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GeschichteBrockhaus 1882

Ghika, ein aus Albanien stammendes Fürstengeschlecht, das der Moldau und Walachei viele re⸗ — Fürsten und Staatsmänner gegeben hat. er Ahnherr desselben, Georg G., stammte aus Köprili in Albanien und wurde urch seinen Landsmann, den er Motda Mehemed Köprili, 1658 auf den Thron der Moldau berufen, den er 1660 mit dem der Walachei vertauschte. Doch ward er bereits 1661 abgesetzt. Ihm folgte in der Walachei sein Sohn Gregor I., der 1661-65 und 1672—73 regierte und sich um das erschöpfte Land große Verdienste erwarb. Als er sich 1665 in einen diplomatischen Sendung zu Wien aufhielt, wurde er von Kaiser Leopold I. in den Fürstenstand des Deutschen Reichs Water Gregors einziger Sohn, Matthias, war der Vater des Fürsten Alexander I. und Gregor II., welche Stifter zweier Linien des Hauses wurden. Letzterer, Gregor II., war 1733 —34 Fürst in der Moldau, 1734—36 in der Walachei, dann 1736—46 abermals in der Moldau und 1748—52 wiederum in der Walachei. Von seinen beiden Söhnen regierte Matthias G. 1753 —58 in der Moldau, Karl G. aber zweimal, 1758 —61 und 1765—66, in der Walachei. Letzterer hatte seinen Sohn, Alex an der G., 1766—68 zum Nachfolger. Fürst Gregor III. G., ein Sohn des obengenannten Alexander I., des Bruders Gregors II., regierte in der Walachei 1768—69 und in der Moldau 1774—77. Er zählt zu den berühmtesten seines Geschlechts, obgleich er durch Erdrachtehe aller Art große Reichtümer zusammenrachte; bei der Abtretung der Bukowina an Ssterreich hatte er aber eine zweideutige Rolle gespielt, und überhaupt lassen ihn die Dokumente aus dem wiener Staatsarchiv, die auf Veranlassung der rumän. Regierung seit 1876 in Bukarest werden, in einem ungünstigen Licht erscheinen. Gregor wurde 1777 hingerichtet. Gregor IV. G., ein Sohn des Demetrius und ein Enkel Alexanders I., war 1822—28 Fürst der Walachei, in welcher er besonders für Hebung des Ackerbaues wirkte. Er starb 1834 mit Hinterlassung von fünf Söhnen. Von denselben werden Konstantin G., geb. 1804, und Demetrius G., geb. 1816, in der neuern Geschichte der Walachei öfters genannt. Namentlich hat Demetrius G., als Präsident der konservativen Kammer unter dem Ministerium L. Catargi 1871—76, sowie als Senatspräsident unter dem Ministerium Bratiano (1883) sich Verdienste um eine ruhigere Gestaltung der innern Politik seines Landes erworben. Fürst Gregor fand 22. Sept. 1858 seinen Tod durch den Umsturz seines Wagens auf den Elyseischen Feldern zu Paris. „Fürst Alexander X. G., geb. 1. Mai 1795, ein Bruder Gregors IV., regierte 1834—42 in der Walachei. Da seine nationale Politik den Interessen Rußlands widerstrebte, mußte die Pforte zuletzt dem Andringen des Zaren Nikolaus nacheben: der Fürst Alexander ward 1842 seines mts entsetzt, und an dessen Stelle Georg Bibesco zum regierenden Fürsten ernannt. Fürst G. ging hierauf nach Wien, wo er bis 1853 lebte. Später kehrte er nach der Walachei zurück, deren Angelegenheiten er seit Juli 1856 bis zur Wahl Cusas (Jan. 1859) als Kaimakam leitete. Er starb im Jan. 1862 ohne männliche Nachkommen. Ein dritter Bruder, Fürst Michael G., geb. 28. Aug. 1792, ist der Vater von drei Söhnen (Matthias, Georg und Wladimir) und von drei Töchtern. Eine derselben, Helene, seit 1849 Gattin des Fürsten Kolzow-Massalsty, hat sich unter dem Pseudonym Gräfin Dora d'Istria (s. d.) als geistvolle Schriftstellerin einen europ. Ruf erworben. Ein vierter Bruder, Fürst Konstantin G., geb. 15. Dez. 1798, ist Vater des Fürsten Michael G. Fürst John G., ein Neffe dieser vier Brüder, geb. 1817 zu Bukarest, hat sih als Gegner Bibescos einen Namen erworben. Deshalb nach der Revolution von 1848 aus der Walachei verbannt, ging er nach der Türkei, wurde erst Statthalter, dann 1856 Fürst von Samos und Muschir, kehrte aber nach dem Regierungsantritt Cusas in sein Vaterland zurück, wo er seitdem verschiedene Ministerosten und höhere Staatsämter bekleidete. Er war einisterpräsident, als 22. März 1871 in Bukarest der