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HeilkundeBrockhaus 1882

Maurokordatos, berühmte Fanariotenfamilie: Alexander M. (geb. 1636, gest. 1709) studierte in Rom und Padua Medizin, schrieb dann das Werk Pneumaticum circulandi sanguinis instrumentumo (Bonn 1664; neue Aufl., Lpz. 1870), war Leibarzt des türk. Sultans und 1681 erster Dragoman der Pforte, in welcher Stellung er sich um die Griechen sehr verdient machte. So sicherte er unter anderm der griech. Kirche ihre Ansprüche auf das Heilige Grab gegen die Anforderungen der Lateiner. Auch zeigte er sich in Wien und bei der Friedensverhandlung zu Karlowitz 1699 als gewandten Diplomaten, sodaß ihn der Deutsche Kaiser in den Grafenstand erhob. Sein Sohn, Johann Nikolaus M., gleichfalls Pfortendolmetscher, wurde 1709 Hospodar der Moldau, 1716 der Walachei, wo er 1730 starb. Dessen ältester Sohn, Konstantin M., war erster Hospodar der Walachei 1735—61, wo er einen Civilcodex einführte. Ein Bruder des vorigen, Alexander M., war gleichfalls Hospodar, ward aber infolge von Serailintriguen gezwungen, 1787 nach Rußland zu flüchten, wo er von der Kaiserin Katharina II. den Prinzentitel erhielt. Dessen Enkel, Alexander M., geb. 15. Febr. 1791 zu Konstantinopel, folgte früh seinem Oheim, dem Hospodar Karadscha, als dessen Minister nach der Walachei und später ins Ausland. Er ging 1821 nach Griechenland zurück und wirkte sowohl im Felde wie in der Nationalversammlung und Regierung kräftig; als Präsident der ersten griech. Nationalversammlung (Epidauros 1822) veröffentlichte er das Manifest der griech. Unabhängigkeitserklärung und ward kurz darauf Präsident der Regierung. Namentlich errang er in Nordwestgrie-Wuonr große Erfolge, leitete die Verteidigung Missolunghis während der ersten Belagerung erfolgreich und durchhrach bei der Verteidigung von Sfakteria (1825) auf einem kleinen Kriegsboote die Blockade der vereinigten ägypt. Flotte. M. galt als der hervorragendste Führer der bürgerlichen Primaten, welche als Vertreter moderner Ansichten über Staatseinrichtungen und Kriegführung, reguläres Heerwesen u. s. w. den Palikarenhäuptlingen und Kolokotronis (s. d.) gegenüberstanden. Während der Präsidentschaft des Grafen Kapodistrias gehörte M. der Opposition als deren bedeutendster Führer an. Unter der Regierung des Königs Otto war er mehrmals Minister, auch Gesandter an den Höfen zu München, Berlin, London, Konstantinopel und zuletzt in Paris (1850—54). Als während des Orientkriegs die Westmächte den Piräus occupierten, wurde er nach Athen zurückgesinntes Ministerium, welches aber schon na Jahresfrist im Okt. 1855 zurücktreten mußte. M. ward noch nach König Ottos Sturze in die Nationalversammlung von 1862 gewählt und starb, vorher erblindet, 18. Aug. 1865 zu Agina.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 536Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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