Marmorchronik, nach dem mutmaßlichen Fundorte auch Parischer und nach dem ersten Besitzer Arundelischer Marmorgenannt, lat. Marmora Paria oder Arundeliana, auch Oxoniensia, heißt die um 263 oder 262 v. Chr. verfertigte und im 17. Jahrh. zu Paros, nach andern zu Smyrna oder auf der Insel Zea wieder ausgegrabene Marmortafel, welche ein chronol. Verzeichnis der Hauptbegebenheiten Griechenlands, besonders Athens enthält und in unversehrtem Zustande einen Zeitraum von 1318 Jahren umfaßte, indem sie mit Cecrops (1582 v. Chr.) degann und mit 264 v. Chr. endigte. Von diesem Jahre zählt sie die Jahre rückwärts. Das in einem ziemlich unleserlichen Zustande erhaltene Bruchstück dieses Denkmals, welches bis 354 v. Chr. reicht, das einzige Originalwerk derart aus dem Altertume, wurde von dem engl. Grafen Thom. Arundel 1627 erkauft und zu London aufgestellt, von dessen Enkel aber, Henry Howard, 1667 der Universität Orford geschenkt, wo es sich noch gegenwärtig befindet. Seitdem haben mehrere Gelehrte, namentlich Selden, Humphrey Prideaux, Maittaire, Robertson und mit prachtvoller Ausstattung Chandler (Oxf. 1763), dasselbe bekannt gemacht. Den gelungensten Versuch, dasselbe gründlich zu erklären, machte Böckh im „Corpus inscriptionum Graecarumo (Bd. 2, Berl. 1843), wovon auch die Ausgabe von C. Müller im ersten Bande der Fragmenta historicorum Graecorumv abhängig ist. Eine neue Ausgabe hat Flach geliefert (Tüb. 1884).