Herödot, der älteste griech. Geschichtschreiber, gewöhnlich der Vater der Geschichte genannt, geb. zu Halikarnaß in Karien um 500 v. Chr., bildete sich, durch Rat und Beispiel eines Verwandten, des berühmten Epikers Panyasis, aufgemuntert, vorzüglich durch die Lektüre der griech. Dichter, vor allen des Homer, und scheint schon frühzeitig zu dem Entschlusse gekommen zu sein, nach dem Vorgange der Logographen (6 d.) ein geschichtliches Werk von größerm Umfange zu begründen und, unterstützt von dem Ansehen und Reichtum seiner Familie, für diesen Zweck die entlegensten Länder und Völker durch eigene Anschauung kennen zu lernen. Obgleich die Zeitfolge und Ausdehnung dieser Reisen von den Alten teils in dunkler, teils in widersprechender Weise erzählt wird, kann doch aus seiner eigenen Mitteilung als zuverlässig angenommen werden, daß er außer den von Griechen bewohnten Inseln und Küstenstrichen Kleinasiens die meisten der zum Persischen Reiche gehörigen Teile von Asien und Afrika durchwanderte, wo besonders Agypten ein Gegenstand seiner Aufmerksamkeit und Forschung wurde. Ferner ist sicher, n er nähere Kunde von Phönizien von Tyrus und Sidon sich verschaffte, daß er bis Babylon und Arderikka bei Susa und bis CEkbatana vordrang, ebenso daß er die Küstenländer des Schwarzen Meeres besuchte. Nach seiner 9. von diesen Wanderungen, die vor 454 v. Chr. erfolgte, beteiligte er sich an dem Sturze des Tyrannen Lygdamis in Halikarnaß und begab sich dann nach Samos, wo er das zusammengebrachte Material verarbeiten begann. Im J. 445 v. Chr. soll H., außer an andern Orten, auch in Athen aus seinem Geschichtswerke öffentlich vorgelesen haben. Hierauf begab er sich, vielleicht mit dem Kolonistenzuge 444 v. Chr., nach Thurii in Italien. Zweifelhaft ist, ob H. noch einmal längere Zeit in Athen sich aufgehalten und ob er in Athen oder in Thurii sein Werk (4Leroptie &detre o) bis zu der Gestalt, in der er es hinterließ, weiter geführt hat. Er starb wohl um 424 v. Chr. in Thurii. H.s Werk, welches erst Spätere in neun nach den neun Musen benannte Bücher eingeteilt haben, ist im ionischen Dialekt verfaßt. Es umfaßt einen Zeitraum von 320 Jahren bis zur Schlacht bei Mykale (479) und hat zur eigentlichen Aufgabe die Schilderung der Kämpfe der Griechen und Barbaren. der den Ler und Bonier näher oder ferner liegenden Länder und Völker sind in zahlreichen Cpisoden eingefügt. Die Darstellung ist einfach und von großer Anmut, die Treue und Genauigkeit der Angaben des H. ist von jeher anerkannt und bestätigt worden. Unter den zahlreichen Ausgaben sind hervorzuheben die von Schweighäuser (6 Bde., Straßb. u. Par. 1806), Bähr (4 Bde., Lpz. 1830 —35; 2. Aufl. 1855 — 61) und Stein (2 Bde., Berl. 1869 —71); unter den Bearbeitungen für den Hand⸗ und Schulgebrauch die von Krüger (5 Hefte, Berl. 1855 —57), Stein (5 Bde., Berl. 1856 — 63; 5. Aufl. 1883 fg.) und Abicht (5 Bde., Lpz. 1859—65; 4. Aufl. 1884 fg.); unter den deutschen Übertragungen die von Lange (2. Aufl., 2 Bde., Bresl. 1824), von Scholl und Köhler (3 Bde., Stuttg. 1855), von Bähr (9 Bdchn., Stuttg. 1860—64) und von Stein (2 Bde., Hamb. 1875). Wegen ihrer Kommentare sind die franz. Üübertragung von Larcher (7 Bde., Par. 1786) und insbesondere die englische von Rawlinson (4 Bde., Lond. 1858—60) zu nennen. Vgl. Dahlmann, 4H., aus seinem Buche sein Leben» (Altona 1823); Blum, (H. und Ktesias, die frühesten Geschichtsforscher des Orients » (Heidelb. 1836); Bobrik, «Geographie des H.» (Königsb. 1838, mit Atlas); Kirchhoff, über die Abfassungszeit des H.schen Geschichtswerks (Berl. 1868, und Nachtrag, 1872; 2. Aufl. 1878); Bauer, Die Entstehung des H.schen Geschichtswerkso (Wien 1878). Herden heißen in den Homerischen Gedichten vorzugsweise die Könige und Fürsten nebst ihren Söhnen und Begleitern, überhaupt alle Kämpfer und Männer der Vorzeit, welche sich durch Stärke. Mut, Verstand und Erfahrung auszeichneten. Bei Hesiod werden die Männer des in Kämpfen um Theben und Troja untergegangenen Menschengeschlechts, die nach ihrem Tode auf die Inseln der Seligen versetzt worden seien, selige H. genannt. In der Folgezeit bezeichnete man dann mit diesem Namen Gestalten der Sage, die entweder wegen ihrer Abstammung von Göttern oder wegen besonderer Verdienste um die hunmndar als einer der göttlichen ähnlichen Verehrung durch Opfer und Gebete würdig erachtet wurden. Solche H., namentlich die lokalen, welche von einzelnen Gemeinden oder Genossenschaften wie eine Art von Schutzheiligen verehrt wurden, sind nicht selten ursprünglich Götter gewesen, die aber im Waste Nationalbewußtsein auf die Stufe von Halbgöttern herabgesunken waren. Auch wirklichen Menschen, wie besonders den Gründern von Kolonien, wurde bisweilen nach ihrem Tode die Ehre des Heroenkults zuteil. Die Heiligtümer der H. unterschieden sich von den Tempeln der Götter in der Regel durch geringern Umfang und größere Einfachheit der künstlerischen 7214 och finden sich davon Ausnahmen. Dem Theseus, dem attischen Nationalheros, war z. B. in Athen ein schöner Tempel, das noch jetzt erhaltene Theseion, geweiht.