FeedMegäris
ErdkundeBrockhaus 1882

Megäris, eine kleine Landschaft des mittlern Griechenland, die im N. durch einen Teil der Bergkette des Kithairon von Böotien, im O. durch die südl. Ausläufer desselben Gebirges von Attika getrennt, im W. von den Gewässern des innern Korinthischen oder Halkyonischen Meerbusens, im S. von denen des Saronischen Meerbusens bespült, im SW. durch den korinth. Isthmus wie durch eine breite Brücke mit dem Peloponnes verknüpft wird. Die dem Isthmus zunächst gelegene Strecke wurde aber frühzeitig durch die Korinther von M. losgerissen und unter dem Namen der Peräa dem korinth. Gebiete einverleibt. Die Landschaft wird in der Richtung von W. nach O. von einem bis zu 1370 m aufsteigenden, von den Alten Geraneia (jetzt Makryplagi und Paläovuno) genannten Gebirge durchzogen, das an einigen Stellen gegen S. schroff nach dem Saronischen Meerbusen abfällt und so einen gefährlichen Klippenpaß (von den Alten die Slironischen Felsen, jetzt Kaki-Skala, d. i. die böse Stiege, genannt) bildet, der aber unter Hadrian wie neuerdings wieder als fahrbare Straße hergestellt wurde, welche auch von der 12. April 1885 eröffneten Bahn Athen-Korinth berührt wird. Das Gebirge liefert einen zu Bauten brauchbaren Muschelkalk, der Boden der Ebenen Thon, aus welchem im Altertum Thongefäße fabriziert und ausgeführt wurden. Außer der Hauptstadt Megara (s. d.) waren die wichtigern Ortschaften die Hafenstädte Pagä und Agosthenä an der Nordwestküste und der Flecken Tripodiskos im Innern der Landschaft. Die Bevölkerung war ursprünglich lelegisch, wurde aber infolge der dor. Einwanderung, welche den größten Teil des Grundbesitzes in die Hände der dor. Eroberer brachte, in Sprache und Sitten dorisiert. Bei den übrigen Griechen, insbesondere bei ihren Nachbarn, den Athenern, galten die alten Megarer als hinterlistig und betrügerisch; doch waren sie allgemein als tüchtige Seeleute und fleißige Ackerbauer anerkannt. Im jetzigen Königreich Hellas bildet M. eine Eparchie der Nomarchie Attika-Böotien mit Megara als dem Sitz des Eparchos. Vgl. Reinganum, Das alte M.v (Berl. 1825); Bursian, 4Geographie von Griechenlando (Bd. 1, Lpz. 1862).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 576Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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