FeedMaria von Mediei
GeschichteBrockhaus 1882

Maria von Mediei, Königin von Frankreich, die Tochter des Großherzogs Franz II. Medici von Toscana und der Großherzogin Johanna von Osterreich, geb. 26. April 1573 zu Florenz, vermählte sich 16. Dez. 1600 mit König Heinrich IV. von Frankreich, geriet aber bald mit dem immer in Liebeshändel verstrickten Gemahl, dem sie im Sept. 1601 den Dauphin Ludwig (XIII.) gebar, in Konflikte, die mehrmals zur Scheidung zu führen drohten. Besonders war dem König der Einfluß verhaßt, den auf die Königin die Kammerfrau, Leonora Galigai, und deren Mann, Concini, die ihr aus Florenz gefolgt waren, ausübten. Aus Furcht vor der Scheidung drang M. auf die von Heinrich immer verschobene Krönung. Die Feierlichkeit fand 13. Mai 1610 statt; am folgenden Tage wurde der König von Ravaillac ermordet. Die Königin riß sogleich mit Hilfe des Herzogs von Epernon die Vormundschaft an sich und kehrte zur Freundschaft mit Spanien und der kath. Politik zurück. Sully, Jeannin und andere ausgezeichnete Räte Heinrichs IV. erhielten den Abschied; Concini, der zum Marschall und Marquis d'Ancre (s. d.) erhoben wurde, bemächtigte sich der Staatsgewalt. Ein jugendlicher Günstling des jungen Königs, de Luynes (s. d.), führte endlich den Sturz des bei der Aristokratie allgemein verhaßten Fremden herbei. Concini wurde 14. April 1617 niedergeschossen, seine Frau als Hexe hingerichtet und die Königin-Mutter im Luxembourg in einer Art von Gewahrsam gehalten. Nach einiger Zeit erhielt letztere von ihrem Sohne die Erlaubnis, auf dem Schlosse Blois unter Aufsicht zu leben, von wo sie aber in der Nacht vom 22. Febr. 1619 entfloh. Sie wendete sich nach Angoulême und sammelte viele mißvergnügte Edelleute um sich. Der Sohn rückte jetzt gegen die Mutter ins Feld und zwang sie zur Unterwerfung. Nach dem Tode de Luynes', 14. Dez. 1621, kehrte sie nach Paris zurück und trat nominell wieder an die Spitze des Staatsrats, ohne doch ihren frühern Einfluß zu behaupten. Angeklagt, ihren jüngern Sohn, den Herzog Gaston von Orléans (s. d.), auf den Thron bringen zu wollen, wurde sie Febr. 1630 wieder zu Compiégne gefangen gehalten, entkam aber im Juli nach Brüssel. Der Einfall Gastons nach Frankreich veranlaßte Richelieu, M. auch aus den Niederlanden zu vertreiben. Von da ging sie 1638 nach England und im Okt. 1641 nach Köln, wo sie 3. Juli 1642 starb. M. liebte die schönen Künste, ließ zu Paris den Palast Luxembourg nach dem Plane des Palastes Pitti zu Florenz aufführen und veranlaßte den Bau vieler anderer Baudenkmäler. Vgl. D'Estrées, Mémoires d'état sous la régence de M. de Mediciso (Par. 1666); Pontchartrain, „(Mémoires concernant les affaires de France sous la régence de M. de Mediciso (2 Bde., Haag 1720); Histoire de la mère et du filso (2 Bde., Amsterd. 1730, dem Namen nach von Mezeray verfaßt, wahrscheinlich aber von Richelien geschrieben); Frau von Arconville, Vie de M. de Mediciso (3 Bde., Par. 1774); Miß Pardoe, «The life of M. de Mediciso (2. Aufl., 3 Bde., Lond. 1851).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 447Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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