Marburger Geschirr, exportiert) und Gerberei. Außerdem werden noch vorzügliche chirurg. Instrumente verfertigt, und bestehen eine Spielwaren⸗ und eine Tabaksfabrik. — M. erhielt 1227 vom Landgrafen Ludwig von Thüringen Stadtrecht und ward 1228 der Witwensitz der Landgräfin Elisabeth, welche schon 1231 im 24. Lebensjahre starb und später kanonisiert wurde. Durch die zu ihren Ehren erbaute Kirche und das landgräfl. Schloß, den Sitz des Deutschordens der Ballei Hessen, erhob sich M. so schnell, daß es bereits 1247 die zweite Stadt Hessens und die Hauptstadt des Landes an der Lahn war. Von 1458 bis 1499 und 1567bis 1604 war es die Residenz hess. Fürsten. Im Dreißigjährigen Kriege hatten Stadt und Schloß viel durch Belagerung und Kriegsnot zu leiden. Besonders tapfer verteidigt wurde letzteres 1647 durch den hess.⸗ kass. Oberstlieutenant Stauf gegen die Kaiserlichen unter Graf Holzappel. Auch im Siebenjährigen Kriege ist M. noch mehreremal, zuletzt 1761 belagert worden; 1806 und 1809 war es der Schauplatz der Erhebung der hess. Bauern gegen die Franzosen, worauf letztere 1810 und 1811 die Festungswerke des Schlosses größtenteils sprengten. ie Universität Marburg, für die erst in neuester Zeit ein Universitätsgebäude in got. Stile gebaut wurde, ist von Landgraf Philipp dem Großmütigen 30. Mai 1527 gegründet und reich aus eingezogenen Klostergütern dotirt worden. Mit ihr trat die erste prot. Hochschule in Deutschland ins Leben; erst 1541 erhielt sie von Karl V. ihre Bestätigung. Gleich nach ihrem Entstehen erreichte die neue Bildungsanstalt eine hohe Blüte und bedeutenden Ruf durch das gesamte prot. Europa. Nachdem Hessen-Darmstadt 1625 M. besetzt, verlegte es die gießener Universität dahin, sodaß von da an bis 1650, wo die Stadt infolge des Westfälischen Friedens wieder an Hessen-Kassel zurückfiel, nur Eine hess. Universität bestand. Nachdem Gießen seine Hochschule wieder erhalten, ward auch die zu M. im Juni 1653 von neuem feierlich eingeweiht. Gegenwärtig ist die Universität von durchschnittlich 7—800 Studenten besucht. Bei der reichen Dotation der Hochschule sind deren Institute zahlreich und wohl unterhalten. Die Bibliothek (150000 Bände), das Anatomiegebäude und die Sternwarte mit dem mathem.⸗physik. Kabinett, beide 1841 erbaut, die chirurg. Klinik, das pharmaceutisch-chem. Institut, das Entbindungshaus, die neue mediz. und die Augenklinik sind ansehnliche Gebäude. Neubauten eines physiol., sowie pathol.⸗anatom. Instituts, eines archäol. Museums stehen bevor. Ferner besteht ein botan. Garten mit pharmakognost. Institut und ein zoolog. Museum. Die neue roßartige, nach dem Isolierungssystem angelegte Provinzial-Irrenanstalt, deren Direktor auch Professor an der Universität ist, ist nach den neuesten Erfahrungen eingerichtet. Die Zahl der ord. Professoren beträgt (Winter 1885) 43, die der außerordentlichen 14, der Privatdocenten 19. Unter den durch Naturschönheit ausgezeichneten Umgebungen Mis verdienen die zerfallenen Schlösser Frauenberg, Staufenberg, Millnau und Weißenstein, der Vergnügungsort Spiegelslust mit prachtvoller Aussicht, der St. Elisabethbrunnen bei Schröck und das ganz nahe bei der Stadt gelegene Dorf Marbach mit Kaltwasserbad besondere Erwähnung. Vgl. Justi, „Geschichte der Universität M.» (Marburg 1827); Henninger, M. und seine Umgebungeno (Marburg 1857); Dilich, «Urbs et academia Marburgensiso (herausg. von Julius Cäsar, Marburg 1867); Kolbe, «Die Einführung der Reformation in M.» (Marburg 1871); derselbe, „Die Kirche der heil. Elisabetho (Marburg 1873); Dithmar, „Aus der Vorzeit M.s und seiner Umgebungo (Marburg 1872); Bücking, Führer durch M. v 2. Aufl., Marburg 1880); Kolbe, «Die Sehenswürdigkeiten M.so (Marburg 1884). 14² 158 E. Der Kreis Marburg zählt (1880) auf 560gkm Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. e„Marburg, Hauptstadt einer Bezirkshauptmannschaft in Steiermark, an beiden Ufern der Drau, Station der Linien Wien-Triest und M. Villach der Südbahn, ist Sitz des Bischofs von Lavant, zweier Bezirksgerichte und einer Finanzbezirksdirektion, hat eine Mädchenbürgerschule, eine Landes-Obst- und „Weinbauschule, eine theol. Lehranstalt, ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Privathandelsschule und eine tgewerbliche Fortbildungsschule, ferner mehrere Lederfabriken, eine große Bierbrauerei, eine Dampf⸗ „mühle, vier große Getreidelagerhäuser, eine Escomptebank und eine Nebenstelle der Osterreichisch-Ungarischen Bank, und zählt (1880) 17628 C., welche Handel mit Leder, Obst, Wein, Getreide, Holz und andern Landesprodukten treiben. Die ansehnlichsten Gebäude der Stadt sind die großen Maschinenwerkstätten der Südbahngesellschaft, die Franz-Jo-Kaserne, die neue Oberrealschule, das Theater- und Casinogebäude, die Domkirche, die alte Burg und das neuerbaute Sparkassengebäude. Ein Denkmal des hier geborenen Admirals Tegetthoff wurde 10. Juli 1883 enthüllt; außerdem hat M. Denkmäler für Kaiser Joseph und Erzherzog Johann. Zwischen den Stationen Pößnitz und M. befindet sich der seit 1846 befahrene berühmte Leitersberger Tunnel, 670m lang, Sm breit, m hoch und ganz umwölbt. Bei M. liegt die Höhe von St. Urban, welche wegen ihrer isolierten vorgeschobenen Lage eine schöne Fernsicht gewährt.