Maria Theresia, Königin von Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von Ssterreich, Tochter Kaiser Karls VI. (s. d.), wurde zu Wien 13. Mai 1717 geboren und durch die Pragmatische Sanktion (s. d.) zur Thronfolgerin bestimmt. Am 12. Febr. 1736 heiratete sie den Großherzog von Toscana, Franz Stephan, aus dem Hause Lothringen, welcher 1745 unter dem Namen Franz J. (s. d.) zum röm.⸗deutschen Kaiser erwählt ward. Nach dem Tode ihres Vaters, 20. Okt. 1740, bestieg sie den Thron der österr. Erblande, worauf sie 21. Nov. 1740 ihren Gemahl als Mitregenten annahm, doch ohne demselben jemals einen namhaften Einfluß einzuräumen. Sie fand die Monarchie erschöpft, die Finanzen zerrüttet und das Heer kaum 100000 Mann stark. Um so gefährlicher war es, daß Kurfürst Karl Albrecht von Bayern (als röm.⸗deutscher Kaiser Karl VII. [s. d.] genannt), mit Unterstützung Frankreichs, ihr die österr. Thronfolge streitig machte, während man gleichzeitig von vielen andern Seiten 23.*7 auf einzelne Teile der österr. Monarchie erhob. Allmählich bildete sich eine große Koalition, der Frankreich, Preußen, Bayern, Kurpfalz, Sachsen, Sardinien, Neapel und Spanien beitraten. Den ersten Angriff machte König Friedrich II. von Preußen. (S. Schlesische Kriege.) Während Spanien und Neapel der österr. Besitzungen in Italien sich bemächtigten, eroberten Franzosen, Bayern und Sachsen einen Teil der deutschen Erbländer. Die Kaiserin hätte unterliegen und ihr Reich der Zerstückelung verfallen müssen, wenn nicht der Beistand Englands, die, allerdings durch nationale Konzessionen erkaufte Treue der Ungarn, sowie die Uneinigkeit der Feinde sie gerettet hätten. Der Friede zu Aachen 18. Okt. 1748 beendigte diesen Osterreichischen Erbfolgekrieg (l. d.), in welchem, außer Schlesien und Glatz, nur die Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla für die österr. Monarchie verloren gingen. Aber die Kaiserin suchte Bundesgenossen, um sich an Friedrich II. zu rächen. Zunächst wurde Rußland gewonnen, und dann gelang es dem Grafen, nachmaligen Fürsten Kaunitz, welcher seit Mai 1753 österr. Staatskanzler geworden war, auch Frankreich auf die österr. Seite hinüberzuziehen. So entstand die Allianz zwischen Osterreich, Rußland und Frankreich, der auch Schweden, Sachsen u. s. w. beitraten, und welche auf eine vollständige Zerstückelung Preußens abzweckte. Die Folge davon war der Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs (s. d.), der nach schweren Kämpfen im Hubertusburger Frieden 15. Febr. 1763 mit gegenseitiger Anerkennung des vorigen Besitzstandes endigte. Bald nachher starb Kaiser Franz J. (18. Aug. 1765), und die Kaiserin nahm nun ihren ältesten Sohn, den Kaiser Joseph II., als Mitregenten an. Bei der ersten Teilung Polens (5. Aug. 1772) erwarb M. das Königreich Galizien, und die Türkei mußte (25. Febr. 1777) die Bukowina abtreten; ferner verschaffte der mit dem Frieden zu Teschen (13. Mai 1779) endende Bayrische Erbfolgekrieg Österreich den Innkreis. Im Innern war die Regierung der Kaiserin für Osterreich eine Zeit der langsamen und vorsichtigen Reformen. Ihr Hauptbestreben ging dahin, die Verwaltung zu bessern und die Macht des Staats im Sinne der Einheit zu kräftigen. Es begann eine größere Centralisation, wenigstens für die deutschen Erblande, während die Länder der Krone Ungarn, die ital. und belg. Provinzen ihre besondere Administration behielten. Das Kriegswesen ward durch Graf Daun zum Teil nach preuß. Muster reorganisiert. Allmählich wurde die Armee bis auf 300000 Mann vermehrt, Artillerie, Festungen etc. in guten Stand gesetzt. Gegenüber dem Klerus ward 1747 das landesherrl. Placet für die pästl. Bullen und bischöfl. Erlasse eingeführt, die Vermehrung der geistlichen Güter verboten, sowie viele Wallfahrten und Feiertage abgeschafft. Doch willigte M. erst auf Andrängen Josephs II. und des Staatskanzlers Kaunitz 1773 in die Aufhebung des Jesuitenordens. Das Unterrichtswesen wurde verbessert und unter die Aufsicht des Staats gestellt und die Volksschule begründet. Akademien, Schulen, Waisenhäuser und Spitäler wurden begründet. Auch die Rechtspflege wurde verbessert und 1753 eine Kommission bestellt, welche ein allgemeines Gesetzbuch entwerfen sollte, jedoch nur ein Kriminalrecht 1768 publizierte; auch erfolgte 1776 die Abschaffung der Folter. Ferner beseitigte die Kaiserin die Leibeigenschaft des Bauernstandes in den deutschen Provinzen und beschränkte die Frondienste; Ackerbau, Gewerbe und Handel nahmen einen großen Aufschwung. Sie starb 29. Nov. 1780, Joseph II., seit 1765 Kaiser, folgte ihr in der Regierung. Der zweite Sohn, Leopold (s. d.), erhielt das Großherzogtum Toscana, der dritte, Ferdinand (geb. 1754, gest. 1806), ward durch seine Heirat mit der Erbtochter des Hauses Este Herzog von Modena, und der vierte, Maximilian (s. d.) Franz Xaver (geb. 8. Dez. 1756, gest. 27. Juli 1801), war der letzte Kurfürst-Erzbischof -Maria I. (Königin von England) von Köln, außerdem Fürst-Bischof von Münster und Hochmeister des Deutschen Ordens. Von ihren sechs Töchtern war die älteste Abtissin zu Prag und Klagenfurt; die zweite, Marie Christine, der Mutter Liebling, mit Herzog Albert von Sachsen-Teschen vermählt; die dritte Abtissin zu Innsbruck; die vierte Gemahlin des Herzogs von Parma; die fünfte, Marie Antoinette (s. d.), mit dem König von Frankreich, und die sechste, Karoline Marie (s. d.), mit dem König von Neapel vermählt. (S. Habsburg.) Statuen von M. finden sich in Klagenfurt (von Pönninger), Wiener-Neustadt (von Hans Gasser), Wien (von Zumbusch). Vgl. Arneth, «Geschichte M. Theresiasv (Bd. 1—10, Wien 1863—79); Beer, «M. Theresia» (in Bd. 2 des «Neuen Plutarch», Lpz. 1875); 4Briefe der Kaiserin M. Theresia an ihre Kinder und Freunder(herausg. von Arneth, 4 Bde., Wien 1881).