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Recht & StaatBrockhaus 1882

Forum hieß bei den Römern ein für den Marktverkehr, die Haltung der Gerichte und die Versammlung des Volks bestimmter freier Platz, der Markt. In Rom, wo dergleichen Markt- und Gerichtsplätze in größerer Anzahl als anderswo voranden waren, unterschied man zwischen Gerichtsoren (kora civilia) und Marktforen (fora venalia). Das ursprüngliche F. zu Rom in der Gegend, die jetzt den Namen Campo vaccino führt, das Forum Romanum, ist eine künstlich geebnete Vertiefung in der Mitte der Stadt, von länglich viereckiger Form, die sich von Nordwesten nach Südosten von dem Fuße des Capitolinischen Hügels nach der Höhe des Titusbogens, der Velia, in einer Länge von 210 meerstreckt; die Breite am westl. Ende wurde 1 63 m, die am östlichen zu 36 m gemessen, obschon iese Breitenannahmen nicht hinreichend begründet sind, zumal da die Gebäude der Nordseite noch begraben liegen. Gewiß ist, daß die Breitenausdehnung bedeutend geringer war als die Länge. Nachdem die sumpfige Gegend des ältesten römischen F. allmählich zugeschüttet worden, legte der fünfte König Roms, Tarquinius Priscus, zur völligen Entwässerung des Platzes die Cloaca maxima an, welche auf dem F. noch jetzt an der südöstl. Seite der Basilica Julia sichtbar ist. Der innere Teil des F., der eigentliche Platz, wurde von allen Seiten durch Straßen, die man der Natur des Terrains zufolge von dieser Vertiefung nicht ausschließen konnte, begrenzt (die Sacra Via, welche, von der Höhe der Velia kommend, durch den Fabierbogen in das eigentliche F. einmündete, den Vicus Iugarius, auch Sub veteribus genannt, und den auf die Höhe des Capitols hinaufführenden Clivus Capitolinus). Der Länge nach zerfiel das F. in zwei Hälften: das für Gerichtsverhandlungen bestimmte, von Tempeln und öffentlichen Gebäuden umgebene Comitium (der nordöstl. Teil) und das F. im engern Sinne für den Handelsverkehr und die Volksversammlungen. Dasselbe war von steinernen Hallen umgeben; hinter denselben lagen Buden oder Verkaufsläden (Tabernae), aus denen schon frühzeitig die gemeinern Gewerbe, wie die Fleischer, vertrieben wurden, um den vornehmern, besonders den Argentarii (Geldwechslern) Platz zu machen. Seit der Besiegung Macedoniens wurden allmählich jene Hallen und Läden durch prächtige, für den Verkehr wie für Gerichtsverhandlungen bestimmte Gebäude, die sog. Basiliken ersetzt, welche zunächst die Längenseiten des F. einnahmen: die älteste war die 184 v. Chr. erbaute Basilica Porcia, später entstanden die Basilica Opimia, Fulvia, zuletzt die Aemilia und Julia, welche an die Stelle älterer Basiliken traten. Die Fora, auf denen dann der Verkauf von Lebensmitteln stattfand, tragen bezeichnende Zunamen, so das Forum boarium am Tiber, das Forum suarium, piscatorium, olitorium etc. Auf dem Comitium wie auf dem F. fanden Denkmäler mannigfacher Art ihre Stätte; so stand auf dem letztern die Columna Rostrata des Duilius. An das Comitium, auf welchem sich das Tribunal des Prätor Urbanus befand, stieß die Hostilische Kurie, der regelmäßige Versammlungsort des Senats; an der nordwestl. Seite des F. lag bei dem Clivus Capitolinus der Tempel der Concordia, dann weiterhin der des Saturn mit der Schatzkammer (aerarium) und dem Archiv (tabularium) des Staats; auf der nördl. Seite standen vor der Basilica argentaria drei Durchgangsgebäude, Jani, deren mittleres (Janus medius) als der Ort, wo die meisten Geldgeschäfte gemacht wurden, sich etwa als die röm. Börse bezeichnen läßt. Die ungefähre Grenze zwischen F. und Comitium wurde in älterer Zeit durch die Rostra, die Rednerbühne, gebildet, welche ursprünglich nahe an der alten Kurie auf dem Comitium stand; später indessen wurde sie nach dem obern Ende des F. verlegt. Seit Julius Cäsar und Augustus verlor das Forum Romanum die Bedeutung, die es in der republikanischen Zeit als Mittelpunkt des röm. Staatslebens gehabt hatte; aber auf seine Verschönerung durch angrenzende Gebäude, wie die Basilica Julia, und durch Denkmäler, deren letztes die vom Exarchen Smaragdus dem Kaiser Phokas 608 n. Chr. errichtete, noch erhaltene Säule, war man fortwährend bedacht. Mit weit größerer Pracht waren aber diejenigen Fora ausgestattet, welche seit Julius Cäsar von mehrern Kaisern aufgeführt und namentlich zu Gerichtsstätten bestimmt wurden. Bei diesen kam es nicht auf den freien Platz, der wohl auch ganz fehlen konnte, sondern auf die Gebäude (Tempel, welche den Mittelpunkt der ganzen, rings von Mauern umschlossenen Anlage bildeten, Basiliken, Hallen) an, und durch das F. des Julius Cäsar, des Augustus, des Nerva, das, weil es als Durchgang diente, auch Transitorium genannt wurde, und das mit der berühmten Säule geschmückte F. des Trajan entstand allmählich nördlich vom alten F. eine Reihe der prachtvollsten Bauwerke. Auch mehrere Ortschaften führen den Namen F., durch den die Gerichtsbarkeit und Marktgerechtigkeit angedeutet wird und dem gewöhnlich der Name eines Römers oder ein anderer, näher bezeichnender Zusatz hinzugefügt ist, so z. B. Forum Appii in den Pontinischen Sümpfen an der Via Appia; Forum Flaminii in Umbrien an der Via Flaminia; Forum Hadriani bei den Batavern (jetzt Voorburg); Forum Julii, das heutige Frejus bei Marseille und ebenso das heutige Friaul; Forum Livii, das eutige Forli; Forum Sempronii in Umbrien (jetzt Fossombrone). Mehrere Orte führen den Namen Forum novum, andere den Zunamen der Völkerschaft, in deren Gebiete sie liegen, wie Forum Bibalorum in Spanien, Gallorum zwischen Mutina und Bononia, Segusianorum in Gallien. Vgl. Nibby, Del Foro romano (Rom 1819); Canina, Descrizione storica del Foro romanov (Rom 1835); Nibby, 4Roma nell' anno 18385 (Bd. 2, Rom 1839); Tocco, «Ripristinazione del Foro romano (Rom 1858); Reber, «Die Ruinen Romsv (Lpz. 1863); Parker, KThe Forum Romanumo (Lond. 1876); Jordan, «Capitol, F. und Sacra via in Rom » (Berl. 1881). „Forum bezeichnet in der neuern Rechtssprache die Justizstelle, der die Behandlung einer bestimmten Rechtssache zukommt. (S. Gerichtssta nd.) „Forzando, Forzato, Sforzato (abgek. sf.; ital.), Vortragsbezeichnung in der Musik, bedeutet: mit verstärkter Kraft.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 37Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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