete 1734 eine Ausgabe in vier Bänden, an die sich 1738 noch zwei Bände anschlossen. Als Freund der Familie verschaffte sich Perrin auch die Materialien zu erklärenden Noten, die er bei der vollständigen Ausgabe von 1754 (8S Bde., Par.) benutzte. Hierauf folgten die Ausgaben von Vauxelles (10 Bde., Par. 1801), die von Grouvelle (8 Bde., 1806), endlich die in jeder Hinsicht vorzügliche von Monmerqué und St.⸗ Surin (10 Bde., Par. 1818—19, nebst Supplementband, 1820; neue Aufl. 1861 fg.), von Regnier (14 Bde., Par. 1862—67) und von Silvestre de Sacy (11 Bde., Par. 1860—63). Walkenaer veröffentlichte Mémoires touchant la vie et les écrits de Mme. de S., etc.o (4 Bde., Par. 1842 - 48) und Capmas, Wettres inédites de Mme. de S. à Mme. de Grignand (2 Bde., Par. 1876). Vgl. noch Aubenas, «Histoire de Mme. de S. (Par. 1842) und «Madame de S. and her contemporaries v (2 Bde., Lond. 1841). Die Gräfin Françgoise Marguerite von Grignan, geb. 10. Okt. 1646, gest. 13. Aug. 1705, war eine Frau von philos. Geistesbildung. Der Ernst und die Kälte, die sie in ihren Briefen verrät, bilden einen völligen Gegensatz zum Charakter der Mutter. Eine ihrer Töchter, die Marquise von Simiane, geb. 1674, gest. 1737, erscheint in den Briefen als der Abgott der Frau von S.