FeedMaulwurf
TierreichBrockhaus 1882

Maulwurf (Talpa) ist der Name einer zu den Insektenfressern gehörenden Säugetiergattung mit eigentümlichem Gebiß, einem knorpeligen, beweglichen Rüssel und sehr niedrigen fünfzehigen Beinen, von denen die vordern Grabfüße sind. Der gemeine Maulwurf (Talpa Europaea, s. Tafel: Insektenfresser, Fig. 8u. Y, welcher über Europa und Asien verhreitet ist, hat einen sehr weichen blauschwarzen, selten erbsengelben oder ganz weißen Pelz und fleischrote Pfoten. Er lebt unter der Erde, wo er sich eine komplizierte Wohnung (Tafel: Insektenfresser, Fig. 10) und verschiedene Gänge zu seinen Jagden gräbt, nährt sich von Insekten und deren Larven, vorzüglich von Regenwürmern und Engerlingen, und kommt nur in den Sommermonaten des Nachts, selten bei Tage auf die Erdoberfläche nach Nahrung, wo er dann Schnecken und Käfer frißt, aber auch auf Mäuse und selbst kleine Vögel Jagd macht. Im Winter senkt er seine Gänge bis in frostfreie Tiefen, wo Insekten und Würmer Schutz gesucht haben; er hält keinen Winterschlaf. Irrigerweise behauptete man sonst, der M. sei blind. Allerdings sind seine Augen sehr klein, besitzen aber ein starkes Sehvermögen und können durch besondere Muskeln hervorgetrieben oder so zurückgezogen werden, daß die dichte Behaarung sie völlig verbirgt. Durch die Erdhaufen, welche er aufstößt, wird er dem Gartenbau schädlich, ist aber sonst durch seine Vertilgung zahlloser schädlicher Insektens ehr nützlich. Ahnliche Gattungen, zum Teil mit mehrern Arten, sind die Goldmaulwürfe (Chrysochloris) im südl. Afrika, die Sternmaulwürfe (Condylura) mit langem Schwanz und gelappter Endscheibe des Rüssels, und die Wassermaulwürfe (Scalops) in Nordamerika.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 531Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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