Hagenau, Kreisstadt und Kantonshauptort im elsaß-lothring. Bezirk Unterelsaß, 28 Em nördlich von Straßburg, an der Moder und an den Linien Straßburg-Weißenburg, Zabern-H. und H.⸗Diedenhofen der Elsaß-Lothringischen Eisenbahn, ist Sitz einer Kreisdirektion und eines Amtsgerichts, hat fünf Kirchen, ein Gymnasium, eine große Strafanstalt für Weiber, eine Bibliothek, ein Hospital, ein Theater, eine Hopfenhalle und Wasserleitung und zählt (1880) 12678 meist kath. E., welche sehr bedeutenden Hopfenbau und Handel mit Hopfen, Getreide, Leinen und l, ferner Fabrikation von Porzellan, Fayence, Seife u. s. w. treiben. H., mitten im Hagenauer Wald gelegen, war ursprünglich ein Jagdschloß Herzog Friedrichs von Schwaben, entstand als Ortschaft um 1123 und wuchs unter den ersten Hohenstaufen, die sich oft hier aufhielten rasch zur Stadt heran. Friedrich Barbarossa gab der Stadt 1164 Verfassung und Gerichtsbarkeit und verwandelte das Jagdschloß in eine kaiserl. Pfalz, in welcher bis 1208 die Reichskleinodien verwahrt wurden. Nach dem Untergang der Hohenstaufen blieb H. Sitz des Landvogts von Unterelsaß, dem 1354 die Obhut über den neugegründeten Zehnstädtebund zufiel. Nachdem diese Landvogtei 14081558 bei den Pfalzgrafen bei Rhein gewesen war, wurde sie seitdem an habsburgische Prinzen verliehen. H. wurde 1634 von den Franzosen besetzt, denen sie im Westfälischen Frieden verblieb. Die Festungswerke und die Stadt selbst wurden 1677 auf Befehl des Marschalls Créqui fast gänzlich zerstört. Am 7. Aug. 1870 besetzten deutsche Truppen die Stadt, die seitdem beim Deutschen Reiche verblieb. In der Nähe von H. befindet sich eine Knabenbesserungsanstalt mit ausgedehnten landwirtschaftlichen Betrieben. Ctwa 4 kEm von H. ist der berühmte Wallfahrtsort Marienthal mit prächtiger Kirche. Der Kreis Hagenau zählt auf 659 qkm (1880) 72 787 meist kath. E. „Hagenauer Religionsgespräch. Um den Streit zwischen den Anhängern der Reformation „und ihren Gegnern auszugleichen, berief der Kaiser Karl V. Vertreter beider Parteien auf den 6. Juli 1540 zu einer Zusammenkunft nach Speier, welche raber wegen einer in Speier ausbrechenden Epidemie nach Hagenau verlegt wurde. Von kath. Theologen waren Joh. Eck und Joh. Cochlaeus zugegen, von protestantischen weder Luther noch Melanchthon, sondern nur Capito, Brenz, Cruciger, Mykonius, „Menius und Urbanus Rhegius. Naturgemäß hatten edie Verhandlungen, welche bis zum 28. Juli dauerten, keinen nennenswerten Erfolg, sie bereiteten nur das im Nov. 1540 zu Worms stattfindende „Religionsgespräch vor.