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TierreichBrockhaus 1882

Condor (Sarcorhamphus Gryphus) ist der Name des größten Geiervogels, über den die ältern Reisebeschreiber Südamerikas viel Fabelhaftes berichtet haben. Er gehört zur Gattung Kammgeier (Sarcorhamphus), welche sich durch dicke, verschiedentlich eingeschnittene Fleischlappen auf dem Schnabel und an dessen Seiten, durch die durchbrochene Nasenscheidewand und die starken, hohen Füße mit langen, schlaff gesäumten Zehen von den gewöhnlichen Geiern unterscheidet. Der C. bewohnt die Höhen der Cordilleren von Magelhaensland bis jenseit Quito. Auf den 4—5000 mehohen Kämmen, wo der Mensch von dem verminderten Luftdrucke zu leiden hat und mühsam atmet, schwingt er sich mit der größten Leichtigkeit noch mehrere tausend Meter empor, und mit gleicher Leichtigkeit und Schnelligkeit senkt er sich auch in die Ebene hinab. Sein Flug ist ungemein schnell und, wie es scheint, anstrengungslos, da man an den weit ausgespannten Flügeln keine Bewegung wahrnimmt. Gewaltig ist seine Stärke, und seine Lebenszähigkeit erstaunlich. Er nährt sich vorzugsweise von Aas, fällt aber.auch kleinere Säugetiere, wie Schafe und Ziegen, an. Mit den Geiern hat er die Gier gemein, sich übermäßig vollzufressen, sodaß er nicht aufzufliegen vermag, und in diesem Zustande ist er leicht zu erlegen. Seine Körperlänge beträgt Im, von einer Flügelspitze zur andern 6m. Die allgemeine Farbe des C. ist schwarz, hin und wieder mit leichtem grauen Anfluge. Nur die größern Flügeldeckfedern sind weiß, an der äußersten Spitze und am Grunde aber ebenfalls schwarz. Den ungemein „Diwens und sonst nackten Hals umgibt eine weiße Dunenkrause. Ein Nest scheint der C. nicht zu bauen, sonmißt, sind unter K aufzusuchen. dern auf Felsenvorsprüngen zu brüten. Seine Eier sind schmutzig-weiß, ungefleckt und über 7 em lang.. Mit dem E. ist zuweilen eine andere Art der Gattung Kammgeier, der Königs geier (S. Papa), verwechselt worden, welcher in der Mythologie der t Azteken eine Rolle spielt. Dieser ist aber bedeutend t kleiner und durch seine bunte Drantcen leicht zu unterscheiden. Sein Gefieder ist fahlgelb, ins Weißliche ziehend; nur die großen Deckfedern, die Schwung- und Steuerfedern sind glänzend schwarz. Die nackte Haut des Kopfes und Halses spielt in einer Midie 20 von Scharlach, Dunkelgelb und Violett, über die Wachshaut des Schnabels hängt ein orangeroter Kamm herab. Dieser Vogel bewohnt nur die niedrigen, mit Wald unterbrochenen Ebenen Südamerikas und Mexikos.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 554Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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