Marsala, Seestadt in der Provinz Trapani der ital. Insel Sicilien, 32 Km südlich von Trapani, etwas östlich von der Westspitze oder dem Kap Boco und nördlich von der Mündung des Flüßchens M., Station der Bahn Trapani-Palermo (Westsicilianische Eisenbahn), in einer fruchtbaren und gut angebauten Gegend gelegen, ist freundlich und ziemlich regelmäßig gebaut, ummauert, von einer langen, schönen Straße, dem Cassaro, durchschnitten und zählt 40 131 E., welche bedeutenden Handel mit Getreide und ol, mit Soda und in den Salzwerken der benachbarten Lagunen gewonnenem Salz, besonders aber mit dem in Val di Mazzara oder dem westlichsten Teile Siciliens, namentlich jedoch bei M. selbst angebauten Weine treiben. Der Marsalawein ist ein vortrefflicher trockener Bergwein, welcher hauptsächlich nach England, selbst nach Westindien ausgeführt wird, wo man ihn als Madeira verbraucht. Im Rathaus ist eine in der Nähe aufgefundene, sehr schöne antike Marmorgruppe aufgestellt: zwei Löwen, die einen Stier zerreißen. M. nimmt einen Teil der alten Stadt Lilybäum (s. d.) ein. Dieselbe war in dem ersten Punischen Kriege das Hauptbollwerk der Karthager in Sicilien, im 5. und 6. Jahrh. das der Vandalen und wegen ihres trefflichen Hafens berühmt, der aber jetzt nur leichte Fahrzeuge birgt, seitdem er unter Karl V. aus Besorgnis vor der türk. Flotte und den Seeräubern verschüttet worden. Ihre jetzige Gestalt verdankt die Stadt den Sarazenen, welche dieselbe im 9. Jahrh. einnahmen und Mersa⸗ Ali (d. h. Alis Hafen) nannten, und den Normannen, von welchen jene im 11. Jahrh. vertrieben wurden. In neuester Zeit ist M. historisch denkwürdig geworden durch die daselbst 11. Mai 1860 erfolgte Landung Garibaldis und seiner Freiwilligen.