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ErdkundeBrockhaus 1882

Morges, deutsch Morsee, Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks (105 qkm, 44261 E.) des schweiz. Kantons Waadt, liegt 380 m über dem Meere, 10½ km westlich von Lausanne bei der Mündung des Flüßchens M. in den Genfersee, an der Linie Genf-Lausanne der Schweizerischen Westbahn und zählt (1880) 3592 meist reform. C., deren Haupterwerbsquelle neben Kleingewerbe, Feld- und Weinbau der Handel ist. Der wohlhabende, regelmäßig gebaute Ort besitzt ein altes Schloß, einst Sitz der bernischen Landvögte, jetzt Zeughaus, eine reform. und eine kath. Kirche, ein Collége, ein Rathaus, ein Casino mit Bibliothek und Naturalienkabinett und einen großen Hafen für die lebhafte Dampfer- und Segelschiffahrt des Sees. Die Umgebung mit zahlreichen, schmucken Dörfern, Schlössern und Landhäusern, Wäldchen und Baumgruppen übersäet, gleicht einem großen Park und bietet schöne Aussicht auf den See, die Berge des Chablais und den Montblanc. Der bemerkenswerteste Punkt ist das uralte Schloß Vufflens, das sich 2 Km oberhalb der Stadt auf der rechten Seite der Morgesschlucht erhebt. Obwohl die bei M. im See aufgefundenen Pfahlbauten eine sehr frühe Besiedelung dieser Gegend beweisen, wird doch die Stadt erst 1289 urkundlich erwähnt. Während der savoyischen Herrschaft war M. eine der vier privilegierten cguten Städte der Waadt; 1536 kam es an Bern, bei dem es blieb, bis durch den Einfall der Franzosen 1798 und die Mediation 1803 die Waadt von Bern abgetrennt und zum selbständigen Kanton gemacht wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 869Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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