FeedMayer (Jul. Robert von)
HeilkundeBrockhaus 1882

Mayer (Jul. Robert von), namhafter Naturforscher, Urheber der emechan. Wärmetheoriey, geb. 25. Nov. 1814 zu Heilbronn, studierte in Tübingen Medizin und begab sich dann zu seiner weitern praktischen Ausbildung nach München und Paris. Im Febr. 1840 ging er von Rotterdam aus auf einem ostind. Kauffahrer als Schiffsarzt in See, blieb von Mitte Mai bis Ende September auf der Insel Java und studierte dort namentlich den wichtigen Einfluß, welchen das heiße Klima auf den menschlichen Organismus ausübt, wozu auch besonders die Wahrnehmung gehörte, daß das Venenblut bei Aderlässen eine dem arteriellen Blute ähnliche hellrote Färbung zeigt. Die Erkenntnis, daß wegen des in heißen Klimaten verminderten Bedürfnisses der organischen Wärmeerzeugung sich das arterielle Blut in den Capillaren weniger desoxydiere als in kälterer Umgebung, führte ihn zu der Theorie, daß nicht nur die animalische Wärme, sondern auch die vom Organismus hervorgebrachte Bewegung oder Arbeit auf Kosten eines Verbrennungsprozesses erfolge. Im Frühjahr 1841 nach Württemberg zurückgekehrt, erhielt er die Stellung eines Oberamtswundarztes zu Heilbronn, welche. er jedoch nach einigen Jahren wieder niederlegte. Im J. 1876 wurde er in den persönlichen Adelsstand erhoben; er starb 20. März 1878 zu Heilbronn. M. hatte sich die Aufgabe gestellt, die konstante Beziehung zwischen Arbeit und Wärme oder das emechan. Wärmeäquivalento zu bestimmen und dadurch eine Art von physik. Stöchiometrie zu begründen; er löste dieselbe durch die Berechnung der Wärmemenge, welche durch Gaskompression erzeugt wird, und legte die Resultate seiner Forschungen zunächst in Wöhler und Liebigs «Annalen der Chemie und Pharmaciev (Maiheft 1842), sodann in der Schrift „Die organische Bewegung in ihrem Zusammenhange mit dem Stoffwechselo (Heilbr. 1845) nieder. Den außerordentlich großen thermischen Effekt kosmisch bewegter Körper behandelte er in Beiträge zur Dynamik des Himmelsv (Heilbr. 1848), darauf folgte „Bemerkungen über das mechan. Aquivalent der Wärmer (Heilbr. 1851). Eine Gesamtausgabe seiner Schriften erschien als «Die Mechanik der Wärmer (Stuttg. 1867: 2. Aufl. 1874); der 1. Aufl. derselben folgten Naturwissenschaftliche Vorträger (Stuttg. 1871) und nach der 2. Aufl. kamen zwei Abhandlungen unter dem Titel «Die Torricellische Leere und über Auslösungo (Stuttg. 1876). M. ist der erste, welcher den früher nur vorgeahnten Grundsatz bestimmt und klar aussprach und bewies, daß nicht nur der Materie, sondern auch der lebendigen Kraft in ihren verschiedenen Formen, also der Bewegung, der Wärme, dem Licht und der Elektricität, die Eigenschaft quantitativer Unzerstörbarkeit zukomme; hierauf beruht der Satz von der Erhaltung der lebendigen Krafto oder Energie. (Vgl. Energie und Wärme.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 548Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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