Straßenauflauf gegen die deutsche Kolonie stattfand. John G. wurde damals beschuldigt, in zumebenr madr Interesse den Auflauf begünstigt u haben, und mußte auf Befehl des Fürsten Karl seine Entlassung geben, worauf das Ministerium L. Catargi an das Ruder kam. Indessen kam es bald wieder zu einer Aussöhnung und John G. wurde rumän. Gesandter in London. Fürst Alexander Gregor G., geb. 27. Aug. 1807, Sohn des Großlogotheten Alexander G., wurde 1849 bert Fürsten der Moldau ernannt, legte aber nach der Occupation des Landes durch die Russen 30. Okt. 1853 sein Amt nieder, bis er dasselbe nach dem Einmarsch der Österreicher 9. Nov. 1854 wieder übernahm. Nach Abschluß des Pariser Friedens (30. März 1856) gab er seine Entlassung, wandte 5 nach Frankreich und bezog das Schloß Mee bei Melun, wo er sich 26. Aug. 1857 durch einen Pistolenschuß tötete. Er Hantan. drei Söhne, von denen der älteste, Konstantin, Mitglied am Cassationshof zu Bukarest, sich 1874 ebenfalls selbst entleibte; der zweite, General Jean G., war diplomatischer Agent Rumäniens in Konstantinopel, dann in Petersburg, und starb 2. April (21. März) 1881. (S. Moldau und Walachei.) Über die Familie G. vgl. Dora d'Istria, Gli Albanesi in Rumenia. Storia dei principi 6G. nei secoli XVII, XVIILe XIXY (Flor. 1873). Furia (Helene), Schriftstellerin, s. Dora Istria. hilan oder Gilan, die westlichere der beiden Provinzen Persiens, welche am Südrand des Kaspischen Meers liegen; von der Küste bis zu dem südlich das Land begrenzenden Elbursgebirge hat es 30—70 km Breite; nach dem W. grenzt es mit dem in die Murdab-Bai oder die Enseli-Bai mündenden Flüßchen Tschapsera an das kleine Gouvernement Talisch, und nach O. mit dem Flüßchen Sefid Temisch-Surchän an Masen-Deran, von einem zum andern Flusse 200 km lang, 11012,6 àkm umfassend und etwa 150000 E. zählend. G. ist die fruchtbarste Provinz Persiens. Das halbkreisförmige, nur vom Querthale des Sefid-Rud unterbrochene Gebirge ist vom Kamm bis zur Küste mit dem dichtesten Walde bedeckt; ein gelber Streifen von Ufersand trennt das blaue Wasser vom grünen Walde. An den Gebirgswald schließt sich die ebenfalls waldige Küstenebene; auch die Reisfelder derselben tragen Maulbeerbäume, Feigen, Pfirsich, Birnen, Orangen und Rosenstämme. Der bedeutendste unter den zahlreichen Bergströmen ist der Sefid-Rud, d. h. Weißer gen im Oberlaufe Kysyl-Usen, d. h. Roter Fluß genannt; er kommt aus den kurdischen Bergen, nimmt von SW. den Schährud auf, und ist auf 150 km von seiner Mündung für kleine Fahrzeuge schiffbar. Das Klima ist ungewöhnlich feucht, im Sommer drückend, im Winter äußerst angenehm. G. zerfällt in fünf Distrikte, Hauptstadt ist Rescht. Die Ghilanis nennen sich selbst Gsilek, die in den Bergen nach ihren Distrikten Deilemi, Talischi u. s. w. Sie gehören zur iranischen Rasse, die Sprache ++.7 in vier Dialekte. Physisch steht das weibliche Geschlecht höher als das männliche: die Weiber sind weiß und von schöner orient. Bildung, die Männer von olivenfarbiger oder kupferiger Hautfärbung; die Kleidung aus blauem Leinen, an Festtagen aus Tuch, ist höchst einfach. Die Galyschen oder Gebirgshirten haben offenbar ven ältesten Typus aus den Zeiten der Arsaeciden bewahrt. Die zu verschiedenen Zeiten eingewanderten Kolonisten sind teils Kurden, durch Abbas I. hierher an den Schaf-Rud und an das rechte Ufer des Sefid-Rud versetzt, und Turkmenen aus Aserbeidschan, nach einer 1830 in Rescht zu Ende geangenen Epidemie ins Land geführt. Die Ghianis sind schiitischeRohammedaner. Im 16. Jahrh. kam das Land an Persien. Abbas I. legte die Rescht gute Chaussee quer durch den Wald nach escht und hob die Kommunikation nach Möglichkeit. Vgl. G. Melgunoff, «Das südl. Ufer des Kaspischen Meeresv (Petersb. 1868); B. Dorn, „Mohammed. Quellen zur Geschichte der südl. Küstenländer des Kaspischen eeresy (3 Bde., Petersb. 1850—58).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 13Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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