FeedMaria Luise (Josephine)
GeschichteBrockhaus 1882

Maria Luise (Josephine), Königin von Etrurien, Tochter Karls IV. von Spanien, geb. 6. Juli 1782 zu Madrid, wurde in dem Alter von 13 J. mit dem Infanten Ludwig von Bourbon, ältestem Sohn des Herzogs Ferdinand von Parma, vermählt. Sie blieb jedoch in Spanien und gebar 22. Dez. 1799 den Infanten Ludwig Ferdinand Karl von Bourbon, der später als Herzog von Lucca den Namen Karl II. (s. d.) führte. Zufolge eines Vertrags zwischen Spanien und Frankreich vom J. 1801 wurde beschlossen, daß der Gemahl der Prinzessin unter dem Titel eines Königs von Etrurien (s. d.) Toscana für sich und seine Erben in Besitz nehmen, Parma dagegen nach dem Tode des Herzogs Ferdinand an Frankreich fallen sollte (was auch 1802 geschah). Das Königspaar hielt 12. Aug. 1801 zu Florenz seinen Einzug. Nachdem ihr Gemahl 27. Mai 1803 zu Florenz gestorben war, übernahm sie für ihren Sohn die Regierung. Sie suchte ihre Unterthanen durch ein mildes Regiment zu gewinnen, als ihr plötzlich 23. Nov. 1807 der franz. Gesandte anzeigte, daß der span. Hof Etrurien an Frankreich cediert habe. Nachdem sie vergeblich ihre Rechte geltend gemacht, ging sie nach Spanien, lebte dann unter franz. Überwachung in Fontainebleau, hierauf in Compiegne und endlich bis 1814 in einem Nonnenkloster zu Rom. Nach dem Sturze Napoleons I. erhielt ihr Sohn als Entschädigung Lucca (s. d.) mit der Anwartschaft auf Parma, welches der Gemahlin Napoleons I. auf Lebenszeit zugesprochen wurde. Die Königin führte nun einige Jahre die Regierung, bis ihr Sohn seine Herrschaft selbst antrat. Sie starb zu Lucca 13. März 1824 und hinterließ interessante Memoiren, die Lemierre d'Argy unter dem Titel „Mémoires de la reine d'Etrurie, écrits par ellemémer (Par. 1814) herausgab.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 447Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6