Medina, arab. Medinat-Rasül-Alläh oder Medinat-el-Nabi, d. h. Stadt des Apostels Gottes, früher Nathrib genannt und schon von Ptolemäus als Lathrippa erwähnt, die zweite Hauptstadt von Hidschäz im westl. Arabien, mit einer Bevölkerung von 16000 E., ist berühmt als die zweite heilige Stadt der Moslem, durch Mohammeds Flucht dahin und dessen Tod daselbst. Sie liegt 400 Km nördlich von Mekka und 211 km östlich vom Seehafen Janbo-el-Bahr am Roten Meer, und zwar am Rande der großen arab. Wüste und dicht am Fuße der Hidschäzkette 975 m über dem Meere, in einer auf drei Seiten von Bergen umschlossenen, von Gießbächen wohlbewässerten, fruchtbaren Ebene und besteht aus der innern Stadt, mit crenelierten Türmen und vier Thoren in der Mauer, und den Vorstädten. Die innere Stadt, von ovaler Gestalt, endet gegen Nordwesten mit einem spitzen Winkel, in welchem auf einer Felserhöhung die feste Citadelle liegt, ist ringsum mit einer 11fm hohen starken Steinmauer umgeben und von 30 Türmen flankiert, und gilt als die Hauptfeste von Hidschäz und nächst Aleppo als eine der schönsten Städte des Orients, obschon sie gegenwärtig im Verfall. Die Hauptstraße geht von dem südlichen oder Kairothor (Babel-Masri), einem der schönsten des Orients, gegen Nordosten zu der Hauptmoschee, und von dieser läuft die zweitgrößte oder El-Belat zum nördl. oder syr. Thore (Bab-es-Schami). Nur in diesen beiden Straßen sind die Kaufläden. Die Häuser haben meist zwei Stockwerke, platte Dächer und sind ganz von Stein aufgebaut, wie auch mehrere Straßen mit großen Steinen gepflastert sind. Größere Bauwerke fehlen bis auf die große Hauptmoschee; dagegen hat M. viele schöne, von Gärten, Brunnen, Bewässerungen, Marmorbassins u. s. w. umgebene Privatwohnungen. Die Vorstädte im Westen und Süden nehmen größern Raum als die Centralstadt selbst ein, von welcher sie durch einen breiten Raum, den Monäch, getrennt sind, der stets von Kamelen, Beduinen, Hökern, Läden und Cafés und Menschengruppen besetzt ist. Von den vielen Moscheen, welche einst in der Vorstadt standen, sind nur noch zwei vorhanden, und als einziges großartiges Bauwerk befindet sich hier nur der im 16. Jahrh. angelegte unterirdische Kanal, welcher von dem 3,7 kmeim Süden gelegenen Dorfe Roba Wasser herleitet. Die Hauptmoschee El-Haram, d. h. die Unverletzbare (von keinem Ungläubigen Betretbare), auf der Stelle des Hauses erbaut, in welchem Mohammed starb, und dessen heilige Grabstätte umschließend, ist weit kleiner als das Beitullah oder Gotteshaus zu Mekka, obwohl im wesentlichen ganz nach demselben Plane 1502 mit einem innern Hofraume, umherlaufenden Kolonnaden und Mittelbau errichtet, 135 m lang und 107 m breit. Ihr Gewölbe wird von 400 Säulen getragen und 300 Lampen erleuchten sie Tag und Nacht. In ihrer Südostecke, die mit Marmorgetäfel, Mosaikboden und reichen Goldinschriften auf weißen Marmortafeln ornamentiert ist und durch hohe Fenster mit Glasmalereien ihr Licht empfängt, steht das Grab Mohammeds, mit einem eisernen, grün angestrichenen Filigrangitter umgeben, das hier und da mit goldenen Inschriften versehen und so dicht gearbeitet ist, daß man, einige offen gelassene Fenster abgerechnet, nicht in das Innere hineinsehen kann. An der Südseite des Grabmals, wo die Grillage mit Silber plattiert ist, werden die Gebete der Pilger gehalten. Die Erlaubnis zum Eintritt in diese Grillage oder El-Hedschra erhalten nur Paschas, Anführer der Hädsch und solche, die 12— 15 Doll. dafür zahlen; doch ist darin nichts als kostbare Vorhänge mit Stickereien zu sehen, die aus Konstantinopel geschickt werden. Diese Stoffe werden alle sechs Jahre gewechselt und die alten zurückgesendet, um als geweihte Grabdecken für die Leichen der Sultane und Prinzen zu dienen. Die Zeuge bedecken einen von zwei Säulen getragenen viereckigen Bau von schwarzen Steinen, in dessen Mitte der weiße Marmorsarg mit Mohammeds angeblich noch unversehrtem Leichnam und ihm zur Seite die Särge der Kalifen Abubekr und Omar und Fatimas, der Tochter Mohammeds, stehen. Ein fünfter Platz ist für Jesu Grab bereit, wenn er den Jüngsten Tag verkündet haben und gestorben sein wird, damit er bei der Auferstehung von hier in Gemeinschaft mit Mohammed zum Himmel auffahre, wo er die Gläubigen von den Ungläubigen scheiden wird. Das Betreten der Stadt ist den Christen durchaus verboten. M. hat wenig Handel, nur mit dem Hafenort Janbo (s. d.), welcher Getreide und andere Nahrungsmittel aus Ägypten einführt, werden bedeutendere Geschäfte gemacht. Das Haupteinkommen aber bieten die Moscheen, der Fremdenverkehr und die von der ganzen mohammed. Welt gespendeten Almosen. Der Scherif von Mekka gibt sich den Titel eines Herrn von M., ist es jedoch eigentlich nie gewesen. Vgl. Burton, PPersonal narrative of à pilgrimage to el Medinah and Meccahs (2 Bde., Lond. 1855); Wüstenfeld, Das Gebiet von M.y (Gött. 1873).