Malaio-Polynesische Sprachen, die Spran der hr Malaiischen Rasse (s. d.) gehörenden Bölker, also der Stämme, welche von der Halbinsel Malakka und den großen Sunda-Inseln östlich über die Philippinen, Molukken, Marianen und Formosa bis 0 den Sandwich⸗, Marquesasinseln, der Osterinsel und Neuseeland, westlich bis Madagaskar sich erstrecken, dann die Sprachen der malaiisierten Papuastämme, welche man unter den Ausdrücken der Melanesier und Mikronesier zusammenfaßt. Diese Sprachen bilden linguistisch eine so innige Einheit, daß sie die Abstammung von einer ihnen zu Grunde liegenden, in ihnen aufgegangenen Ursprache voraussetzen. Nach den neuesten Untersuchungen von Fr. Müller (4Grundriß der Sprachwissenschafto Bd. 2, Wien 1882) gliedern sich die malaio-polynes. Sprachen in drei Abteilungen, in malaiische, melanes.⸗mikrones. und polynes. Sprachen. Die malaiischen Sprachen repräsentieren die höchste Entwickelungsstufe dieses Sprachstammes, während die polynesischen die ursprüngliche, einfache Anlage der Grundsprache zeigen; die melanes.⸗mikrones. Sprachen vermitteln gleichsam die beiden extremen Entwickelungsphasen miteinander, bieten aber auch gewisse Eigentümlichkeiten, durch welche sie von beiden sich unterscheiden. Zu der ersten Abteilung, den malaiischen Sprachen, gehören die Togalasprachen auf den Philippinen, speziell das Tagala, Iloco, und panga, Balen Bicol (Vicol), Bisaya (Visaya) und andere Dialekte, die von den span. Missionaren grammatisch bearbeitet worden sind. Verwandt mit den Togalasprachen sind die in den Küstengegenden der Insel Formosa herrschenden malaiischen Dialekte, unter denen das Favorlang etwas wech bekannt geworden ist. Den Togalasprachen, welche den höchsten Grad der Ausbildung unter den malaiischen Sprachen zeigen, stehen die übrigen weniger entwickelten Sprachen dieser Abteilung gegenüber, nämlich die Sprachen Sumatras (die Sprachen der Battak, Lampong, der Atschinesen), Javas (javanische, sundanesische), von Celebes (Buginesisch, Makassarisch, Alfurisch), Borneo (Dayak) und den kleinern Sunda-Inseln, die entweder bloß dem Namen nach oder aus dürftigen Vokabularien bekannt sind. Hierher gehört auch die Sprache der eingewanderten malaiischen Bevölkerung Madagaskars, das Malagasi oder Madegassische, das sich zunächst an die Sprache der Battak auf Sumatra anschließt. In die zweite Abteilung, nämlich die melanesisch-mikronesischen Sprachen, fallen die Sprache von Fidschi, die Sprachen der Neu-Hebriden (Anityum, Tanna, Erromango, Api, Pama, Ambrym, Malikolo), die Sprachen der Salomonsinseln r‚Bauro, Ulaua, Guadalcanar, Mara, Anudha, Ysabel), die Sprachen der Carolinen, der Marshallinseln und des sog. Gilbert-Archipels (Kingsmill Jslands). Die dritte Abteilung, nämlich diepolynesischen Sprachen, umfaßt die Sprachen derjenigen Inselgruppen, welche von den Samoa-Inseln bis gegen die Osterinsel sich deeland nämlich die Sprachen von Samoa, Neuseeland (Maori), Hawaii, Tonga, den Marquesasinseln u. a. Den östlichsten Punkt, wo malaiisch gesprochen wird, bildet die Osterinsel, in der Entfernung von etwa 40 vom südamerik. Festlande, wie Madagaskar, hart an der Küste Afrikas gelegen, den westlichsten Punkt bildet. Von den malaio-polynes. Völkern, resp. Sprachen, besitzen die der ersten Abteilung eigene Schriften und mehr oder weniger entwickelte Litteraturen. Die alten Alphabete der Tagalen, Battak, Redschang, Lampong, der Bugi und Makassaren, sowie auch die Schrift der Javanen sind ind. Ursprungs, wogegen die mohammed. Malaien sich der arab. Schrift bedienen. Eine altertümliche, aus der altindischen hervorgegangene, doch national gewordene Litteratur haben die Javanen (teils im Kawi (s. d.], teils in den modernen Sprachen), und durch den Einfluß der arab. Kultur die Malaien (s. d.) entwickelt; doch besitzen auch die menschenfressenden Battak und die Bugi und Makassaren eine reiche Volkslitteratur. Vgl. W. von Humboldt, «über die Kawispracher (3Bde., Berl. 1836—40, vollendet von Buschmann); Bleek, „Handbook of African, Australian and Polynesian philologys (3 Tle., Kapst. 1858 fg.); Hale, Ethnography and philology of the United States exploring expeditiono (Philad. 1846); von der Gabelentz, Die melanes. Sprachen » (3 Tle., Lpz. 1860—82); Fr. Müller, cüber den Ursprung der Schrift der malaiischen Völkerd (Wien 1865); Pardo de Tavera Contribucion para el estudio de los antiguos alfabetos Filipinoso (Losana 1884).