Dschidda oder Dschedda, Seestadt im türk.⸗ arab. Vilajet Hedschas, 95 km im Westen von Mekka, dessen Hafen sie ist. Die Stadt erstreckt sich am Rothen Meere hin, an welchem sie der wichtigste Platz ist, über Ikm weit am Rande einer völligen Wüste, hat breite, luftige, aber ungepflasterte Straßen mit hohen, gutgebauten, weiß übergipsten Häusern aus Korallen- oder Madreporstein und zahlreichen Minarets. Die Vorstädte bestehen nur aus elenden Beduinenhütten. Der Hafen wird von kleinen Korallenbänken erfüllt, und die Einfahrt durch seine drei Eingänge ist nicht ohne Gefahr. Die Stadt hat keine Acker, keine Gärten, keine eigenen Ausfuhrartikel, kein Quellwasser, sondern nur in Cisternen gesammeltes Regenwasser, aber offene und bedeckte Bazars, die zu den besten im Orient gehören. Vor den Mauern liegt das von den Mohammedanern hochverehrte sog. cGrab Evaso. Das Klima ist überaus schlecht; die Temperatur ist häufig 40° C., wenn der Samum weht 55; der von der Küste wehende Westwind ist der schädlichste. Die Ausdünstungen des Bodens sind ungesund. Die Bevölkerung, etwa 17000 (zur Pilgerzeit das Doppelte), besteht aus einem Gemisch von Abkömmlingen der verschiedensten orient. Völker. Die Her an oder Pilgerzüge nach Mekka sammeln sich ier aus allen Ländern der mohammed. Welt auf ihrem Hin- und Rückzug und machen ihre Geschäfte ab wie auf einer Börse. Jährlich kommen 50000 hier zu Schiffe an, 1880 sogar 62000 auf 96 Dampfern. Auch brit. und 118 Kaufleute und Konsuln befinden sich hier, und D. gilt für einen der reichsten Handelsplätze der Türkei. Die Stadt ist das eigentliche Handelsemporium Arabiens, der Brennpunkt des ganzen Handelsverkehrs zwischen diesem Lande und den gegenüberliegenden Küsten Afrikas. Man zählt 200 arab. und 250 ind. Großhändler. Auch nach Mozambique, Indien, China und den Malaiischen Inseln ist der Handel gerichtet. D. ist der große Markt für die Perlmutterschalen, die sich von Suez bis nach der Küste von Berbera finden, sowie für das D.⸗Gummi (Arabisches Gummi), das sich an allen afrik. Küstenplätzen von Suakin bis Berbera und Zeila vorfindet und bloß deshalb so heißt, weil es von D. über Agypten in den Handel kommt. Ausgeführt werden außerdem Perlen, Perlmutter, Pferde, weiße Esel, Salz, Sennesblätter, schwarze Korallen, Kaffee, Datteln, Mekkabalsam, ägypt. Baumwolle, Eisen⸗ und Thonwaren, Leder etc. Die Einfuhr bilden Korn, Reis, Butter, Ol, Tabak, Moschus, Gewürze, Räucherwerk, Teakholz, Kokosnüsse, Musselin, hawls und Kleider. Im J. 1880 liefen 328 Dampfer mit 295302 t und 1072 Segler mit 51035 t ein. D. steht seit 1840 unter der Herrschaft der Türkei. Am 15. Juni 1858 richteten hier die Mohammedaner ein Blutbad unter den Christen an, wobei der engl. Vizekonsul Page und der franz. Konsul Eveillard ermordet wurden. Infolge dessen ward 25. Juli die Stadt durch ein dreitägiges, 5. Aug. wiederholtes Bombardement von seiten des brit. Schiffes Cyclop gezüchtigt.