Malaien oder Malayen ist, je nachdem dieses Wort im weitern oder engern Sinne gebraucht wird, entweder der Kollektivname für eine Anzahl von Völkerstämmen, welche Blumenbach als Malaiische Rasse (s. d.) zusammenfaßt, oder der Name eines zu diesem Völkerkomplex gehörenden, über den ganzen Indischen Archipel zerstreut lebenden Volks. Die M. im engern Sinne oder die eigentlichen M. sind verhältnismäßig neuern Ursprungs. Obschon keine Staatseinheit unter ihnen besteht und sie zerstreut über die weite Ausdehnung des Indischen Archipels, vorwiegend in den Küstengegenden leben, lassen sie sich doch als Volk betrachten, da bei allen malaiischen Stämmen eine große übereinstimmung der Sitten, Gewohnheiten und Lebensweise besteht, sie durchgehends Bekenner des Islam sind, dieselbe Sprache, welche sich durch besondern Wohllaut vor allen andern im Indischen Archipel auszeichnet, reden und mit arab. Schriftzeichen schreiben. Sie zeigen im allgemeinen weniger Geschick und Neigung für den Ackerbau als für den Handel, die Schiffahrt und andere sie nicht fest an einen Ort bindende Beschäftigungen, und durchstreichen fortwährend, teils als friedliche Schiffer und Handelsleute, teils als sehr gefürchtete Seeräuber, die ind. Meere. Sie haben einen gewissen Grad mittlerer Kultur erreicht und sind in manchen Handwerken, wie z. B. in der Goldschmiedekunst, dem Verfertigen von Waffen, dem Weben schöner und kostbarer, mit Gold durch—⸗ wirkter Seidenstoffe, in Schnitzereien aus Holz und Elfenbein, dem Schiffsbau etc. wohlerfahren. Der Charakter der M. wird im allgemeinen wenig günstig beurteilt. Man hält sie für treulos, verräterisch, grausam, unzuverlässig, rachsüchtig, träge und sinnlichen, namentlich geschlechtlichen Genüssen sehr ergeben. Sie sind leidenschaftliche Opiumraucher und Freunde von Hahnengefechten, bei welchen hohe Wetten für und wider die streitenden Hähne stattfinden. Die furchtbar heftige Gemütsaufregung, in welche sie hierdurch versetzt werden, macht das Amoklaufen (s. d.) unter ihnen häufig. Ihre guten Eigenschaften sind Tapferkeit, Unternehmungslust, Freiheitssinn und das lebhafte Gefühl für Unabhängigkeit. Heimatstätte dieser M. im engern Sinne ist das Reich Manang-Kabau, welches in alter Zeit den wichtigsten Staat auf Sumatra (s. d.) bildete und noch während des 15. Jahrh. den ganzen mittlern Teil dieser Insel umfaßte. Aus Manang-Kabau wanderte, nach dem berühmten malaiischen Geschichtswerke «Sulàsat as-Saläthinv (verfaßt 1612 n. Chr.), 1160 ein Teil der Bevölkerung unter dem Prinzen Sri Türi Buwäna nach der Ostküste von Sumatra und von hier nach der Südspitze der später Malaiische genannten Halbinsel aus, wo die Auswanderer die Stadt Singapore gründeten. Von hier wurden sie aber mit ihrem Könige Sri Iskander Schah 1252 durch eine Expedition von Javanern unter dem Prinzen von Modjopahit Ardhi Widjojo vertrieben. Sie begaben sich infolge dessen weiter nach Norden und gründeten in der Nähe des von den Portugiesen später Ophir genannten Berges eine Stadt, welche sie nach der in dieser Gegend in großer Anzahl wachsenden Emblica offcinalis Maleltarn Amalaka, malaiisch Pohon Malàka) alakka (s. d.) nannten. Im J. 1276 bekannte sich der König von Malakka, Mohammed Schäh, mit seinem ganzen Volte zum Islam. Auf der Halbinsel nahmen diese Einwanderer auch die Schriftzeichen der Araber an und bildeten ihre Sprache zur Schriftsprache aus. Von Malakka breiteten sich die Einwanderer über die ganze Halbinsel, sowie nach den südlich von ihr gelegenen Inseln, wie Lingga, Bintang u. s. w. und ebenso längs den Küsten von Sumatra und endlich immer weiter im Indischen Archipel aus. Von diesem Herumschwärmen aber, und zwar erst nachdem sie in ihrer Hauptstadt Malakka festen Fuß gefaßt hatten, wurden sie (Orang