FeedMarsfeld
ErdkundeBrockhaus 1882

Marsfeld, Campus Martius oder auch bloß Campus, hieß in Rom ursprünglich die weite Ebene, welche sich von den Abhängen des Pincius, Quirinalis und Capitolinus gegen den Tiber erstreckt, und auf welcher der größte Teil des modernen Rom liegt. Die Sage berichtet, daß das Feld im Besitz der Tarquinier gewesen und nach deren Vertreibung dem Mars geweiht worden sei. Ein Altar dieses Gottes befand sich im südl. Teile des Feldes, nicht weit vom Fuße des Quirinals und Kapitols; in der Nähe war die eingehegte Stätte (Saepta) für Wahlversammlungen (Comitia centuriata und tributa), ferner die Villa publica, welche für die bei den Comitien funktionierenden Magistrate, wie auch zur Aufnahme fremder Gesandten bestimmt war. Das M. wurde in seiner ganzen Länge durchschnitten von der Via Flaminia, deren ziemlich genau von N. nach S. gehendem Laufe die Hauptstraße des modernen Rom, Via del Corso, folgt. Sie war angelegt von dem Censor C. Flaminius: ebenderselbe erbaute im südl. Teile des M. den nach ihm benannten Cirkus (220 v. Chr.). Der größere nördl. Teil des M. blieb während der republikanischen Zeit unbebaut und diente für gymnastische und kriegerische Übungen. Am Ende der Republik begannen die Monumentalbauten im Gebiete des M.: Pompejus erbaute (beim jetzigen Campo di Fiore) sein prächtiges Theater; Cäsar führte für die Comitien marmorne Hallen auf -Reste parallel dem Corso, von Piazza Venezia bis Piazza Sant' Ignazio). Die Erweiterungen und Verschönerungen der Stadt unter Augustus betrafen vor allem das M., welches nach der Stadteinteilung dieses Kaisers die VII. und IX. Region (Via lata und Circus Flaminius) ausmacht. In dieser Epoche erbaute M. Agrippa die ersten öffentlichen Thermen, das Pantheon (Sta.⸗Maria Rotonda); Augustus weiter nördlich sein Mausoleum (bei der jetzigen Ripetta); Statilius Taurus das erste steinerne Amphitheater in Rom, welches im Neronischen Brande zu Grunde ging (Reste unter dem Palast von Monte-Citorio); Cornelius Balbus ein Theater unweit des schon genannten des Pompejus und des noch zum großen Teil erhaltenen, welches Augustus (13 v. Chr.) dem Andenken seines Schwestersohnes Marcellus weihte. Ein ausgedehntes System von Säulenhallen (Porticus), die meist mit Kunstwerken geschmückt, zum Teil mit Gartenanlagen verbunden waren, vermittelte die Kommunikation zwischen den einzelnen Prachtbauten. Auch den spätern Kaisern verdankt das M. eine große Anzahl von Monumentalbauten. So errichtete Nero hier prachtvolle Thermen neben denen des Agrippa, Domitian einen Tempel der Minerva Chalcidica (bei Santa-Maria sopra Minerva) und ein Stadium (an der Stelle jetzt Piazza Navona); Hadrian einen Tempel des Neptun (Reste auf Piazza di Pietra); Marc Aurel die noch heute stehende Säule zum Andenken an die Besiegung der Markomannen. Während so allmählich die ganze Ebene zwischen Via Flaminia und Tiber bebaut, und der freie Raum des Campus auf ein enges Gebiet beschränkt wurde, blieb die östlich der Via Flaminia, nach den Hügelabhängen zu gelegene Strecke von Privathäusern und Gärten eingenommen und an öffentlichen Bauten ärmer. Den Namen Campo Marzo führt der vierte unter den mittelalterlichen (seit 13. Jahrh.) und modernen Rioni von Rom. Er erstreckt sich von den Abhängen des Pincio bis zur westl. Ausbiegung des Tiber bei Piazza Borghese, umfaßt also nur den nördlichsten Teil des antiken M. Vgl. Piranesi, II campo Marzo dell' antica Romas (Rom 1762); Platner und Bunsen, „Beschreibung Romso (Bd. 3, Abteil. 3, Stuttg. 1842).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 487Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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