Franz II., Erkönig beider Sicilien geb. 16. Jan. 1836, Sohn König Ferdinands II. und der Prinzessin Christine von Savoyen, erhielt eine äußerst einseitige Erziehung durch Fesuiten, blieb von allen Staatsgeschäften entfernt und wurde als unfähig seinen Halbbrüdern aus der zweiten Che 160 Franz de Asisi (König von Spanien! des Vaters mit der Erzherzogin Marie Therese nachgesetzt. Nachdem er sich 3. Febr. 1859 mit der Prinzessin Marie, der Tochter des Herzogs Max in Bayern, einer Schwester der Kaiserin Elisabeth von Osterreich, vermählt hatte, fiel ihm kurz darauf durch den Tod des Vaters (22. Mai) inmitten der schwierigsten äußern und innern Verhältnisse die Krone zu. 4½ Victor Emanuel von Sardinien machte ihm im Moment der Schlacht von Magenta den Antrag einer Allianz gegen Osterreich, den F. ablehnte. Während der Polizeidirektor Ajossa binnen wenigen Monaten an 5000 Verhaftungen vornehmen ließ und Verbannungen zu Hunderten erfolgten, wurde das Heer auf 120000 Mann erhöht und durch die von der Stiefmutter des Königs geleitete Camarilla der Plan entworfen, mit starker Macht der in Toscana vorbereiteten Reaktion Unterstützung zu leisten. Indes erhoben sich die Sicilianer, und das Erscheinen Garibaldis mit 1000 Mann im Mai 1860 verlieh dem Aufstande der Insel eine rasche Entwickelung. Schon zu Anfang Juni räumten 20000 Mann Neapolitaner infolge einer Kapitulation Sicilien; es blieb dem Könige nur noch die starke See-Citadelle von Messina. In dieser Lage rief F. die Intervention der Großmächte an, entließ 25. Juni seine bisherigen Ratgeber, stellte die konstitutionelle Verfassung von 1848 wieder her, gewährte eine vollständige Amnestie und versprach feierlich eine nationale Politik. Doch hatte dieser Systemwechsel keine Wirkung mehr. Die liberalen Minister, Romano an der Spitze, unterhandelten mit Garibaldi, der seit dem 21. Aug. auf das Festland übergesetzt war, und F. räumte 6. Sept. seine Hauptstadt Neapel, in welche am folgenden Tage Garibaldi unter dem Jubel des Volks einzog, obschon die festen Punkte noch von den Königlichen besetzt waren. F. zog sich nach dem stark befestigten Capua zurück, und seine Getreuen sammelten hier wieder einen Teil des Heers, das gegen die Scharen Garibaldis einige Vorteile erfocht, aber 1. Okt. eine Niederlage erlitt. Als sodann Victor Emanuel mit den Piemontesen erschien, ergab sich 2. Nov. Capua. F. wandte sich mit dem Reste seiner Streitmacht nach der Festung Gasta, welche die Piemontesen zunächst von der Landseite und, nachdem sich auf Englands Drängen die franz. Flotte entfernt hatte, seit 19. Jan. 1861 auch von der Seeseite einschlossen, worauf sie 13. Febr. 1861 kapitulieren mußte. Hierauf zog sich F. mit seiner Gemahlin und einigen Getreuen nach Rom zurück, wo er den ihm gehörenden Palast Farnese bezog und das Brigantentum in Unteritalien unterstützte, verweilt jedoch, seitdem Rom die Hauptstadt des Königreichs Italien geworden (1870), im Auslande.