Fez, die Hauptstadt des Landes und zweite Residenz des Sultans, von Edris II. 806 gegründet, 195 km im SSO. von Tanger, 450 km im WSW. von Oran, in 552 m Höhe, in 34 620 nördl. Br., galt im Mittelalter, während dessen Verlauf sie nur mit einer Unterbrechung (unter den Edrisiden, Almoraviden und Almohaden) die Hauptstadt des marokkan. Reichs war, für eine der prächtigsten und größten in der ganzen mohammed. Welt und für die heiligste nächst Mekka. Sie oben gegen 90000 Häuser, 785 Moscheen, 472 Mühlen, 9082 Kaufbuden und war berühmt wegen ihrer Pracht-Dund. Schulen und wissenschaftlichen Anstalten. urch die Verlegung der Residenz der Herrscher des Reichs nach Marokko um die Mitte des 16. Jahrh. sank sie immer mehr herab, sodaß sie gegenwärtig nur noch ein Schatten ihrer alten Größe ist. Indes ist sie noch immer die bedeutendste Stadt des Kaisertums. In einer von hohen Bergen umschlossenen, fruchtbaren und gesunden, 25 km langen Thalebene, zwischen anmutigen, überreichen Blumen- und Fruchtgärten, Citronen- und Granatäpfelhainen gelegen, am Fuße des Gebl-Salah, wird sie von einem wasserreichen, durch mehr als 60 Quellen genährten Zufluß des 6 km entfernten Sebu oder Sbu, dort Fes genannt, dem Ued-el-Jubor oder Perlenfluß, welcher viele Mühlen treibt, in Alt⸗ und Neu-F. geteilt, die beide durch eine 2 Km lange Straße miteinander verbunden sind. Beide Teile sind von 10—13 mehohen Mauern mit vorspringenden viereckigen TFürmen umgeben. Die Straßen sind ohne Pflaster; die ganze Stadt ist verfallen und schmutzig und trägt ein sehr düsteres 6 in u Die neue oder Weiße Stadt (etwa 65000 E.) ist im 13. Jahrh. gegründet. F. zählt noch 100000 E. (meist Mauren und Araber, neben Berbern, gegen 10000 Juden, und Negern) und sehr zahlreiche Moscheen, von denen die des Mulei Edris, mit dem Grabmale desselben und großer Bibliothek von 5000 Manuskripten, genannt Dschama Karubin (Karwigin, d.i. Kairuan), die berühmteste und eine unverletzliche Freistatt ist. Auch sieben stark besuchte höhere öffentlich Schulen gibt es noch außer zahlreichen niedern und einer sog. Universität, sodaß die Stadt fortwährend eine bedeutende Stelle im wissenschaftlichen Leben der Mohammedaner einnimmt. Der alte Palast der Sultane ist groß, aber verfallen. Im übrigen gleicht F. mit seinen vielen Bädern, Karawanserais, Bazars und Garküchen im Äußern allen mohammed. Städten, und nur die Menge von Wirtshäusern und Kaufläden gibt ihr ein eigentümliches, mehr europ. Gepräge. F. treibt noch bedeutenden Karawanenhandel mit den südlich und östlich angrenzenden Ländern, selbst bis Timbuktu, und ist auch der Hauptsitz der marokkanischen, freilich wenig bedeutenden Industrie. Man fabriziert wollene Beduinenmäntel, Gürtel, Kanonenpulver, wollene Decken, Sättel, seidene Tücher, treffliches Leder zu Pantoffeln, Kissen u. s. w., die weltberühmt sind (leine aus Spanien mit zurückgebrachte Kunst), ferner rote, wollene Mützen, gutes Leinen, schöne Teppiche, grobes Geschmeide und schlechte Fayence. Mehrere Bäche führen der Stadt reichlich gutes Wasser zu. Die Stadt steht unter einem Pascha mit etwa 5000 Soldaten. ez oder Fes, eine bei den heutigen Türken, Griechen, Albanesen und andern Orientalen für Männer und Frauen gebräuchliche Kopfbedeckung aus rotem Wollzeug, eine Art eng anliegender schirmloser Mütze, gewöhnlich mit blauer seidener Quaste (die bei reicherer Kleidung durch eine silberne oder goldene ersetzt wird), nach der Stadt Fez in Marolko benannt, wo diese Mützen ursprünglich verfertigt wurden. Der hierzu verwendete Stoff wird durch Wirken aus Schafwollgarn, nachfolgendes Walken, Färben, Scheren und Rauhen (welche beiden letzten Operationen mittels Maschinen ausgeführt werden, die von den für die Tuchfabrikation üblichen bezüglich der Form und der Bewegungsmechanismen abweichen), durch Dämpfen und schließliches Pressen hergestellt. In der Türkei ist der F. statt des Turbans seit dem J. 1826 für Staatsbeamte sowie für die reguläre Armee vorgeschrieben. Die besten F. kommen jetzt aus Tunis, doch wird diese Ware auch in Deutschland, in Böhmen und Mähren, sowie in Frankreich und in der Schweiz als wichtiger Handelsartikel für den Export nach der Levante fabrikmäßig hergestellt. ö